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18.08.2015

12:51 Uhr

Tankstellen in Not

Snacks bleiben nachmittags liegen

VonRegine Palm , Jennifer Garic

Dank der niedrigen Rohölpreise tanken die Autofahrer wieder günstiger. Trotzdem bleiben etliche Tankstellen auf den Brötchen sitzen – weil Schnäppchenjäger oft erst am Spätnachmittag tanken und keinen Hunger mehr haben.

Bezinpreis-Jo-Jo

Tankstellen bleiben auf Frühstücksangebot sitzen

Bezinpreis-Jo-Jo: Tankstellen bleiben auf Frühstücksangebot sitzen

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DüsseldorfAn den Tankstellen sind die Preise wieder ins Rutschen geraten. Erstmals seit Wochen kostet ein Liter Super selbst früh am Tag oft wieder weniger als 1,40 Euro. Darüber freuen dürfen sich laut Automobilclub ADAC in erster Linie die Autofahrer im Norden Deutschlands. Allerdings können sich die Autofahrer im ganzen Land nicht mehr darauf verlassen, dass es nur früh morgens und nachts am teuersten ist. Nach einer ADAC-Auswertung der Kraftstoffpreise im Juli ziehen die Spritpreise nun auch während der Mittagsstunden kräftig an.

Zumindest diese Entwicklung lässt sich in der Regel nicht mit den Ölpreisen an den internationalen Rohstoffmärkten erklären. Sie sind – zusammen mit der leichten Erholung des Euro-Kurses – maßgeblich für den jüngsten Rutsch der Benzinpreise. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl kosten in Europa zurzeit rund 48 Dollar. Noch Ende Juni notierte Brentöl über 60 Dollar.

Tankstellen im Wandel: Der Supermarkt mit Zapfsäule

Tankstellen im Wandel

Der Supermarkt mit Zapfsäule

Ob Mini-Rewe neben der Zapfsäule oder Drive-In-Schalter für bequeme Kunden: Tankstellen ändern ihr Gesicht. Benzin wird immer mehr zur Nebensache. Was sich die Branche für das Shop-Geschäft ausdenkt.

Gleichzeitig hat sich der Euro gegenüber dem Dollar erholt. Im Tief war die europäische Gemeinschaftswährung Mitte Juli weniger als 1,08 Dollar wert. Inzwischen liegt der Euro wieder bei 1,11 Dollar. Mit anderen Worten: Das in Dollar gehandelte Rohöl wird für Europäer billiger.

Das nutzt auch den Tankstellen: Denn mit niedrigeren Benzinpreisen steuern die Autofahrer in der Regel häufiger die Zapfsäulen an. Dennoch jubeln die Tankstellenbetreiber nicht. Zuletzt hieß es, dass ihre Umsätze im Shop-Geschäft schrumpfen. Ein Grund dafür sei, dass am frühen Morgen der Sprit teuer ist. Das schrecke die Autofahrer ab – diese verzichten dann eben auf den Kaffee, belegte Brötchen, Croissants & Co.

Die beliebtesten Tankstellen der Deutschen

Platz 10

Avia - 2,2 Prozent der Autofahrer tanken hauptsächlich dort.

Platz 9

Agip - 2,5 Prozent

Platz 8

OMV - 3,4 Prozent

Platz 7

Star - 4,7 Prozent

Platz 6

Total - 7,3 Prozent

Platz 5

Jet/Conoco 9,9 Prozent

Platz 4

Esso - 12,2 Prozent

Platz 3

Shell - 15,9 Prozent

Platz 2

Aral - 22,9 Prozent

Platz 1

28,3 Prozent der deutschen Autofahrer tankten 2014 hauptsächlich bei freien Tankstellen.

Quelle: VuMA/Statista

Das ist für die Tankstellenbetreiber von Übel, denn der Verkauf von Lebensmitteln und anderem ist für sie längst wichtiger als der Verkauf von Kraftstoffen. Beim Marktführer Aral machten die Einnahmen aus dem Shop-Geschäft im vergangenen Jahr immerhin 63 Prozent des gesamten Ertrags aus, der Anteil der Kraft- und Schmierstoffe lag nur noch bei 14 Prozent. Werden weniger Lebensmittel, Zeitschriften und Zigaretten gekauft, stellt das für die Pächter der Tankstellen also ein großes Problem dar.

Kommentare (10)

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Herr Peter Insam

18.08.2015, 12:59 Uhr

Mir ist kein anderes Land bekannt, in welchem die Spritpreise derart stark täglich schwanken. Das ist eine unglaubliche Frechheit. Waren früher Preiserhöhungen um vier Pfennig (!) sogar eine Meldung in der Tagesschau wert, so sind Preisspannen von bis zu 12 Cent am Tag heute keine Seltenheit. Wo bleibt der Verbraucherschutz? Was macht der ach-so-tolle ADAC?

Herr Fred Meisenkaiser

18.08.2015, 13:05 Uhr

Ist schon interessant und typisch für Deutschland!
Als Bürger und Verbraucherschützer konstantere Spritpreise forderten, gar das österreichische Vorbild nannten - wurde es abgelehnt. Stattdessen wurde ein neues sinnloses Amt installiert und auf kommende HandyApps (!!!!) verwiesen. Es geht kaum komplizierter.

Nun, da die Tanlkstellenbetreiber ihre Gewinne schwinden sehen, kommt Bewegung in die Sache.

Lobbyismus pur.

Herr Werner Wilhelm

18.08.2015, 13:10 Uhr

Richtig, wir brauchen ein Benzinpreisschwankungsgesetz. SPD?

Wobei: Den Tankstellenbesitzern geht es noch relativ gut. Wo bleiben die Meldungen über Massenentlassungen im Frisörgewerbe wegen des Mindestlohns?

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