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28.08.2013

13:48 Uhr

Stromspeicher

Ein Knotenlöser der Energiewende

VonDana Heide

Wenn das klappt, könnte Strom billiger werden: Ein Pilotkraftwerk wandelt Windstrom in Gas um, das einfach zu speichern und transportieren ist. Die Technik könnte zu einem Grundpfeiler der Energiewende werden.

Die Zukunft der Stromversorgung liegt in diesen schlichten Container: Power-to-Gas-Anlage von Eon im brandenburgischen Falkenhagen.

Die Zukunft der Stromversorgung liegt in diesen schlichten Container: Power-to-Gas-Anlage von Eon im brandenburgischen Falkenhagen.

FalkenhagenDer Weg zum kleinen Wunder ist idyllisch. Vorbei an schmalen Waldflächen mit dunkelgrünen Kiefern und zarten, hellgrünen Ahornbäumchen, über viele Kilometer rauscht nichts als grüne Wiesen vor den Augen vorbei, oder besser: Nichts als grüne Wiesen und Windräder. Sie drehen sich im Takt, sie stehen in Gruppen oder allein, in Reih' und Glied oder wild durcheinander.  Brandenburg ist nach Niedersachsen das Bundesland mit den meisten Windrädern. Über 3000 Rotoren drehen hier jeden Tag ihre Runden.

Doch was tun mit dem Strom? Zum Beispiel nachts, wenn die Menschen in Brandenburg und im Rest von Deutschland schlafen und die Bänder in der Produktionsstätten ruhen? Unternehmen und Politik arbeiten derzeit an neuen Möglichkeiten, den Strom zu speichern. Eine vielversprechende Idee weihte heute Wirtschaftsminister Philip Rösler (FDP) im brandenburgischen Falkenhagen ein: „Power-to-Gas“. Ein Kraftwerk, dass aus Strom Gas machen kann.

Speichertechnologien

Mechanische Speicher

Zu mechanischen Stromspeichern gehören Pumpspeicherkraftwerke, Druckluftspeicherkraftwerke und Schwungmassenspeicher. Pumpspeicher gelten als die am weitesten entwickelte Technik. Dabei wird mit überschüssigem Strom Wasser aus einem Bassin in ein weiter oben liegendes Becken gepumpt. Wenn der Strom gebraucht wird, lässt man das Wasser wieder ab. Dabei werden Turbinen angetrieben, die Strom erzeugen. Ein Nachteil der Pumpspeicherkraftwerke ist ihr natürliches Limit: Wenn das gesamte Wasser hochgepumpt wird, ist die Stromspeichermöglichkeit erschöpft.

Elektrochemische Speicher

Batterien zählen zu den elektrochemischen Speichern. Am vielversprechendsten sind derzeit Lithium-Ionen-Batterien. Sie eignen sich laut Experten jedoch vor allem zur kurzzeitigen Speicherung von geringen Mengen Strom und kommen daher vor allem bei Elektroautos zum Einsatz. Auch Blei-Batterien werden vielfach verwendet, sie sind fünfmal billiger als Lithium-Ionen-Batterien, allerdings nicht so flexibel wie sie.

Chemische Energiespeicher

Chemische Energiespeicher sind Wasserstoff oder künstliches Methan. Der überschüssige Strom wird bei dieser Methode dazu genutzt, Wasser in seine Bestandteile aufzuspalten. Daraus entsteht Wasserstoff, was bis zu einer Grenze in das deutsche Erdgasnetz eingespeist werden kann. In einem weiteren Schritt kann der Wasserstoff dann sogar in künstliches Methan, was in der chemischen Zusammensetzung dem natürlichen Erdgas entspricht, umgewandelt werden. So kann es nahezu unbegrenzt in das Gasnetz eingespeist werden.

Ein hoher Zaun umgibt das kleine Feld in Falkenhagen, auf dem sechs grau-weiße Container gegenüberliegend aufgereiht sind. Ein großer weißer Container steht quer dazu und daneben drei kleine Häuschen. Hier wird der Windstrom in Wasserstoff umgewandelt. Die Anlage könnte einer der Schlüssel zum Gelingen der Energiewende werden, denn sie sorgt dafür, dass Windstrom speicherfähiger wird. 

Es ist ruhig hier, nur die Kühlungsanlagen brummen dumpf vor sich hin. Menschen sieht man normalerweise nur wenige, sie werden vor allem zur Kontrolle der erst vor wenigen Wochen fertig gestellten Anlage gebraucht. Ab heute, der Inbetriebnahme, wird nur noch gelegentlich jemand bei dem Gelände vorbeischauen, gesteuert wird die Anlage aus Essen.

Kommentare (62)

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Account gelöscht!

28.08.2013, 14:07 Uhr

Nun ist auch klar, warum es kein intelligentes Stromnetz gibt. Bei einem negtaiven Strompreis lohnen sich die 58% Wirkungsgrad allemal für fette Gewinne. Und die stecken sich die Energiekonzerne gerne selbst ein!

HofmannM

28.08.2013, 14:14 Uhr

Ich frage mich nur, was man mit diesen Gas dann anfangen will?!
Die Gaskraftwerke wird es beim weiteren Ausbau von den sog. Erneuerbaren Energien in Deutschland nicht mehr lange geben. Die Unwirtschaftlichkeit der sog. Erneuerbaren Energien und das damit verbundene Zwangsabnahme und Zwangsvorrangeinspeise Gesetz EEG beeinflussen die Wirtschaftlichkeit der Gas- Kohle und Kernkraftwerke und das auf Negative Art und Weise.
Somit hat man Gas aber keine Kraftwerke mehr. Es wird Zeit, dass die Vernunft und der Verstand wieder in die deutsche Politik zurückkehrt. Darum AfD (Alternative für Deutschland) wählen! (...)


Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

vandale

28.08.2013, 14:23 Uhr

Der Grenzübergangspreis für Erdgas liegt bei 2,85c/kWh.

Der Subventionssatz für Windstrom liegt bei 9,3c/kWh, ggf. zzgl. Repowering Bonus. Bei einem Wirkungsgrad von 58% beträgt der Preis für umweltschädliches Oekowasserstoffgas bei 16c/kWh.

Die Anlage könnte grob geschätzt ca. 1500 €/kW Kapazität kosten. Bei einer Auslastung von 1000h/Jahr und 5% Zins, 5% Reperaturkosten, 12 Jahren Lebensdauer sind dies 22,5c/kWh Anlagekosten.

Ein solch ökoreligiöses Gas würde dann 38,5c/kWh kosten.

Dann können sich nur mehr Sonnenkönige und andere Oekofunktionäre Gas leisten.

Vandale

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