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19.03.2013

13:38 Uhr

Thyssen-Krupp

Neuanfang mit einem alten Bekannten

Er baute Henkel um und arbeitete die Skandale der Telekom auf, jetzt soll Ulrich Lehner bei Thyssen-Krupp aufräumen. Auf den neuen Chefaufseher warten allerdings schwierige Aufgaben – und schon einige Kritiker.

Neue Hoffnung für Thyssen-Krupp: Ulrich Lehner soll als Chefaufseher beim kriselnden Stahlkonzern für Ruhe sorgen Reuters

Neue Hoffnung für Thyssen-Krupp: Ulrich Lehner soll als Chefaufseher beim kriselnden Stahlkonzern für Ruhe sorgen

DüsseldorfEs ist ein Neuanfang mit einem alten Bekannten: Ulrich Lehner, 66, wird Chefaufseher bei Thyssen-Krupp, wie der Aufsichtsrat am Dienstag entschieden hat. Lehner sitzt schon seit 2008 im Kontrollgremium des kriselnden Stahlkonzerns. Nach dem Abgang von Gerhard Cromme soll er nun Ruhe in das von Milliardenverlusten, Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschütterten Unternehmen bringen und Vorstandschef Heinrich Hiesinger bei der Sanierung helfen. Dass Lehner mit Skandalen aufräumen kann, hat er gezeigt. Allerdings tritt er seine Aufgabe nicht ganz unbelastet an – und bei Aktionärsschützern ist er umstritten.

Der 99-jährige Patriarch Berthold Beitz, gegen dessen Willen beim Stahlhersteller keine wichtige Entscheidung fällt, hatte Lehner auserkoren. Die Aufsichtsräte bestätigten die Entscheidung für den früheren Henkel-Chef und heutigen Chefaufseher der Deutschen Telekom.

Auf Befindlichkeiten wird der Manager allerdings kaum Rücksicht nehmen können. Will er den Compliance-Prinzipien zur guten Firmenführung zum Durchbruch verhelfen, muss er die Sonderrechte der von Beitz geleiteten Krupp-Stiftung, die 25,3 Prozent am Unternehmen hält, beschneiden. „Der Einfluss der Stiftung erscheint mir nicht mehr zeitgemäß“, sagt Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Aber wird sich der Manager dagegen auflehnen?

Diesen Einfluss hat die Krupp-Stiftung auf den Konzern

Größter Einzelaktionär

Die nach dem Tod von Alfried Krupp testamentarisch verfügte Kruppstiftung nahm 1968 ihre Arbeit auf. Sie war anfangs alleiniger Eigentümer der Fried. Krupp GmbH. Alfrieds Sohn Arndt hatte auf sein Erbe verzichtet. Heute hält sie 25,3 Prozent am Dax-Konzern Thyssen-Krupp und ist damit größter Einzelaktionär. Neben der Förderung von Kultur, Wissenschaft und sozialen Projekten hat die Stiftung auch den Satzungsauftrag, die Einheit des Unternehmens zu wahren.

Vertreter im Aufsichtsrat

Mit ihrer Sperrminorität ist die Stiftung auch ein Bollwerk gegen feindliche Übernahmen. Seit 2007 nutzt die Stiftung außerdem mit Billigung einer Hauptversammlungsmehrheit die gesetzliche Möglichkeit, drei Vertreter direkt in den Aufsichtsrat zu entsenden.

„Stahl-Festung“

Wenn die zehn Arbeitnehmervertreter und die Stiftungsentsandten sich einig sind, können sie mit zusammen 13 von 20 Stimmen im Aufsichtsrat Angriffe abwehren oder doch deutlich erschweren. Das „Manager Magazin“ nannte die Konstruktion eine „Stahl-Festung“. Eine Aktionärsklage dagegen wurde in zwei Instanzen abgewiesen, und der Bundesgerichtshof lehnte eine Revision ab. Vergeblich argumentierte der Kläger, dass das Mehrheitsprinzip verletzt werde.

Sitz in Villa Hügel

Angesichts des hohen Aktienanteils und des zusätzlichen Entsenderechtes verfügt die Kruppstiftung de facto über erheblichen Einfluss auf die Entscheidungen im Konzern. Ihren Sitz hat die Stiftung an historischer Stelle: Im Park gegenüber der Villa Hügel, die bis 1945 Wohnsitz der Krupp-Familie war.

Sein Lebenslauf spricht dafür, dass er Thyssen-Krupp bei der Bewältigung der Krise helfen kann. Er hat durch seine Zeit bei Henkel und in Aufsichtsräten anderer Unternehmen die Erfahrung und das Standing, auch unbequeme Entscheidungen durchzusetzen. „Der kann auch mit den Arbeitnehmervertretern“, sagt ein Weggefährte aus Henkel-Zeiten der Nachrichtenagentur Reuters. Dort setzte er nahezu geräuschlos Restrukturierungen durch, bei denen tausende Jobs gestrichen wurden.

Ein solcher Einschnitt steht Thyssen-Krupp noch bevor. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will den Konzern unabhängiger vom Stahl machen. Nach dem bevorstehenden Verkauf der verlustreichen Stahlwerke in Brasilien und den USA soll der Werkstoff weniger als ein Drittel des Geschäfts ausmachen. Statt rußgeschwärzter Hochöfen sollen glänzende Anlagen, Aufzüge oder U-Boote das Image von Thyssen-Krupp bestimmen. In Europa will Hiesinger mehr als 2000 Jobs streichen. Dafür braucht er die Rückendeckung Lehners.

Kommentare (2)

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oberkrainer

19.03.2013, 23:40 Uhr

sind die eigentlich von allen guten geistern verlassen, völlig inkompetente, selbstgefällige bürokratie-monster ohne die geringste ahnung von unetrnehmertum und mitarbeiter-verantwortung. wie kann man beim besten willen auf die idee verfallen, seinem direkten und umnmittelbaren Konkurrenten (mittal, evtl. noch die brasilianer) seine werke zu verkaufen. so durchgeknallt muss man erstmal sein. dann lieber dem erdboden gleichmachen oder anzünden oder eine andre fertigung reinsetzen. aber sowas?! das würde doch heissen, dass die wettberwerber es entweder besser können oder sonst irgendwas strategisches damit anfangen. völliger wahnsinn, man glaubt es nicht. sowas läuft in deutschland als tolles management rum. man kriegt schreikrämpfe vor unfassbarkeit. also, jetzt mal zum mitschreiben:

oberkrainer

19.03.2013, 23:40 Uhr

die bisherige LUXUS-strategie "wir machen nur den guten stahl und verkaufen den nur an die guten kunden sollen sie mal am besten noch vor mittag in die tonne hauen und den direkten und unmittelbaren wettbewerb anstatt zu füttern / mästen angreifen. nämlich die stahlwerke, die aus irgendwelchen dreckslöchern in brasilien, china oder indien riesige mengen cash (dieses böse zeug, was auch unter dem namen geld im umlauf ist) ziehen und das dann entweder horten oder damit irgendwelche strategischen (zwischen-)schritte vollziehen, die im endeffekt nichts anderes im sinn haben, als alles, was auf dieser erde an stahl- (und evtl. noch anderen) produzenten rumkreucht und -fleucht aufzukaufen und plattzumachen. diese burschen interessiert deutschland höchstens als jagdtrophäe. man muss sich doch nur mal diese typen mittal und seinen sohn angucken, dann weiss man doch, was die stunde geschlagen hat. wie man da mit seiner altdeutschen herrenreiterei noch dazwischenpassen will, ist irgendwie nicht ganz klar. also strategie dreiteilen gemäß porterscher standard-strategien-lehre. kosten, nische, qualität und den fokus auf den weltmarkt für (low-)cost um nicht zu sagen schrott-stahl legen und da den cash abgreifen, weltweit, und dann als zweites die bereiche nische und qualität weiterentwickeln. die anderen wollen nicht eurer bestes, die wollen euch essen!!! also, kontern, speiss umdrehen und selber zu messer und gabel greifen. mann oh mann, was für pfeifen. wirklich, lieber gott, lass abend werden, am besten noch vor mittag.

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