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04.07.2016

14:11 Uhr

Thyssen-Krupp baut Anlagensparte um

„German Engineering reicht nicht mehr“

VonMartin Wocher

Das Anlagengeschäft von Thyssen-Krupp steht vor den größten Veränderungen seit Jahrzehnten. Spartenchef Jens Michael Wegmann will Kompetenzen ins Ausland verlagern und das Servicegeschäft deutlich ausbauen.

„Wir stehen im Anlagenbau beim Auftragseingang massiv unter Druck.“ Thyssen-Krupp Industrial Solutions

Jens Michael Wegmann

„Wir stehen im Anlagenbau beim Auftragseingang massiv unter Druck.“

EssenVor großen Aufgaben ist Jens Michael Wegmann nicht bange: „Ich bin ein begeisterter Anlagenbauer“, sagte der 50-jährige Manager, der seit Mitte Oktober 2015 die Geschäfte der Sparte beim Industriekonzern Thyssen-Krupp führt. Diesen Enthusiasmus wird Wegmann gut brauchen können, schließlich hat er seinem Geschäftsbereich mit zuletzt 6,3 Milliarden Euro Umsatz gerade den größten organisatorischen Umbau seit Jahrzehnten verordnet.

Seine wichtigsten Beweggründe: Obwohl seit gut 15 Jahren nach der Fusion der beiden Ruhrkonzerne Thyssen und Krupp unter dem Dach der Sparte „Industrial Solutions“ vereint, arbeiten die unterschiedlichen Töchter wie Uhde, Polysius oder die Fördertechnik noch vielfach nebeneinander her; manchmal sogar gegeneinander. Synergien haben sich bislang nicht im größeren Maßstab eingestellt.

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Das will Wegmann ändern – er muss es auch, denn das Geschäft mit dem Bau von Fabriken für die Herstellung von Zement, Düngemitteln, chemischen Produkten oder Förderanlagen für den Bergbau ist zuletzt schwieriger geworden. Sinkende Öl-, Gas- und Erzpreise dämpft die Investitionslust großer Kunden, die für eine Düngemittel oder Zementfabrik schon mal eine bis zwei Milliarden Euro aufbringen müssen. Die Zahl der neuen Bestellungen ist seit vergangenem Herbst rückläufig. „Wir stehen im Anlagenbau beim Auftragseingang massiv unter Druck“, sagte Wegmann am Montag in Essen.

Für den Manager sind die Konsequenz daraus klar: Er will die Abhängigkeit von solchen Großprojekten verringern und dafür stärker eine regionale Kompetenz und den gesamten Servicebereich ausbauen. Der wirft mit zweistelligen Margen deutlich mehr ab als das Projektgeschäft. Derzeit trägt der Dienstleistungssektor gerade mal 13 Prozent zum Umsatz bei, binnen der kommenden vier Jahre will Wegmann diesen Anteil auf ein Drittel steigern. Das heißt für ihn aber auch: „Wir müssen näher ran an die Kunden“.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

So wird es ab dem 1. Oktober direkte Verantwortliche für die einzelnen Branchen wie Bergbau, Düngemittel, Förderanlagen oder auch den Bau von Marineschiffen geben, der ebenfalls der Sparte angegliedert ist. Eine komplette Führungsebene wurde für diese nähere Anbindung gestrichen, rund die Hälfte der Führungskräfte ausgetauscht. Bei der Abwicklung der Projekte können die Manager nun auf einen Pool von mehreren tausend Ingenieuren sowie eine zentrale Beschaffung zurückgreifen, die für alle Bereiche der Sparte arbeiten.

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