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19.11.2015

07:56 Uhr

Thyssen-Krupp im Umbruch

Die Krise an der Ruhr ist noch nicht vorbei

Thyssen-Krupp arbeitet sich aus der Krise. Der Ruhrkonzern kann seinen operativen Gewinn deutlich steigern – muss aber einige Dämpfer einstecken. Für Vorstandschef Hiesinger bleibt der Umbau eine Mammutaufgabe.

Thyssen-Krupp-Chef im Interview: „VW-Krise hat keine Auswirkungen“

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Essen/DüsseldorfDer Industriekonzern Thyssen-Krupp lässt seine existenzbedrohende Krise weiter hinter sich. Der operative Gewinn stieg im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr um gut ein Viertel auf knapp 1,7 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag in Essen mitteilte. Dabei profitierte der Ruhrkonzern vor allem von Einsparungen, die sich auf 1,1 Milliarden Euro summierten. Zudem legte das Aufzugsgeschäft kräftig zu.

Allerdings gab es zuletzt einige Dämpfer. So wuchs der Umsatz nur dank des schwachen Euro noch um vier Prozent auf 42,8 Milliarden Euro, der Auftragseingang wäre ohne die günstigen Wechselkurse sogar um fünf Prozent gesunken.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Unter dem Strich blieb ein Überschuss von 309 Millionen Euro übrig, das ist fast die Hälfte mehr als ein Jahr zuvor. Der Konzern hatte lange unter Fehlinvestitionen in neue Stahlwerke sowie Abschreibungen auf das Edelstahlgeschäft gelitten. Zwischenzeitlich fielen Milliardenverluste an. Erstmals seit neun Jahren nahm Thyssen-Krupp nun im laufenden Geschäft wieder mehr Geld ein als der Konzern ausgab. Ein positiver Geldzufluss aus dem Tagesgeschäft war ein wichtiges Ziel von Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Allerdings hatten Analysten mit stärkeren Zahlen gerechnet.

Zu den Aussichten äußerte sich der Konzern zudem verhalten. „Sorge bereiten uns wachsende Unsicherheiten bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie der hohe Importdruck auf den Werkstoffmärkten vor allem aus Asien“, schreibt Hiesinger im am Donnerstag vorgelegten Geschäftsbericht: „Insgesamt halten wir daher einen vorsichtigen Blick auf 2015/2016 für geboten.“ Er kündigte weitere Kostensenkungen an. Im neuen Geschäftsjahr peilt Thyssen-Krupp einen operativen Gewinn zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro an.

Thyssen-Krupp: Hiesingers Risiken

Thyssen-Krupp

Premium Hiesingers Risiken

Thyssen-Krupp kommt mit der Sanierung voran. Doch Konzern-Chef Heinrich Hiesinger muss erst noch beweisen, dass sein Plan aufgeht. Vor allem der Konjunkturabschwung dürfte viele Sparten treffen.

Mit den jetzt vorgelegten positiven Zahlen wollte sich der Konzern eigentlich aus dem Krisenmodus verabschiede.. Noch vor vier Jahren stand Thyssen-Krupp nach milliardenschweren Abschreibungen wegen des missglückten Amerika-Abenteuers hart am Rande der Insolvenz. Mit dem Verkauf von Firmenteilen, einem rigorosen Sparprogramm und einer neuen strategischen Ausrichtung ist es Konzernchef Heinrich Hiesinger jedoch gelungen, das Essener Traditionsunternehmen wieder zu stabilisieren.

Schon im vergangenen Jahr schrieb Thyssen-Krupp erstmals wieder einen – wenn auch bescheidenen – Gewinn von 210 Millionen Euro und beglückte nach Jahren der Dürre die Anteilseigner mit einer Dividende. Die beträgt für das gerade abgelaufene Geschäftsjahr 15 Cent je Aktie – vier Cent mehr als zuletzt. Hier hatten von Reuters befragte Analysten mit 21 Cent gerechnet. „Die Dividende kann uns mittelfristig zwar nicht zufrieden stellen“, räumte Hiesinger ein. Es sei aber ein Schritt in die richtige Richtung.

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