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20.11.2013

08:53 Uhr

Teillösung für Übersee-Stahlwerke

Thyssen-Krupp verschiebt Bilanzvorlage

Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger hat sich zu einem schmerzlichen Schritt entschlossen. Die für Donnerstag geplante Vorlage der Bilanz wird abgeblasen. Das US-Stahlwerk steht vor dem Verkauf, Brasilien bleibt ein Problem.

Verhandlungen über Stahlwerk

Thyssen-Krupp bläst Bilanzvorlage ab

Verhandlungen über Stahlwerk: Thyssen-Krupp bläst Bilanzvorlage ab

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Essen/DüsseldorfThyssen-Krupp verschiebt seine für Donnerstag geplante Bilanzpressekonferenz. Das hat der Vorstand am Dienstagabend beschlossen. Thyssen-Krupp befinde sich in exklusiven Verhandlungen über den Verkauf des neuen Stahlwerks im US-Bundesstaat Alabama, teilte das Unternehmen nach der Sitzung des Gremiums mit.

Ein Konsortium um Arcelor-Mittal will das US-Stahlwerk übernehmen. Ein Vertrag über die Veräußerung könnte zeitnah unterzeichnet werden, wie das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfuhr. Zum Interessenten machte der Ruhrkonzern selbst indes keine Angaben. Sollten Thyssen-Krupp und das Konsortium handelseinig werden, dann wäre dies ein enorme Entlastung für den Konzern.

Die Gespräche beinhalteten auch mögliche langfristige Lieferungen von Stahl aus dem Werk in Brasilien. Diese Formulierung legt nahe, dass Thyssen-Krupp die Anlage in Brasilien behält. Der Konzern versucht seit eineinhalb Jahren, die verlustreichen Fabriken in Brasilien und den USA abzustoßen. Den Geschäftsbericht will der Mischkonzern nun am 2. Dezember statt am Donnerstag vorlegen.

Konzernchef Heinrich Hiesinger kann damit für das drängendste Problem des Ruhrkonzerns – den Verkauf der gesamten Sparte Steel America, die monatlich bis zu 100 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet – immerhin eine Teillösung präsentieren. Das Werk in Alabama könnte dauerhaft aus den Büchern verschwinden. Doch überwunden ist die Misere damit nicht.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Die negative Nachricht lautet: Thyssen-Krupp hat keinen Käufer für das Stahlwerk in Brasilien gefunden. Die Hütte ist das Hauptübel für die wirtschaftliche Not des Traditionskonzerns. Gelingt aber der Verkauf des US-Werks, würde Arcelor-Mittal für das Werk in Alabama Stahl aus Brasilien zu fest vereinbarten Preisen beziehen und damit das Ergebnis der Hütte nahe Rio de Janeiro positiv beeinflussen. Neuerliche Abschreibungen auf die Werke würden damit wohl nicht nötig, hieß es.

Die Übersee-Stahlwerke haben rund zwölf Milliarden Euro verschlungen – das ist mehr als die fünffache Summe, die im ursprünglichen Investitionsplan stand. Der geplante Verkauf des Werks in Alabama könnte allerdings eine erneute milliardenschwere Abschreibung verhindern.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger hatte immer wieder Rückschläge bei den Verkaufsbemühungen hinnehmen müssen. Auch jetzt zeigte sich der Konzern noch nicht erfreut. „Ein erfolgreicher Abschluss der Transaktion ist zurzeit noch offen.“

Kommentare (6)

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INdieTASCHEluegen

20.11.2013, 08:33 Uhr

hintergrund wird sein ,daß seine bilanz prüfer streß machen und nur mit dem hinweis auf z. zt. mangelnde kapitalausstattung , testieren wollen .

also muß diwe völlig überzahlte vorstandspuppe gerichtsfest die konkreten kapitalmaßnahmen aufzeigen,sonst fliegt hiesingerle schon am landgericht die bilanz um die ohren

mich erinnert das an den vatikan.einere thront und blickt nicht durch,hat aber für seine eigene unzulänglichkeit viel zuviel worte und verweist nach oben.

Realsatire

20.11.2013, 09:02 Uhr

Ich halte Ihren Kommentar für polemisch, der geschilderten Situation für nicht gerecht werden und inhaltlich von wenig Fachwissen geprägt.

Account gelöscht!

20.11.2013, 09:47 Uhr

Ich kann mir diese Totalpleite nur so erklären:

Die Stahlwerke wurden den Feindstaaten USA und Brasilien auf Veranlassung von Beitz als Reparationen geliefert, folglich wird Thyssen Krupp dafür auch kein Geld sehen.

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