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17.11.2016

11:47 Uhr

Tesla und Solar City

Die große Solar-Wette des Elon Musk

Für Tesla-Chef Elon Musk ist die Fusion mit Solar City eine geniale Verbindung. Doch die zahlreichen Kritiker wittern Vetternwirtschaft und sprechen von einer „wandelnden Insolvenz“. Heute haben die Aktionäre das Wort.

Der Visionär aus dem Silicon Valley muss den Aktionären einen weiteren gewagten Deal verkaufen. AP

Elon Musk

Der Visionär aus dem Silicon Valley muss den Aktionären einen weiteren gewagten Deal verkaufen.

Foster City/Palo Alto Dass Elon Musk vor Risiken nicht zurückscheut, ist bekannt – nun stellt der Tech-Milliardär einmal mehr seinen unternehmerischen Wagemut unter Beweis. Für 2,6 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) soll sein Elektroautobauer Tesla die Ökostromfirma Solar City schlucken. Beide Unternehmen schreiben regelmäßig rote Zahlen und sind bislang nicht viel mehr als große Versprechen. An diesem Donnerstag sollen die Aktionäre über die Fusion abstimmen.

Musk schwärmt von einer „idealen Verbindung“ mit offensichtlichen Vorteilen. Die Übernahme schaffe den einzigen vollintegrierten Energiekonzern der Welt, mit Nachhaltigkeit aus einer Hand: Stromerzeugung und Energiespeicher von Solar City, umweltschonender Transport mit dem Elektroauto von Tesla. Als „einzigartige Kombination, die übertrifft, was jedes andere Unternehmen bieten kann“, preist der Superstar des Silicon Valleys seinen Plan an.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Dennoch gibt es erhebliche Zweifel. Kritiker werfen Tesla-Chef Musk Interessenkonflikte vor, da er zugleich größter Anteilseigner und Verwaltungsratschef bei Solar City ist. Er war Geburtshelfer der von Cousins gegründeten und geführten Firma. Auch Tesla-Mitgründer JB Straubel sitzt bei Solar City im Verwaltungsrat. Der Großinvestor Jim Chanos bezeichnete den geplanten Deal deshalb als „schlimmstes Beispiel für schamlose Unternehmensführung“.

Der bekannte Hedgefonds-Manager spricht von einer „wandelnden Insolvenz“ und geht davon aus, dass das fusionierte Unternehmen rund eine Milliarde Dollar pro Quartal verbrennen wird. Chanos macht keinen Hehl daraus, dass er von Musks Geschäftsgebaren nichts hält und auf einen Kursverfall der Aktien seiner Firmen wettet.

Der Finanzinvestor mag ein Extrembeispiel für besonders verschärfte Ansichten sein. Doch auch gemäßigtere Stimmen sind skeptisch. Würde es sich bei der Übernahme nicht durch und durch um einen „Silicon Valley Deal“ handeln, so wäre der Plan schon bei seiner Ankündigung gescheitert, schrieb etwa Experte Steven Davidoff Solomon in seiner „New York Times“-Kolumne „Deal Professor“. Das Vorhaben sei angesichts der Verflechtungen der Firmen „inzestuös“ und so stark von Interessenkonflikten behaftet wie nur möglich. Dass Musk damit durchkomme, liege an seinem Bonus als Tech-Visionär.

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

17.11.2016, 11:57 Uhr

Mit Zukäufen kann man auch eine Insolvenzverschleppung auf die lange Bank schieben bzw. auch vertuschen.
Achso....Stichwort Insolvenzverschleppung....was macht eigentlicher Solarworld...Kapitalerhöhung um die Insolvenzverschleppung weiter fortfahren zu können oder kommt jetzt doch endlich die Insvolvenzeröffnung?

Rainer von Horn

17.11.2016, 12:08 Uhr

Die Pioniere im Bereich der "Erneuerbaren" waren oftmals Visionäre mit wenig Blick auf das praktisch Machbare und das reell nachhaltig Finanzierbare und ich habe den dringenden Verdacht, daß Herr Musk auch in diese Kategorie gehören könnte.

Diese Leute wollen ziemlich alle zu viel, zu schnell.

"Wandelnde Insolvenz"..treffende Beschreibung.

Lothar dM

17.11.2016, 12:09 Uhr

Musk versucht, den Fokus weg von darbenden Autogeschäft zu lenken, was nur mit einer komplexen Konzernstruktur möglich ist. Nicht mal Musk kann nämlich die physikalischen Limits bei reinen Stromern (Stichwort Batteriereichweite) aushebeln. Mal abgesehen von den Brandgefahren und der Sondermüllproblematik bei reinen Stromern! Aussichtslos!

Die Zukunft im Individualverkehr gehört Hybriden und dem Wasserstoff, wetten!

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