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28.05.2013

16:59 Uhr

Tiefrote Solarworld-Zahlen

Nächster Rückschlag für den Sonnenkönig

Umsatzeinbruch und tiefrote Zahlen bei Solarworld: Der angeschlagene Konzern ist bei seiner Sanierung nicht vorangekommen. Der Umsatz bricht ein, Frank Asbecks Unternehmen schreibt zudem einen Verlust.

Frank Asbeck: Umsatzeinbruch im ersten Quartal – auch im Heimatmarkt. dpa

Frank Asbeck: Umsatzeinbruch im ersten Quartal – auch im Heimatmarkt.

Bonn/DüsseldorfNeuer Nackenschlag für den taumelnden Solarworld-Konzern: Das einstige Vorzeigeunternehmen der deutschen Solarbranche schrieb im ersten Quartal 2013 einen deutlichen Verlust. Auch die Umsätze brachen ein - vor allem im deutschen Heimatmarkt verbuchte Solarworld-Chef Frank Asbeck Rückgänge. Dies hatte sich schon abgezeichnet: Nach Zahlen der Bundesnetzagentur rutschte die Nachfrage nach den Produkten der vom Preisverfall gebeutelten Branche zu Jahresbeginn ab. Asbeck hat noch mehr Sorgen: Die für die Sanierung wichtige Einigung mit Anleihegläubigern steht noch aus.

Der Umsatz schrumpfte von Januar bis März auf 112 Millionen Euro, vor Jahresfrist waren es noch 170,5 Millionen Euro, wie Solarworld in Bonn mitteilte. Der operative Verlust (Ebit) belief sich auf 36,2 Millionen Euro nach einem Plus von 26,6 Millionen Euro. Unter dem Strich summierte sich das Minus auf 40 (Vorjahr: Minus 0,3) Millionen Euro. Die Absatzmenge der verkauften Anlagen ging auf 109 (147) Millionen Megawatt zurück.

Grund seien der ungewöhnlich lang anhaltende Winter - und der "anhaltende Restrukturierungsprozess" bei Solarworld, räumte das Unternehmen ein. Die Branche hatte in den ersten drei Monaten 2013 der Bundesnetzagentur zufolge Anlagen mit einer Leistung von insgesamt knapp 800 Megawatt (MW) auf hiesige Dächer und Felder geschraubt.

Die größten Solarmodulhersteller der Welt

Platz 9: Hanwha Solar One und REC (Norwegen und Korea)

Das Research-Team des Handelsblatts hat aus Daten von Bloomberg, des Marktforschers IHS und Unternehmensangaben die aktuell zehn größten Solarmodul-Hersteller der Welt ermittelt. Die Liste dürfte vor allem für die Deutschen ernüchternd sein.

Den zehnten Platz teilen sich das koreanische Unternehmen Hanwha Solar und das norwegische Unternehmen REC. Beide verkauften 2012 jeweils Solarmodule mit einem Erzeugungspotenzial von 750 Megawatt.

Platz 8: Sun Power (USA)

Das 1985 im US-amerikanischen Silicon Valley gegründete Unternehmen Sun Power machte im vergangenen Jahr rund 1,9 Milliarden Euro Umsatz und verkaufte Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 850 Megawatt.

Platz 7: Jinko Solar (China)

Auf dem siebten Platz befindet sich das chinesische Unternehmen Jinko Solar. Es setzte 2012 mit Auslieferungen von Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität in Höhe von 900 Megawatt insgesamt 591 Millionen Euro um.

Platz 6: Sharp (Japan)

Zu den großen Gewinnern beim Ranking 2012 gehört Sharp. Das Unternehmen lieferte im vergangen Jahr Solarmodule mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1050 Megawatt aus. 2011 waren es noch 725 MW, was Sharp damals den 16. Platz in der Weltrangliste brachte.

Platz 5: Suntech (China)

Der chinesische Konzern Suntech stürzte mit verkauften Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität von geschätzt 1390 Megawatt vom ersten Platz im Jahr 2011 auf den fünften Platz ab. Im April musste das Unternehmen seine Zahlungsunfähigkeit mitteilen und ist nun offenbar auf der Suche nach einem strategischen Investor.

Platz 4: Canadian Solar (Kanada)

Das Unternehmen Canadian Solar wurde erst im Jahr 2001 im kanadischen Ontario gegründet. Nun befindet es sich bereits auf dem vierten Platz der Weltrangliste. Im Jahr 2012 verkaufte es Solarmodulen mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1550 Megawatt.

Platz 3: Trina Solar (China)

Das chinesische Unternehmen Trina Solar schaffte einen großen Sprung vom fünften Platz 2011 auf den dritten Platz 2012. Im vergangenen Jahr lieferte das Unternehmen Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 1600 Megawatt aus.

Platz 2: First Solar (USA)

Der US-Konzern First Solar belegt unverändert den zweiten Platz in der Weltrangliste der größten Solarmodulhersteller. 2012 lieferte es Produkte mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1800 Megawatt aus.

Platz 1: Yingli Solar (China)

Absolute Weltspitze ist das chinesische Unternehmen Yingli Solar. Der Konzern arbeitete sich von Platz 4 in 2011 hoch mit Auslieferungen von Solarmodulen von 2300 Megawatt im vergangenen Jahr.

Vor Jahresfrist hatten anstehende Förderkürzungen noch einen Nachfrageboom ausgelöst. Damals wurden Solarstrom-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von etwa 2000 MW installiert. Zugleich kämpfen die Unternehmen mit einem Preisverfall, der viele Firmen in die roten Zahlen und häufig auch in die Pleite treibt. Unternehmen der Branche setzen deshalb auch auf Strafzölle gegen chinesische Billig-Importe, doch diese sind unter den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union umstritten.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hatte sich gegen Sanktionspläne der EU-Kommission ausgesprochen. EU-Handelskommissar Karel De Gucht sagte dagegen am Dienstag, er werde sich Forderungen Chinas nach einem Wegfall von Strafzöllen nicht beugen.

Solarworld kämpft aber auch an anderen Fronten. Denn die Sanierung des angeschlagenen Konzerns gerät zur Hängepartie. Bei ersten Treffen der Anleihegläubiger wurden die notwendigen Präsenz-Schwellen verfehlt, Asbeck muss sich auf einen langwierigen Versammlungsmarathon einstellen. Im August sollten dann die für die Sanierung des Konzerns notwendigen Beschlüsse gefällt werden, hatte Solarworld angekündigt.

Die Sanierungspläne sehen einen Verzicht auf den größten Teil der Ansprüche der Gläubiger vor. Solarworld plant einen Schuldenschnitt - die Gläubiger sollen mithin auf 60 Prozent ihrer Ansprüche verzichten und dafür Solarworld-Aktien bekommen. Solarworld hatte das Grundkapital eingebüßt.

Kommentare (5)

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teer_schweinstueck

28.05.2013, 17:03 Uhr

Der Ober-Lobbyist, Grünen-Mitbegründer und politische Strippen-Zieher Asbeck hat sein Schäfchen längst im Trockenen.
Während er bei Zeiten das Geld aus der Firma herausgezogen hat und zum Bonner Großgrundbesitzer avanciert ist, zahlen am Ende die - muß man leider so sagen - die doofen Käufer der Solar-World Anleihen und Aktien die Zeche.

Der Herr Asbeck hat es für sich fein gerichtet und kann dem ganzen entspannt und lächelnd entgegensehen.

Account gelöscht!

28.05.2013, 17:20 Uhr

Solarworld steht beispielgebend fuer unsere gesamte Blockparteienpolitk. Man kann die Marktwirtschaft weder durch Endlossubventionen noch durch Endloskredite aushebeln. Man kann aber viel Steuergeld der Buerger unnoetig aufbrauchen, um gegen Marktgesetze anzukaempfen.

Account gelöscht!

28.05.2013, 17:28 Uhr

Tja, er tut so, als wäre es jedesmal eine neue Überraschung und daß er nicht rechtzeitig etwas merken würde. Der würde sogar als Klofrau Pleite gehen.
Leider sind diese privatbereichernden Machenschaften Bestandteil unserer sogenannten "Sozialen Marktwirtschaft".
Wieder ein Grund die etablierten Parteien NICHT zu wählen, da diese Ursache für die Verwerfungen sind. Alles ein und dasselbe Pack, Politiker, "Unternehmer" von Solarworld, Teldafax, Flexstrom u.v.m., wobei die Aufzählung hier den Platz sprengen würde. Tolles Land, denn wir haben trotzdem genug zu essen, wohnen, können Urlaub machen, Auto, Tel., usw. Sieht aus wie das Ei des Kolumbus oder das Perpetuum Mobile.

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