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16.05.2014

16:12 Uhr

Übernahmepoker um Alstom

Frankreich verteidigt Blockade-Regel

Im Gerangel um Alstom mischt sich die französische Regierung ein: Sie hat ein Dekret erlassen, mit dem sie den Kauf heimischer Firmen durch Ausländer blockieren kann. Die EU-Kommission übt Kritik, Paris kontert.

Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hat das neue Dekret gegen Protektionismus-Vorwürfe verteidigt. AFP

Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hat das neue Dekret gegen Protektionismus-Vorwürfe verteidigt.

ParisIm Poker um den Industriekonzern Alstom hat die französische Regierung das neue Blockade-Gesetz zu Übernahmen durch Ausländer gegen Protektionismus-Vorwürfe verteidigt. „Frankreich ist nicht zu verkaufen“, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg am Freitag dem Hörfunksender RMC. „Wir sind keine Beute, vor allem nicht in so strategischen Industrien.“ Die Regierung bevorzuge Bündnisse statt Übernahmen. „Unsere Strategie ist Nein zu Zerschlagung, Ja zu Allianzen.“ Dies habe er auch dem US-Konzern General Electric (GE) erklärt, der bei der Regierung für seine Pläne zum Kauf der Alstom-Energiesparte geworben hatte, auf die auch Siemens ein Auge geworfen hat. Zur Wahrung der französischen Interessen schloss Montebourg auch einen Staatseinstieg bei Alstom nicht aus.

Eine Allianz mit GE sei möglich, räumte Montebourg ein. Dies sei zwar derzeit noch nicht der Fall, könne sich aber noch entwickeln. Die sozialistische Regierung hatte am Donnerstag ein Dekret erlassen, das ihr das Recht gibt, den Kauf heimischer Firmen in strategisch wichtigen Branchen wie Energie, Wasser, Telekommunikation und Gesundheit durch Ausländer zu blockieren. Experten zufolge dürfte dies Siemens in die Karten spielen, da die Regierung Präferenzen für den Münchner Konzern durchblicken ließ. Allerdings meldete EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier Bedenken an und will prüfen, ob der Erlass gegen EU-Recht verstößt.

Die Übernahmeschlacht um Alstom

Harter Kampf

In nur wenigen Tagen hat sich um den französischen Industriekonzern Alstom ein Übernahmekampf zwischen den Rivalen Siemens und General Electric entwickelt. Beide Konzerne wollen sich das Energiegeschäft der Franzosen einverleiben. Die Entwicklung der Ereignisse.

Erste Gerüchte

Am 24. April wird durch einen Medienbericht bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Die Rede ist von einem Angebot von mehr als 13 Milliarden Dollar. Alstom weist den Bericht zurück.

Regierung reagiert

Die Übernahmegerüchte rufen die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf des Industriekonzerns in die USA mit allen Mitteln verhindern. Die Regierung arbeite an „anderen Lösungen und Szenarien“, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg der Zeitung „Le Monde“.

Siemens zeigt Interesse

Siemens greift in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert, erklärt das deutsche Unternehmen am 27. April. Es soll vorgeschlagen haben, Geschäfte im Schienenverkehr wie den Bau von ICE-Zügen an Alstom abzugeben, wenn Siemens im Gegenzug das Energie-Geschäft der Franzosen übernehmen könnte.

Der Präsident vermittelt

Frankreichs Staatspräsident François Hollande schaltet sich am 28. April in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE, Jeff Immelt und Joe Kaeser, über die Pläne. Siemens will schnell über eine mögliche Offerte für Alstom entscheiden.

Siemens bietet mit

Nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung kündigt Siemens am 29. April ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Medienberichten zufolge will der Alstom-Verwaltungsrat allerdings General Electric bevorzugt behandeln.

Vorentscheidung für GE

Der Verwaltungsrat von Alstom empfiehlt den Aktionären am 30. April eine bindende Offerte des US-Konkurrenten General Electric (GE). Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen. Damit sinken die Chancen für Siemens, bei den Franzosen zum Zuge zu kommen.

Präsident Francois Hollande und Montebourg hatten Siemens um Hilfe gerufen, weil sie das mehr als zwölf Milliarden Euro schwere GE-Gebot skeptisch sehen. Die Regierung befürchtet Stellenverluste in Frankreich und steht angesichts der Misere am Arbeitsmarkt und der Wirtschaftsflaute vor der Europa-Wahl unter Druck. Siemens will bis Ende des Monats über ein konkretes Angebot entscheiden.

Von

rtr

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