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12.02.2016

10:24 Uhr

Thyssen-Krupp

Brasilien-Hütte reißt Stahlkonzern wieder in die roten Zahlen

VonMartin Wocher

Der Abrutsch der Stahlpreise sorgt bei Thyssen-Krupp zu Beginn des neuen Geschäftsjahres für rote Zahlen. Die stabile Industriesparten können das schwache Stahlgeschäft des Ruhrgebietskonzerns nicht ausgleichen.

Der Konzern hat im vergangenen Quartal wegen der schwachen Stahlpreise einen Verlust geschrieben. dpa

Stahlwerk von Thyssen-Krupp in Duisburg

Der Konzern hat im vergangenen Quartal wegen der schwachen Stahlpreise einen Verlust geschrieben.

DüsseldorfDer rasante Verfall der Stahlpreise hat Thyssen-Krupp wieder in die Verlustzone gedrückt. Unter dem Strich wies der Essener Traditionskonzern im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Fehlbetrag von 23 Millionen Euro aus. Ein Jahr zuvor stand dem noch ein Plus von 50 Millionen Euro gegenüber. Zuwächse im Industriegeschäft rund um Aufzüge, Autokomponenten und Anlagenbau konnten die Einbußen in der Stahlproduktion und Stahlhandel nicht ausgleichen. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) schrumpfte stärker als von Analysten erwartet um gut ein Viertel auf 234 Millionen Euro.

Trotz des schlechten Starts hält der Konzern an seiner Ergebnisprognose fest. So will Thyssen-Krupp am Ende des Geschäftsjahres einen operativen Gewinn zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro vorweisen. „Voraussetzung ist allerdings eine Erholung der Werkstoffgeschäfte in der zweiten Geschäftsjahreshälfte“, betonte am Freitag erneut Finanzvorstand Guido Kerkhoff.

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Thyssen-Krupp kommt langsam voran, doch Marktturbulenzen setzen dem Konzern zu: Der Gewinnzuwachs speist sich vor allem aus Einsparungen, Firmenverkäufe führen zu zu hohen Sonderabschreibungen. Der Thyssen-Chef erwartet ein schwieriges Jahr.

Während viele Branchenexperten daran starke Zweifel haben, sieht Kerkhoff inzwischen eine Bodenbildung: „In Europa haben sich die Stahlpreise stabilisiert, in den USA und China sind sie zuletzt sogar leicht angestiegen“, sagte er. Auch hätten sich die Importe aus China zuletzt nicht weiter erhöht. Zudem hofft Kerkhoff auf eine stärkere Nachfrage der Stahlkunden, die ihre Lagerbestände inzwischen auf das Niveau des Krisenjahres 2009 heruntergefahren hätten.

Richtig schwach verlief bei Thyssen-Krupp das amerikanische Stahlgeschäft: So fuhr das Werk in Brasilien ein kräftiges Minus von 74 Millionen Euro ein – im ersten Quartal des Vorjahres war das Ergebnis noch ausgeglichen. Schon seit langem versucht der Konzern einen Käufer für seine defizitäre Tochter in Brasilien zu finden, Kerkhoff bestätigte, dass die Hütte in Südamerika „kein strategisches Asset für den Konzern ist“.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Angesichts des schwierigen Marktumfeldes halten Branchenexperten einen Verkauf derzeit für schwierig, zumal Thyssen-Krupp mindestens zwei Milliarden Euro dafür erzielen möchte, um keine neuen Abschreibungen auf den entsprechend hohen Buchwert vornehmen zu müssen.

Viel besser – vor allem im Branchenvergleich – schnitt dagegen die europäische Stahltochter des Traditionskonzerns ab. So schmolz der operative Gewinn (Ebit) um ein Drittel auf nur noch 51 Millionen Euro, immerhin schreibt Steel Europe als einer der wenigen Stahlproduzenten in Europa immer noch schwarze Zahlen.

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