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19.01.2016

15:08 Uhr

Total streicht Investitionen

Ölkonzern rechnet mit Gewinneinbruch

Der dramatische Abfall des Ölpreises kommt Produzenten teuer zu stehen. Der Ölkonzern Total rechnet mit einem Gewinneinbruch von mehr als 20 Prozent. Das Unternehmen will sparen – aber nicht bei der Dividende.

Auch die Gewinne der Konkurrenten Shell, BP und Exxon haben stark abgenommen. dpa

Erdölraffinerie in Sachsen-Anhalt

Auch die Gewinne der Konkurrenten Shell, BP und Exxon haben stark abgenommen.

ParisDer französische Ölkonzern Total hat 2015 nach eigener Einschätzung wegen des drastischen Ölpreisverfalls einen Gewinneinbruch erlitten. Das Unternehmen rechne mit einem Gewinnrückgang von mehr als 20 Prozent, sagte Konzernchef Patrick Pouyanne am Dienstag dem Radiosender Europe 1. Um seine Aktionäre aber bei der Stange zu halten, will der Konzern die Dividende nicht kürzen. Stattdessen will Total die Investitionen eindampfen.

Nach Pouyannes Ansicht werden branchenweite Investitionskürzungen letztlich zu einer Wende beim Ölpreis führen. Der Kurs der Total-Aktie stieg am Dienstag um gut 2 Prozent und entwickelte sich somit etwas besser als der Markt.

Ölpreis im Keller: Tankwarte fluchen über den fallenden Spritpreis

Ölpreis im Keller

Tankwarte fluchen über den fallenden Spritpreis

Der Tankstellenpächter schaut ängstlich in den Tank: Der Preisrutsch kostet ihn oft bares Geld.

Nach Einschätzung von Experten könnte der Preisrutsch beim Öl zunächst aber noch weitergehen. Gründe dafür sind das hohe Angebot auf dem Weltmarkt sowie eine schwächelnde Nachfrage aus China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die Internationale Energieagentur (IEA) befürchtet gar, der Ölmarkt könnte in einem Überangebot „ertrinken“. Der Förderindustrie bereitet die Entwicklung seit Monaten Probleme. Die Gewinne der Ölmultis wie Shell, BP und Exxon sind eingebrochen.

Vor allem Fracking-Firmen in den USA steht das Wasser bis zum Hals, Insolvenzen drohen. Doch auch wenn dadurch die Ölproduktion zurückgeht - das Gesamtangebot wird sich nach Einschätzung der Experten nicht maßgeblich reduzieren. So dürfte die Rückkehr des Iran auf den Weltmarkt nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen den Rückgang wieder ausgleichen.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Von

dpa

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