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19.04.2016

13:21 Uhr

Überproduktion und Preisverfall

Stahlindustrie versinkt im Streit

Das Gipfeltreffen bleibt folgenlos: Die weltweiten Stahlhersteller können sich nicht auf eine gemeinsam Linie einigen. Die Überproduktion in China belastet die Branche. Der Streit droht zu eskalieren.

Die chinesische Stahlindustrie setzt die westliche Konkurrenz unter Druck. dpa

Heißer Konflikt

Die chinesische Stahlindustrie setzt die westliche Konkurrenz unter Druck.

Brüssel/PekingDie Stahlindustrie ist mit einem neuen Anlauf zur Lösung der jahrelangen Branchenkrise gescheitert. Bei einem Treffen von Vertretern aus mehr als 30 Staaten wurden in Brüssel keine konkreten Maßnahmen gegen die Überkapazitäten der Schwerindustrie vereinbart. Die Teilnehmer kamen nach eigenen Angaben lediglich überein, dass ein rasches und strukturiertes Vorgehen notwendig sei. Bei den Beratungen wurde vor allem die Kluft zwischen China, dem weltgrößten Stahlproduzenten, und den USA deutlich. Die Washingtoner Regierung machte die Führung in Peking für das Scheitern der Gespräche verantwortlich und drohte mit Handelssanktionen. China reagierte am Dienstag verärgert.

Die Konferenz wurde von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie Belgien organisiert. Die USA verlangten von China, umgehend konkrete Maßnahmen gegen Überproduktion und -kapazitäten einzuleiten. Anders könnten die strukturellen Probleme der Branche nicht gelöst werden, sagte US-Handelsministerin Penny Pritzker. Sollte sich die Volksrepublik verweigern, müssten betroffene Länder zum Schutz ihrer eigenen Stahlindustrie und der dort angesiedelten Arbeitsplätze Handelssanktionen verhängen.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Die Volksrepublik zeigte sich empört: „China hat bereits mehr als nötig getan“, sagte der Sprecher des Pekinger Handelsministeriums. Stahl sei die Nahrung der Industrie und der wirtschaftlichen Entwicklung. „Das aktuelle Problem ist, dass die Länder, die diese Nahrung brauchen, wenig Appetit haben.“ Die staatliche Agentur Xinhua kommentierte, die Verurteilung Chinas sei eine faule Ausrede für Protektionismus. China wies Vorwürfe der USA zurück, defizitäre Betriebe zu subventionieren.

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström sprach sich ebenfalls gegen Subventionspraktiken aus. Der europäischen Stahlindustrie machen seit Jahren Billigimporte aus Fernost, ein anhaltender Preisdruck und Überkapazitäten zu schaffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Lage zuletzt als „besorgniserregend“. In Deutschland demonstrierten jüngst mehr als 45.000 Stahlarbeiter gegen Dumping-Preise aus China und für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Die Volksrepublik steigert ihre Stahlexporte seit Jahren massiv. Allein im März erhöhten sich die Ausfuhren um 30 Prozent auf fast zehn Millionen Tonnen, wie aus Handelsstatistiken hervorgeht. Die deutsche Branche mit Größen wie Thyssen-Krupp und Salzgitter rechnet laut Wirtschaftsvereinigung Stahl 2016 mit einem Rückgang der eigenen Rohstahlproduktion um drei Prozent auf 41,5 Millionen Tonnen. Der OECD zufolge betrug die weltweite Produktionskapazität 2015 knapp 2,4 Milliarden Tonnen, wobei die Auslastung auf 67,5 von 70,9 Prozent in 2014 sank.

Von

rtr

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