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06.12.2013

10:15 Uhr

Sturmtief

„Xaver“ knackt Windstromrekord

VonMartin Dowideit

ExklusivDer landesweit wehende Sturm „Xaver“ hat für einen Höchstwert bei der Stromproduktion gesorgt. Noch nie lieferten Windräder in Deutschland so viel Strom. Die Netzbetreiber stellte das vor Herausforderungen.

Windpark in Niebüll, Schleswig-Holstein: Die Windenergiebranche stellte einen neuen Rekord auf. dpa

Windpark in Niebüll, Schleswig-Holstein: Die Windenergiebranche stellte einen neuen Rekord auf.

DüsseldorfAm späten Donnerstagnachmittag haben die Windräder in Deutschland mehr Strom geliefert als jemals zuvor. In der Stunde von 17 bis 18 Uhr produzierten die Anlagen im ganzen Land etwa 26 Gigawattstunden Strom – das entspricht der Leistung von etwa 15 Atomkraftwerken. Den bisherigen Rekord hatte laut Energieinstitut IWR das Sturmtief „Christian“ Ende Oktober mit einer Spitzenleistung von 24,7 Gigawatt Stromproduktion in der Spitze aufgestellt.

Bei zu starkem Wind ab Windstärke 9 oder 10 drehen die meisten Windräder die Blätter aus dem Wind, um Schäden zu vermeiden. Bei starken Stürmen sinkt daher die Windstromproduktion in den betroffenen Regionen häufig auf null. Dadurch, dass „Xaver“ jedoch über ganz Deutschland kräftig wehte (Liveblog zu „Xaver“), fielen die Abschaltungen kaum ins Gewicht. In den späten Abendstunden des Donnerstags stammten fast 40 Prozent des gesamten in Deutschland produzierten Stroms aus Windenergie.

Die größten Windkraftanlagenhersteller (Ranking 2012)

Platz 10

Die Unternehmensberatung BTM Consult analysiert einmal im Jahr den weltweiten Markt für Windkraftanlagenhersteller. Auf dem zehnten Platz befindet sich in der aktuellen Rangliste, die sich auf Daten von 2012 bezieht, das chinesische Unternehmen Mingyang mit einem Marktanteil von 2,7 Prozent. Laut eigenen Angaben ist die Firma der größte nicht-staatliche Windkraftanlagenbauer von China und arbeite in Deutschland mit dem Unternehmen aerodyn Energiesysteme zusammen.

Platz 9

Auch auf dem neunten Platz ist ein chinesisches Unternehmen, wenn auch nur mit dem geringen Anteil von 3,2 Prozent: Sinovel.

Platz 8

Mit einem Marktanteil von 4,7 Prozent ist United Power auf dem achten Platz der Weltrangliste der größten Windkraftanlagenhersteller. Das Unternehmen ist wie Sinovel und Mingyang in China beheimatet.

Platz 7

6 Prozent Marktanteil hat das chinesische Unternehmen Goldwind.

Platz 6

Gamesa ist das einzige spanische Unternehmen in der Top 10-Liste der größten Windkraftanlagenhersteller der Welt. Die Firma hat ihren Hauptsitz im Baskenland in Nordspanien und hatte 2012 einen Marktanteil von 6,1 Prozent weltweit.

Platz 5

Auf dem fünften Platz befindet sich mit einem Marktanteil von 7,4 Prozent die Suzlon Group aus Indien. Im Vorjahr war sie noch auf dem sechsten Platz

Platz 4

Auch das deutsche Unternehmen Enercon kletterte weltweit in der Rangliste nach oben – vom fünften Platz 2011 ging es auf den vierten Platz 2012. Enercon hat einen Marktanteil von 8,2 Prozent, in Deutschland hat das Unternehmen dagegen einen Anteil von mehr als 50 Prozent. 

Platz 3

Auch auf dem dritten Platz der weltgrößten Windkraftanlagen befindet sich ein deutsches Unternehmen: Siemens. Sein Anteil am Weltmarkt betrug 2012 laut BTM Consult 9,5 Prozent.

Platz 2

Eine schwere Rückschlag musste im vergangenen Jahr der dänische Windkraftanlagenbauer Vestas einstecken. Erstmals seit 2000 schaffte es das Unternehmen mit einem Marktanteil von 14 Prozent nicht auf den ersten Platz der größten Anlagenhersteller.

Platz 1

General Electric hat im vergangenen Jahr erstmals Vestas vom ersten Platz der Rangliste der größten Windkraftanlagenbauer verdrängt – mit einem Marktanteil von 15,5 Prozent. Das US-Unternehmen war 2011 noch an dritter Stelle.

Den gesamten Tag über hatten die Netzbetreiber daher alle Hände voll zu tun. Sie fürchteten zum einen Schäden an Hochspannungsleitungen wegen möglicherweise umstürzender Bäume. Außerdem kamen die Übertragungsleitungen in Richtung Süddeutschland an ihre Kapazitätsgrenzen, wie etwa die Welt berichtete.

Die Netzbetreiber forderten daher von süddeutschen Kraftwerken eine höhere Stromproduktion an und drosselten die Produktion in konventionellen Kraftwerken in Norddeutschland. Windstrom wird mit Priorität ins Netz eingespeist. Die Entschädigungszahlungen für solche außergewöhnlichen Maßnahmen trägt der Stromverbraucher über die Netzentgelte, die Teil des Strompreises sind.

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Auf Basis der Daten des Energiebörse EEX errechnet sich für Donnerstag eine Windstromproduktion von 479 Gigawattstunden, aus konventionellen Quellen stammten fast 1100 Gigawattstunden. Auch am Freitag dürfte ein ähnlicher Wert für die Windstromproduktion erreicht werden, denn die Stromnetzbetreiber erwarten jeweils mehr als 20 Gigawattstunden Windstrom pro Stunde.

Zum Stichtag 30. Juni 2013 drehten sich in Deutschland 23.312 Windräder mit einer Maximalleistung von 32 Gigawatt. Nur ein kleiner Teil der Anlagen steht auf offener See (zum Stichtag 89 Windräder mit einer Kapazität von 0,39 Gigawatt).

Anm. d. Red.: In einer ersten Fassung waren versehentlich die Windstromdaten für Österreich mit angegeben worden, an der Grundaussage ändert sich nichts. Die EEX weist offiziell viertelstündlich die Spitzenleistung der Energieerzeugung aus (in MW). Eine Mittlung der viertelstündlichen Werte auf eine Stunde lässt auf die produzierte Strommenge in MWh bzw. GWh schließen.

Kommentare (68)

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HofmannM

06.12.2013, 08:26 Uhr

Nicht nur die Netzbetreiber stellt das vor Herausforderungen/Blackout Gefahren, sondern auch uns Stromendverbraucher. Die Strompreise werden dank dem EEG dadurch noch mehr für alle Stromverbraucher in die Höhe schießen. Die Windmühlen erzeugen Strom, denn keiner in diesem Moment der Erzeugung braucht und der auch nicht gespeichert werden kann. Diese Windmühlenstromprodktion ist Abzocke am deutschen Stromverbraucher. Die Mafia der sog. Erneuerbare Energieerzeuger zockt das Volk ab!

Account gelöscht!

06.12.2013, 08:55 Uhr

@HofmannM
Milliarden für Kohle, Öl und Gas an Diktatoren und Terroristen zu zahlen macht natürlich mehr Sinn als Wind- und Sonnenstrom von einheimischen Erzeugern zu kaufen.

Beobachter

06.12.2013, 09:07 Uhr

Ich find's gut :

EEG kostet mich ca.350,- p.a.
Auschüttung bzw. Rendite aus Windkraftfond bringt ca. 3.600,-- ( entspricht ca. 6% Rendite ).

So what ?

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