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22.05.2014

20:30 Uhr

Übernahmekampf mit Siemens

GE verlängert Offerte für Alstom

GE nimmt den Kampf um Alstom an: Der US-Konzern erwägt einem Bericht zufolge das Angebot für das französische Unternehmen zu verlängern. Derweil denkt die französische Regierung über eine Lösung ohne GE und Siemens nach.

Industriekonzern Alstom: Der US-Riese GE verlängert wohl sein Übernahmeangebot für die Energiesparte. dpa

Industriekonzern Alstom: Der US-Riese GE verlängert wohl sein Übernahmeangebot für die Energiesparte.

ParisIm Ringen um den auch von Siemens umworbenen französischen Industriekonzern Alstom ist der US-Rivale General Electric zu einer Verlängerung seines milliardenschweren Angebots bereit. Die Frist werde vom 2. auf den 23. Juni ausgedehnt, um die Beratungen mit der Regierung in Paris zu erleichtern, teilte der Konzern am Donnerstag mit und bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "Le Figaro". Dies sei in Abstimmung mit Alstom geschehen.

GE bietet rund 12,4 Milliarden Euro für die Energietechnik von Alstom. Die Regierung in Paris sieht die Offerte skeptisch und befürchtet Arbeitsplatzverluste. Deswegen hatte sie Siemens zu einem Gegenangebot ermuntert, an dem der Münchener Konzern noch arbeitet. Siemens arbeitet noch an einem Angebot und hatte zuletzt einen tieferen Blick in die Alstom Bücher gefordert. Im Gespräch ist, dass Siemens im Tausch gegen das Energiegeschäft von Alstom seine Zugsparte abgibt. Die Münchener zeigten sich jedoch Willens, im Poker mitzugehen.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Im Poker um den auch von Siemens umworbenen Industriekonzern Alstom hat die Regierung in Paris eine rein-französische Lösung ins Spiel gebracht. Dies sei eine Alternative, sollte es weder zu einer Einigung mit dem Interessenten aus Deutschland noch mit dem amerikanischen Bieter General Electric kommen, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg am Donnerstag. „Wir haben mit der Prüfung von Plan C begonnen“, sagte der sozialistische Politiker. „Plan A ist GE, Plan B ist Siemens und Plan C ist eine einheimische Lösung.“ Dabei sei eine finanzielle Beteiligung von Privatfirmen wie auch von Staatskonzernen vorstellbar.

Gewerkschaftskreisen zufolge soll Montebourg bei einem Treffen mit Arbeitnehmervertretern bei Alstom am Mittwoch das GE-Angebot und die bislang von Siemens bekannten Vorstellungen als inakzeptabel bezeichnet haben. Er habe sich bereit gezeigt, das jüngste Dekret zur Blockade von Übernahmen durch Ausländer in strategisch wichtigen Wirtschaftsbereichen zu nutzen. Auch erwäge die Regierung einen Einstieg bei dem klammen Alstom-Konzern, der bereits vor rund zehn Jahren schon einmal Staatshilfe erhielt, um sich mehr Einfluss zu sichern. Die GE-Offerte stößt auf Widerstand der Regierung in Paris, die Arbeitsplatzverluste befürchtet. Sie hat deswegen Siemens zu einem Gegenangebot aufgefordert.

Von

rtr

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