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19.04.2013

08:31 Uhr

Trotz Finanzproblemen

Solarworld will Teile von Bosch Solar kaufen

ExklusivMittwochabend hatte Solarworld seine Anleger noch geschockt mit der Ankündigung, 2012 einen Millionen-Verlust zu machen. Das hält Firmenchef Asbeck jedoch nicht davon ab, Teile der Bosch-Solarsparte kaufen zu wollen.

Hat Expansionspläne trotz finanzieller Probleme: Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender von Solarworld. dpa

Hat Expansionspläne trotz finanzieller Probleme: Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender von Solarworld.

DüsseldorfDer Bonner Konzern Solarworld kämpft zwar mit erheblichen finanziellen Problemen, will aber trotzdem expandieren. „Wir sind an Teilen der Bosch-Produktion interessiert, insbesondere an der Solarzellen-Fertigung“, sagte Vorstandschef Frank Asbeck im Gespräch mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe). Der Stuttgarter Bosch-Konzern hatte angekündigt, sich aus dem Solargeschäft zurückzuziehen.
Asbeck verhandelt seit Längerem mit einem Bankenkonsortium und anderen Gläubigern, um die Finanzen von Solarworld zu restrukturieren. Noch gibt es keine Einigung. „Die Verhandlungen werden konstruktiv geführt“, sagte Asbeck. Es brauche Zeit, um „zu einem für alle Seiten guten Ergebnis zu kommen“.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.


Er kündigte an, dass er die Inhaber von Schuldscheindarlehen und von Anleihen – anders als oft üblich – wirtschaftlich gleich behandeln will. Asbeck betonte, dass die Liquidität von Solarworld trotz der zuletzt schlechten Geschäftszahlen „nach wie vor hoch“ sei. Sie gewähre eine „positive Fortführungsprognose“ für das krisengeschüttelte Unternehmen.

Außerordentliche Hauptversammlung

Solarworld-Aktie stürzt ab

Außerordentliche Hauptversammlung: Solarworld-Aktie stürzt ab

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wt

Kommentare (18)

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Hagbard_Celine

19.04.2013, 08:59 Uhr

Eine Firma ohne Kapital wird innerhalb kürzester Zeit von seinen Lieferanten nur noch gegen Vorkasse beliefert werden.

Und da die Kasse leer ist, steht dann innerhalb kürzester Zeit die Produktion. Da hilft auch keine große Klappe mehr.

Aber was der "gute Mann" im Schilde führt ist leicht zu durchschauen, es geht nämlich darum Geld von Bosch zu bekommen dafür das der Bereich von Bosch zu Solarworld wandert.

Bosch muss seinen Mitarbeitern nämlich hohe Abfindungen zahlen wenn die ihren Bereich schliessen. Solarworld streicht das Geld ganz einfach ein und sagt den Mirarbeitern von Bosch dann "sorry, für einen Sozialplan fehlt leider, leider das Geld...". Im Grunde genommen hebelt Solarworld damit die Arbeitsverträge von Bosch Mitarbeitern aus und lässt sich das bezahlen.

Unmoralisch ? ja

Illegal ? naja

Ob sich Bosch darauf einlässt ist unklar.

So etwas ist höchst unseriös wir aber z.B. von Siemens regelmässig praktiziert. Siemens hebelt auf diese Art und weise auch recht gerne die betriebliche Alterversorgung aus.

HofmannM

19.04.2013, 09:03 Uhr

Als Aktionär von Solarworld würde ich mich wirklich mal langsam fragen, ob dieser Asbeck weiterhin mein (eh schon verringertes Eigenkapital) weiter und weiter ins bodenlose verlieren/verpulvern darf/sollte. Oder ob ich als Aktionär nicht jetzt die letzte Ausfahrt nehme und aussteige. Der Verlust wird zwar dadurch nicht weggemacht aber er wird halt auch nicht größer. Weil eines ist sicher. Die Solarbranche hatte und hat keine wirtschaftlichen Aussichten! Die Erneuerbare Energiebranche war von vornherein NIE marktwirtschaftlich und war IMMER auf die Politik (Gesetzgebung durch das EEG) angewiesen!
Die Erneuerbare Energiebranache bleibt ein Nischenprodukt in der Luxusnische der Energiewirtschaft. Nur was für Reiche "Spinner" und Abzocker (solange es das EEG gibt)!

vandale

19.04.2013, 09:42 Uhr

Das Geschäftsmodell von Solarworld bestand darin durch intensive Politikpflege die Parteien zu Subventionsgesetzen zugunsten der Illusion Solarenergie zu motivieren die es Solarworld erlaubten Gewinne zu generieren.

Allerdings haben die enormen Solarsubventionen die Asiaten angelockt die in der Fertigung von Konsumelektronik weltweit führend sind. In einem Preiskrieg haben sich dann alle Anbieter mehr, oder minder ruiniert.

Die Chance für Solarworld bestünde darin die Politker davon zu überzeugen, die asiatischen Wettbewerber mittels geeigneter Gesetze, z.B. Anti Dumping,vom Deutschen/Europäischen Markt fernzuhalten. Die zusätzliche Masse von Bosch Solar könnte helfen.

Ohne solche Gesetze hat Solarworld auch Schuldenfrei und mit neuem Kapital keine dauerhafte Chance.

Vandale

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