Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.05.2014

08:44 Uhr

Übernahmepoker

Frankreich drängt Alstom in Richtung Siemens

Frankreichs Wirtschaftsminister bezieht Stellung: In einem Interview schmettert Arnaud Montebourg das Übernahmeangebot von GE in Richtung Alstom ab – und preist Siemens. Derweil wird auch Toshiba Teil des Pokers.

Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg: Kein Fan von GE. Reuters

Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg: Kein Fan von GE.

ParisDer französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg lehnt das Angebot von General Electric (GE) für Alstom ab. „Die GE-Offerte ist kein Angebot einer Allianz, sondern einer Übernahme - ein Angebot, das zur dauerhaften Schwächung der verbleibenden Alstom-Transportsparte führen würde“, sagte der Minister im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstag). „Alle großen Auftraggeber wie etwa die SNCF bestätigen das. Siemens dagegen setzt auf eine Allianz im Transport unter französischer Führung und in der Energie unter deutscher Führung. Die Entscheidungszentren blieben in Frankreich.“

Siemens und GE liefern sich ein Übernahmepoker um Alstom. Der französische Konzern zieht bislang das Angebot der Amerikaner vor. Siemens will die Bücher von Alstom prüfen, bevor ein Angebot vorgelegt wird, hat aber schon „ernsthaftes“ Interesse geäußert.

Weniger Aufträge und Gewinn: Alstom streicht Aktionären die Dividende

Weniger Aufträge und Gewinn

Alstom streicht Aktionären die Dividende

Keine gute Zahlen im Übernahmekampf: Der Gewinn des umworbenen Industrieriesens Alstom geht im abgelaufenen Geschäftsjahr um mehr als ein Viertel zurück. Die Franzosen haben zu viele Großprojekte verschoben.

Montebourg rechnet damit, dass Siemens eine Offerte vorlegen wird. Der deutsche Konzern „hat ein Angebot ja schon erstellt, das aber noch durch die Ergebnisse der Detailprüfung während dieses Monats vervollständigt werden muss. Ich habe es gelesen, nicht ganz, aber teilweise“, sagte Montebourg der Zeitung. „Mehr kann ich nicht sagen, denn das Angebot ist für den Aufsichtsrat bestimmt.“ Schon im Laufe der Woche hatte sich die französische Regierung tendenziell gegen die GE-Offerte gestellt.

Toshiba wird zum Mitspieler

Die Furcht vor umfangreichem Arbeitsplatzabbau wegen Doppelstrukturen zwischen Siemens und Alstom hält er für übertrieben. Montebourg hofft, dass die Europäische Kommission künftig den Aufbau europäischer Champions zulasse. Der französische Staat hält nach Angaben Montebourgs 0,9 Prozent an Alstom. Zudem habe der Staat Alstom vor zehn Jahren mit Steuergeldern vor dem Bankrott gerettet, sagte der Minister. Daher habe er ein Mitspracherecht.

Milliarden-Übernahme: Toshiba mischt sich in Kampf um Alstom ein

Milliarden-Übernahme

Toshiba mischt sich in Kampf um Alstom ein

Der Kampf um die Energiesparte der französischen Industrie-Ikone heizt sich weiter auf. Der japanische Toshiba-Konzern will sich die Sparte einem Bericht zufolge einverleiben – allerdings über einen Umweg.

Einer Zeitung zufolge hat derweil Toshiba Interesse an der Stromnetz-Sparte des französischen Industriekonzerns Alstom. Sollte General Electric (GE) tatsächlich die Milliardenübernahme von Alstoms Energie-Geschäft gelingen, werde Toshiba GE „mehrere Hundert Milliarden Yen“ für die Sparte anbieten, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ am Donnerstag unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Kreise. Es gebe für Alstom keine konkreten Pläne, sagte dagegen ein Toshiba-Sprecher. Allerdings habe das Unternehmen immer Zukäufe im Visier, die das Geschäft voranbringen könnten. „Wir können nicht ausschließen, dass auf diesem Gebiet etwas passiert.“

100 Milliarden Yen wären rund 700 Millionen Euro. Sollte GE zustimmen, könnten die Japaner ihren Umsatz auf diesem Gebiet auf umgerechnet etwa 2,1 Milliarden Euro verdreifachen, hieß es weiter. GE will Alstoms Energiesparte für zehn Milliarden Euro kaufen. An der Tochter, die unter anderem auch Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke sowie Windanlagen baut, ist auch Siemens interessiert.

Von

dpa

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

08.05.2014, 08:55 Uhr

Zitat : Frankreich drängt Alstom in Richtung Siemens

- der Grund liegt doch auf der Hand : GE wird wohl ALSTOM halbieren ( nach marktwirtschaftlicher Gesetzgebung ) bzw. sehr viele Franzosen werden unter GE arbeitslos, beim SIEMENS dagegen regiert der Staat !

[...] !
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.
.

Account gelöscht!

08.05.2014, 09:34 Uhr

@ Furfante
Prinzipiell haben Sie recht; außer dass bei Siemens der Staat regiert.
Man sollte dabei überlegen, warum Frankreich sich von Alstom trennen will, doch sicherlich nicht weil man damit viel Geld verdient.

Account gelöscht!

08.05.2014, 09:49 Uhr

@ hanspella


Zitat : Man sollte dabei überlegen, warum Frankreich sich von Alstom trennen will, doch sicherlich nicht weil man damit viel Geld verdient.

- das stimmt : Geld verdienen die Franzosen mit dem Verkauf von Alstom keines, der Französische Staat ist an Alstom aber auch nicht beteiligt !

Der einzige Grund, der plausibel für das Engagement der Französischen Politiker ist wohl die Angst um Verluste der Arbeitsplätze.



Zitat : außer dass bei Siemens der Staat regiert.


- ganz klarer Widerspruch !

hat nicht Gabriel den Jo nach Frankreich zitiert, damit es sich beim Alstom ( auf Wunsch des kleinen Franzosenzwerges ) anbieten ?

Der Staat hat bei SIEMENS ( siehe Engagement der Erneuerbaren Technologien und damit entstandenen Verluste bei Siemens ) GEWALTIG die Finger drin !!!!

SIEMENS ist ein bürokratisches, staatsabhängiges ( auch wegen Kommunalaufträgen ) Monstrum !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×