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15.06.2016

15:32 Uhr

Thyssengas

Konsortium kauft deutsches Gasnetz

VonJürgen Flauger

Auf dem deutschen Energiemarkt gibt es tatsächlich noch begehrte Kaufobjekte: Der Gasnetzbetreiber Thyssengas wechselt den Besitzer. Der bisherige Eigentümer Macquarie streicht offenbar einen erstaunlich hohen Preis ein.

Die Franzosen kaufen zusammen mit dem niederländischen Infrastruktur-Fonds DIF den Gasnetzbetreiber Thyssengas. Reuters

Energiekonzern EDF

Die Franzosen kaufen zusammen mit dem niederländischen Infrastruktur-Fonds DIF den Gasnetzbetreiber Thyssengas.

FrankfurtDer Name des Gasnetzbetreibers Thyssengas deutet auf eine lange Historie hin: Tatsächlich wurde das Unternehmen im Jahr 1921 vom Stahlunternehmen Thyssen gegründet. Der Stahlriese belieferte damals Städte und Gemeinden im Ruhrgebiet auch mit Gas. Später gehörte das Unternehmen dem Mischkonzern Viag, ab 1997 RWE – ehe sich 2011 der australische Finanzinvestor Macquarie den Gasnetzbetreiber sicherte.

Jetzt beginnt ein neues Kapitel in der bewegten Geschichte. Thyssengas bekommt wieder einen neuen Eigentümer. Das Unternehmen wird von einem Konsortium aus dem Energiekonzern Electricité de France (EDF) und dem Infrastruktur-Fonds DIF aus den Niederlanden übernommen. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der beteiligten Unternehmen. Thyssengas selbst lehnte einen Kommentar ab. Der Kaufpreis soll nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters bei rund 700 Millionen Euro liegen. In den Unternehmenskreisen wurde die Größenordnung bestätigt.

Macquarie hatte Thyssengas Ende vergangenen Jahres zum Verkauf gestellt. Das Interesse war groß. Zuletzt hatten fünf Bieter konkrete Angebote abgegeben, darunter waren reine Netzbetreiber als auch Finanzinvestoren. Sogar ein Bieter aus China hatte Interesse bekundet. Der Kaufpreis ist entsprechend hoch. Zu Beginn des Verfahrens war Thyssengas in Branchenkreisen auf 500 bis 600 Millionen Euro taxiert worden. In Zeiten niedriger Zinsen sind Netzbetreiber attraktiv. Deren Renditen sind zwar gedeckelt, weil sie der Regulierung unterliegen, aber deshalb auch gut zu kalkulieren und immer noch vergleichsweise hoch.

Die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Den zehnten Platz belegt ein Energieversorger aus Südkorea: Korea Electric Power kam im April 2016 auf einen Marktwert von 33,1 Milliarden US-Dollar.

Quellen: Bloomberg; Factset; Forbes

Platz 9

Den neunten Platz belegt GDF Suez. Das französische Unternehmen hatte im April 2016 einen Marktwert von 39 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 49,5 Milliarden Dollar gewesen.

Platz 8

hiAuf dem achten Platz befindet sich chinesische Energieversorger China Yangtze Power. Im April 2016 war der Konzern 41,8 Milliarden US-Dollar wert.

Platz 7

Dominion Resources auf dem siebten Platz der weltgrößten Energieversorger stammt aus den USA und hat einen Markt von 43,2 Milliarden US-Dollar.

Platz 6

Den sechsten Platz belegt ein Versorger aus Spanien: Iberdrola hat einen Marktwert von 44,1 Milliarden US-Dollar.

Platz 5

Der fünftgrößte Energieversorger stammt aus Spanien. Enel kam im April 2016 auf einen Marktwert von 44,6 Milliarden US-Dollar.

Platz 4

Auf dem vierten Platz befindet sich ein Unternehmen aus den USA: Southern Co. Der Versorger hatte im April 2016 einen Marktwert von 45,3 Milliarden US-Dollar.

Platz 3

Der drittgrößte Energieversorger der Welt kommt aus dem Vereinigten Königreich. National Grid hatte im April 2016 einen Marktwert von 51,4 Milliarden US-Dollar.

Platz 2

Auf dem zweiten Platz befindet sich ein amerikanisches Unternehmen: Nextra Energy. Der Wert des Energieversorgers beträgt 52,8 Milliarden US-Dollar.

Platz 1

Das US-amerikanische Unternehmen Duke Energy ist nach Marktwert wie schon 2015 der weltweit größte Energieversorger. Im April 2016 betrug sein Wert 53,1 Milliarden US-Dollar. 2,3 Milliarden Dollar weniger als im Vorjahr.

Thyssengas ist inzwischen rein auf die Erdgaslogistik spezialisiert. Das Unternehmen handelt also nicht mehr selbst mit Gas, sondern verdient am Transport und mit der Speicherung Geld. Es betreibt im Westen Deutschlands ein Leitungsnetz von 4 200 Kilometern und gehört damit zu den größten Gasnetzbetreibern. Pro Jahr transportiert Thyssengas rund zehn Milliarden Kubikmeter Gas – jeder achte Kubikmeter Gas, der in Deutschland verbraucht wird, fließt damit durch die Leitungen des Traditionsunternehmens. Im Jahr 2013 verbuchte Thyssengas bei einem Umsatz von 225 Millionen Euro ein Ergebnis nach Steuern von gut 90 Millionen Euro. 270 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen, das den Hauptsitz in Dortmund hat.

Macquarie strich seit der Übernahme mehr als 200 Millionen Euro ein. Der Finanzinvestor wollte die Beteiligung jetzt aber die hohe Nachfrage für einen günstigen Verkauf nutzen.

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