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10.10.2013

15:37 Uhr

Systemrelevanz entscheidet

Energiekonzerne wollen alte Kraftwerke abschalten

Der Bundesnetzagentur liegen Anträge auf die Stilllegung von 28 mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerken vor. Die meisten seien für die Betreiberkonzerne nicht mehr rentabel – aber für das Netz relevant.

Hochspannungsleitung: „Eine Stilllegung von Kraftwerken im südlichen Deutschland gefährdet die Systemsicherheit und kann deshalb nicht hingenommen werden.“ dpa

Hochspannungsleitung: „Eine Stilllegung von Kraftwerken im südlichen Deutschland gefährdet die Systemsicherheit und kann deshalb nicht hingenommen werden.“

DüsseldorfDeutschlands Energiekonzerne wollen knapp 30 alte Kohle- und Gaskraftwerke stilllegen. Entsprechende Anträge lägen der Bundesnetzagentur für 28 Kraftwerksblöcke vor, sagte eine Sprecherin der Regulierungsbehörde in Bonn. Die Anträge würden nun geprüft. Stelle sich dabei heraus, dass die Kraftwerke für den Netzbetrieb und die Sicherheit der Stromversorgung wichtig seien, werde den Betreibern die Stilllegung untersagt.

Grund für die Anträge dürfte in den meisten Fällen sein, dass sich der Betrieb der Kraftwerke aufgrund der Konkurrenz von Ökostrom nicht mehr lohnt. Netzagentur-Präsident Jochen Homann sagte der „Rheinischen Post“, es sei jedoch damit zu rechnen, dass Stilllegungen in zahlreichen Fällen abgelehnt würden. Genehmigt werden könnten nur Kraftwerk-Stilllegungen nördlich des Mains.

Fragen und Antworten zur Förderung der erneuerbaren Energien

Was ist die EEG-Umlage?

Rund 45 Prozent des Strompreises machen bereits Steuern, Abgaben und Umlagen aus - im Fokus steht besonders die sogenannte EEG-Umlage. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sind für Wind- und Solarparks, Biogasanlagen und Wasserkraftwerke auf 20 Jahre garantierte feste Vergütungssätze festgelegt. Daher ist mit einem raschen Sinken der Förderkosten vorerst nicht zu rechnen.

Wie werden die Vergütungssätze berechnet?

Gezahlt wird die Differenz zwischen dem garantierten Vergütungssatz für den Hersteller und dem tatsächlich am Markt erzielten Preis. Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und von Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Fördersummen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert.

Was ist das Quotenmodell?

Beim Quotenmodell müssen Energieversorger einen bestimmten Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen liefern - notfalls durch Zukauf von Ökostrom bei Betreibern von Wind- oder Solarparks. Wie sie das anstellen ist nebensächlich, Hauptsache sie erfüllen die Quote. Wenn sie die Quote nicht erfüllen, müssen sie Strafe zahlen. Bisher haben etwa Großbritannien und Schweden das Quotenmodell umgesetzt.

Wie die Netzagentur-Sprecherin sagte, liegen von den 28 Kraftwerken mit einer Erzeugungskapazität von insgesamt knapp 7000 Megawatt acht in Süddeutschland. Diese acht Kraftwerke machten in etwa ein Viertel der Erzeugungskapazität aus. Knapp ein Dutzend Anträge sei schon geprüft, beim überwiegenden Teil hingegen seien die Prüfverfahren noch nicht abgeschlossen.

Die Bundesnetzagentur hatte bereits im Sommer erklärt, Kraftwerk-Stilllegungen im Süden kritisch zu bewerten. Im Bericht zur Stromversorgung im vergangenen Winter hatte die Regulierungsbehörde festgestellt: „Eine Stilllegung von Kraftwerken im südlichen Deutschland gefährdet die Systemsicherheit und kann deshalb nicht hingenommen werden.“ Denkbar sei der Verzicht auf einzelne konventionelle Kraftwerke „erst mit erfolgtem Netzausbau und abgeschlossenem Kernenergie-Ausstieg“.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

10.10.2013, 16:06 Uhr

" „Eine Stilllegung von Kraftwerken im südlichen Deutschland gefährdet die Systemsicherheit und kann deshalb nicht hingenommen werden.“ Denkbar sei der Verzicht auf einzelne konventionelle Kraftwerke „erst mit erfolgtem Netzausbau und abgeschlossenem Kernenergie-Ausstieg“."

Es lohnt sich lohnt sich, über diese Äußerung der Bundesnetzagentur ein paar Minuten nachzudenken.

Lobenswert an der Meinung der Bundesnetzagentur ist, dass sie den Zusammenhang zwischen Netzstabilität und regulierbaren Wärmekraftwerken anspricht. Sie scheint, wie der erste Satz erkennen lässt, zu ahnen, dass Wind und Sonne eben diese Netzstabilität nicht garantieren können.

In zweiten Teil ihrer Äußerung jedoch fällt sie wieder hinter diese Erkenntnis zurück. Das geht jedenfalls aus ihrer Meinung hervor, dass man nach "erfolgtem Netzausbau" auf einzelne konventionelle Kraftwerke verzichten könne.

Welch ein Blödsinn! Welch eine Volksverdummung! Schon in der Schule lernt jeder, dass Null mal X immer Null ist. Das bedeutet: Auch wenn die ganze Republik mit einem so dichten Netz aus Stromleitungen überzogen sein sollte, dass über jedem Quadratmeter Leitungen zu sehen sind, gälte: Wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint, gibt es keinen Strom. Null mal X ist und bleibt Null.

Man wird auf kein einziges der Kraftwerke verzichten können, die vor dem Bau von Wind- und Solarkraftwerken notwendig waren. Man wird eine totale Doppelstruktur von Kraftwerken benötigen. Die Kosten dürften jährlich im dreistelligen Milliardenbereich anzusiedeln sein.

Deutschland wird das nicht bezahlen können. Der wirtschaftliche Niedergang ist die zwangsläufige Folge. Frau Merkel betreibt eine Politik der verbrannten Erde.

Account gelöscht!

10.10.2013, 16:10 Uhr

Artikel: "Eine Studie zeigte indes, dass große Solarkraftwerke auf Freiflächen in Süddeutschland auf lange Sicht den günstigsten Ökostrom erzeugen können."

Viele haben schon verstanden, dass nachts die Sonne in ganz Deutschalnd nicht scheint. Die Autoren der Studie/ des Artikels offenbar noch nicht.

Wenn man die Kosten für Stromspeicher hinzurechnet, kommen eben nicht einstellige Werte (ct/kWh) heraus, sondern unbezahlbare.

EinEuroKraftwerke

10.10.2013, 16:48 Uhr

Systemrelevante Kraftwerke gehören nicht als Faustpfand in Privathand, die damit zwecks "Profitoptimierung" die Bevölkerung erpressen kann.

Wenn die Anlagenbetreiber mit ihren Kraftwerken tatsächlich 'draufzahlen, werden sie sicher mit Freuden diese Anlagen für einen symbolischen Euro an den Steuerzahler übergeben, der ja eh auf die eine oder andere Tour für saisonale "Verluste" aus dem Betrieb dieser systemrelevanten Kraftwerke aufkommen muß.

Also ich könnte mich zur Not sicher breitschlagen lassen, für eins dieser 28 Ein-Euro-Kraftwerke den Symbolischen zu spenden. Die damit verbundene Zeche inklusive Entsorgungs- und Endlagerkosten zahlt ja sowieso schon seit Jahrzehnten die Allgemeinheit.

Bisher geht die Kohle aber immer zuerst durch's Säckel der Privaten.

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