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12.08.2016

17:53 Uhr

Thyssen-Krupp

Betriebsräte protestieren gegen Stahlfusion

Thyssen-Krupps Betriebsrat wehrt sich gegen eine mögliche Fusion mit Tata Steel: Der Zusammenschluss sei nicht notwendig – und zudem riskant. Der Konzernchef hatte sich zuvor für Fusionen ausgesprochen.

Für den 31. August hat die IG Metall die Beschäftigten zu einer Demonstration vor der Hauptverwaltung der Stahlsparte in Duisburg aufgerufen. Reuters

Thyssen-Krupp in Duisburg

Für den 31. August hat die IG Metall die Beschäftigten zu einer Demonstration vor der Hauptverwaltung der Stahlsparte in Duisburg aufgerufen.

DuisburgDie Arbeitnehmervertreter von Thyssen-Krupp machen gegen die Überlegungen für eine Stahlfusion mit Tata Steel mobil. „Wir sehen die Notwendigkeit einer Fusion nicht“, sagte Stahlbetriebsratschef Günter Back am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger habe bislang keine klare Begründung dafür gegeben. Auch habe er nicht über die Risiken aufgeklärt. „Man holt sich womöglich jemanden ins Haus, der nicht die Performance hat wie die Thyssen-Krupp Steel Europe AG. Die waren im letzten Geschäftsjahr grottenschlecht.“

Back äußerte sich im Anschluss an eine Konferenz von rund 250 Betriebsräten der Stahlsparte in Duisburg. Zu dem Treffen der Betriebsräte am Freitag war auch Stahlchef Andreas Goss geladen. Dieser hat angekündigt, die Kosten weiter zu senken. Goss wollte sich im Anschluss zunächst nicht äußern. „Der Vorstand ist nebulös geblieben. Er hat keine der substanziellen Fragen beantwortet“, sagte Back. „Wir haben alles Recht dazu, von der Vorstellung des Vorstands heute enttäuscht und richtig sauer zu sein.“

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Thyssen-Krupp-Konzernchef Hiesinger hat sich für Zusammenschlüsse in der von Überkapazitäten, Billigimporten und Preisdruck gebeutelten Schwerindustrie ausgesprochen. Im vergangenen Quartal war der operative Gewinn der Stahlsparte auf 91 von 166 Millionen Euro gefallen.

Für den 31. August hat die IG Metall die Beschäftigten zu einer Demonstration vor der Hauptverwaltung der Stahlsparte in Duisburg aufgerufen. In der Ruhrgebietsstadt tritt an diesem Tag der Aufsichtsrat von Steel Europe zusammen. Das Unternehmen beschäftigt rund 27.000 Mitarbeiter. Die Arbeitnehmervertreter befürchten im Fall einer Fusion einen Jobabbau und die Schließung von Standorten.

Von

rtr

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