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12.12.2012

07:08 Uhr

Studie

Ruinöser Preiskampf auf dem Strommarkt

ExklusivMit Kampfpreisen buhlen etliche Stromanbieter um die Kunden. Dabei nehmen sie auch Verluste in Kauf, wie eine Studie zeigt. Die Anbieter gingen damit ein enormes Risiko ein, heißt es.

Strom ist Strom – aber die Angebote der Versorger unterscheiden sich teils erheblich. Der Wettbewerb ist teilweise ruinös. dpa

Strom ist Strom – aber die Angebote der Versorger unterscheiden sich teils erheblich. Der Wettbewerb ist teilweise ruinös.

DüsseldorfEin Jahr nach der Pleite des damals größten unabhängigen Stromanbieters Teldafax tobt auf dem deutschen Strommarkt unvermindert ein ruinöser Wettbewerb. Mehr Discountanbieter denn je buhlen mit Kampfpreisen um die privaten Haushalte. Sie gehen mit ihrer Preisgestaltung dabei häufig bis an die Grenze der Seriosität. Das zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney, die dem Handelsblatt vorliegt.

„Die Billigstromanbieter liefern sich unverändert einen teilweise ruinösen Preiskampf“, sagt Hanjo Arms, Energieexperte von A.T. Kearney: „Die Preise, mit denen die Kunden angelockt werden, liegen in vielen Fällen so deutlich unter den Kosten, dass die Anbieter ein enormes Risiko eingehen.“

Die Berater schildern das anschaulich anhand eines repräsentativen Preises, der im Internet beworben wird. Der Anbieter verlangt von einem Kunden mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden, was etwa einem Vier-Personen-Haushalt entspricht, einen Jahresbetrag von 835 Euro.

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Bei den Stadtwerken liegen die Nerven blank: Die Energiewende hat die Strompreise nach oben getrieben und die Kunden verärgert. Da reagiert man schon mal harsch auf unliebsame Berichterstattung.

Mit 590 Euro – also 70 Prozent davon – muss er Steuern, Abgaben und Gebühren für die Nutzung der Stromleitungen begleichen. 190 bis 220 Euro muss der Anbieter bezahlen, um den Strom im Großhandel einzukaufen. Weil er dem neuen Kunden aber zudem einen Bonus von 200 Euro zusichert, ergibt sich ein Fehlbetrag von 145 bis 175 Euro. Bei dieser Rechnung hat der Anbieter weder die Provision für das Vergleichsportal noch seine internen Kosten abgerechnet.

Wer die Strompreise am stärksten erhöht

Berechnung

Strompreiserhöhungen ab Januar 2013, Preise auf Grundlage eines Durchschnittsverbrauches von 5.000 kWh / Jahr.

Stand: 26.11.2012, Quelle: check24.de

Platz 6

Versorger: Infra Fürth GmbH
Tarif: infra grundversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.361,03 Euro
Neuer Preis: 1.618,53 Euro
Differenz in Euro: 257,50 Euro
Differenz in Prozent: 18,92 %

Platz 5

Versorger: EMB Energieversorgung Miltenberg-Bürgstadt GmbH & Co. KG
Tarif: Grund- und Ersatzversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.238,82 Euro
Neuer Preis: 1.474,82 Euro
Differenz in Euro: 236,00 Euro
Differenz in Prozent: 19,05 %

Platz 4

Versorger: Stadtwerke Borken/Westf. GmbH
Tarif: Strom Basis HH
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Alter Preis: 1.213,50 Euro
Neuer Preis: 1.445,50 Euro
Differenz in Euro: 232,00 Euro
Differenz in Prozent: 19,12 %

Platz 3

Versorger: Stadtwerke Straubing Strom und Gas GmbH
Tarif: Grund- und Ersatzversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.204,76 Euro
Neuer Preis: 1.435,26 Euro
Differenz in Euro: 230,50 Euro
Differenz in Prozent: 19,13 %

Platz 2

Versorger: Elektrizitätsvereinigung Böbing
Tarif: Grundversorgung Eintarif
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.298,31 Euro
Neuer Preis: 1.548,31 Euro
Differenz in Euro: 250,00 Euro
Differenz in Prozent: 19,26 %

Platz 1

Versorger: Stadtwerke Plattling
Tarif: Grund- und Ersatzversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.140,76 Euro
Neuer Preis: 1373,76 Euro
Differenz in Euro: 233 Euro
Differenz in Prozent: 20,42 %

Der Analyse zufolge profitieren die Unternehmen von der steigenden Wechselbereitschaft der Energiekunden. A.T. Kearney zufolge wird sich die Zahl der Haushalte, die mindestens einmal ihren Stromanbieter gewechselt haben, von sieben Millionen im Jahr 2011 auf zwölf Millionen im Jahr 2016 erhöhen. Auf dem Gasmarkt wird die Zahl im selben Zeitraum von 1,2 auf 2,2 Millionen steigen.

Unabhängige Anbieter drängen deshalb unvermindert in den Markt. Im Strommarkt waren es 2009 nur 25 und Ende 2011 schon 50, im Gasmarkt stieg die Zahl von 20 auf 55.

Von

juf

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

12.12.2012, 08:05 Uhr

Die Unterschiede zwischen den Anbietern haben sich aber schon drastisch verringert.

Account gelöscht!

12.12.2012, 08:12 Uhr

Letztlich kochen alle Anbieter nur mit Wasser. Wer mit Dumpingpreisen lockt, muss die Verluste später hereinholen. Die Gefahr ist dabei, dass ihm dann die Kunden wieder abspringen und ein Desaster wie bei Teldafax droht.

Mir persönlich ist da ein seriöser Anbieter mit fairen Preisen und das auch auf lange Sicht, lieber.

vandale

12.12.2012, 08:18 Uhr

Theoretisch könnte ein ausländischer Versorger mit eigenen preiswerten Erzeugerkapazitäten in den Deutschen Markt eintreten. Potentielle Kandidaten sind die EDF F, Polnische und Tschechische Versorger. Allerdings haben diese keine Ueberkapazitäten.

Auch ein ausländischer Versorger hätte Steuern, Abgaben, Netz und die EEG Umlage zu bezahlen. Die Kosten der beliebigen Einspeisung religiös motivierter "Erneuerbarer Energien" bliebe diesem erspart.

Offensichtlich sind die Margen im Endkundengeschäft, im Gegensatz zu den vielen marxistisch inspirierten Kommentaren nicht allzu attraktiv.

Vandale

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