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10.05.2017

20:10 Uhr

Überschuldung

Solarworld stellt Insolvenzantrag

VonFranz Hubik

Solarworld will „unverzüglich“ einen Insolvenzantrag stellen. Der Solarkonzern ist überschuldet und sieht keinen anderen Ausweg mehr. In der globalen Solarindustrie bestehen seit Jahren gewaltige Überkapazitäten.

Solarworld ist Insolvenz

Solarworld steht vor dem Aus – wie konnte es soweit kommen?

Solarworld ist Insolvenz: Solarworld steht vor dem Aus – wie konnte es soweit kommen?

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DüsseldorfPaukenschlag in Bonn: Solarworld, Deutschlands letzter großer Hersteller von Photovoltaikpaneelen, ist pleite. Der Vorstand des Konzerns kam am späten Mittwochnachmittag zu der Überzeugung, dass „keine positive Fortbestehungsprognose“ mehr für das Unternehmen besteht. Als Grund nannte der Konzern in einer Ad-hoc-Mitteilung die „voranschreitenden Preisverwerfungen“ auf den internationalen Photovoltaikmärkten.

„Dies ist ein bitterer Schritt für Solarworld. Wir werden uns nach allen Kräften dafür einsetzen, so viele Arbeitsplätze und Produktionen wie möglich zu erhalten“, ließ Solarworld-Chef Frank Asbeck mitteilen.

Frank Asbeck im Wortlaut: „Dies ist ein bitterer Schritt für Solarworld“

Frank Asbeck im Wortlaut

„Dies ist ein bitterer Schritt für Solarworld“

Solarworld ist überschuldet und muss einen Insolvenzantrag stellen. Trotz massiver Senkung der Produktionskosten wurde der Schuldenberg nicht kleiner. Das Statement des Solarworld-Chefs Frank Asbeck im Wortlaut.

In der globalen Solarindustrie bestehen seit Jahren gewaltige Überkapazitäten. Die Preise stehen enorm unter Druck. Allein zwischen 2009 und 2015 sind die Preise für Paneele nach Berechnungen der Erneuerbaren-Energien-Agentur Irena um 80 Prozent gesunken. Was Verbraucher freut, ist ein Alptraum für Modulhersteller wie Solarworld. Unternehmensgründer und Ökopionier Frank Asbeck hat bis zuletzt versucht, seine Firma irgendwie zu retten. Er wollte den Konzern gesundsparen, indem er mehr als jede zehnte der 3000 Stellen des Konzerns streicht.

Überraschend kommt die Pleite nicht. Die Risikolage des Konzerns hat sich zuletzt „verschärft“. Der Vorstand bewertete die Lage seit Ende 2016 mit der höchsten Risikostufe „sehr hoch“. Solarworld war schwer angeschlagen. Der Konzern schrieb seit sechs Jahren in Folge Verluste. Im Vorjahr ist der Umsatz zwar leicht angestiegen – auf 803 Millionen Euro. Aber der Verlust hat sich mit gut 92 Millionen beinahe verdreifacht. Im Tagesgeschäft verdiente Solarworld schon lange kein Geld mehr, der Konzern verbrannte es. Allein 2016 sind die liquiden Mittel der Firma um 100 Millionen Euro abgeschmolzen – auf kaum mehr als 80 Millionen Euro.

Aufstieg und Fall von Solarworld

1998 – Gründung

Der Diplom-Landwirt Frank Asbeck gründet die Solarworld AG.

2000 – Erfolg über Nacht

Unter der rot-grünen Bundesregierung wird das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beschlossen. Der Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen wird mithilfe üppiger Förderungen stimuliert. Asbecks Solarmodule werden über Nacht zum Verkaufsschlager.

2005 – Lieferverträge mit Hemlock

„Weitere Siliziumversorgung gesichert“, meldet Solarworld. Der Konzern vereinbart den ersten von insgesamt vier langfristigen Lieferverträgen mit dem US-Siliziumhersteller Hemlock Semiconductor.

2007 – Aufstieg zum Börsenstar

Solarworld wird Börsenstar. Der damals im TecDax notierte Ökokonzern wird mit 4,6 Milliarden Euro bewertet.

2008/1 – Unternehmerische Auszeichnung

Die Unternehmensberatung Bain & Company kürt Solarworld zu „Deutschlands wachstumsstärkstem Unternehmen“.

2008/2 – Hilfsangebot für Opel

Als Opel in Turbulenzen gerät, bietet Solarworld-Boss Asbeck an, den kriselnden Autokonzern zu übernehmen. Dabei gerät Solarworld selbst langsam unter Druck.

2011 – Rote Zahlen

Solarworld rutscht tief in die roten Zahlen. Die zunehmende Billig-Konkurrenz aus Asien und gedrosselte Subventionen setzen dem Konzern zu.

2012 – Kein Geld an Hemlock

Der Bonner Konzern stellt alle Überweisungen an Hemlock ein. Schlichtungsversuche mit dem US-Konzern scheitern

2013 – Verzicht der Aktionäre

Solarworld ringt ums Überleben. Die Aktionäre verzichten auf 95 Prozent ihres Kapitals, um den Fortbestand des Konzerns zu sichern.

2015 – Probleme in den USA

Im Rechtsstreit mit Hemlock kassiert das US-Gericht das Kernargument von Solarworld. Der Konzern darf sich in den USA nicht auf das europäische Kartellrecht berufen.

2016 – Fatales Gerichtsurteil

Ein US-Gericht verurteilt Solarworld in erster Instanz im Rechtsstreit mit Hemlock. Solarworld soll 720 Millionen Euro Schadensersatz zahlen. Der Konzern geht in Berufung und geht zudem davon aus, dass Hemlock seine Ansprüche nicht durchsetzen kann.

2016 - das Geld wird knapp

Solarworld reißt mit Gläubigern vereinbarte Unternehmenskennzahlen. Das Geld wird knapp, die Schulden explodieren. Die wirtschaftliche Situation der Firma bewertet der Vorstand nun als „sehr schwierig“.

Die Nettoverschuldung bei Solarworld schoss gleichzeitig von 217 auf 302 Millionen Euro in die Höhe. Nun steht fest: Die Gesellschaft ist überschuldet. Der Vorstand musste die Reißleine ziehen. Das Geschäftsmodell von Solarworld war nicht mehr konkurrenzfähig. Der Konzern litt unter seiner mangelnden Größe. Mit einer jährlichen Fertigungskapazität von 1500 Megawatt konnte Solarworld zu wenig Skaleneffekte geltend machen, um zu überleben. Denn die Preisschlacht im Photovoltaikmarkt wird über die produzierte Masse gewonnen.

Wer mehr produziert, hat aufgrund von Skaleneffekten geringere Stückkosten und kann günstigere Module anbieten. Doch allein der chinesische Solarkonzern Trina Solar kann in seinen Werken pro Jahr fast vier Mal so viele Module fertigen wie Solarworld. Der Konzern wurde einst als grüner Börsenstar gefeiert und war in seinen Glanzzeiten mehr als 4,6 Milliarden wert.

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Solarworld stand schon einmal vor der Pleite. Im Sommer 2013 überzeugte Konzerngründer Asbeck seine Aktionäre aber davon, auf mehr als 95 Prozent ihres Kapitals zu verzichten und so die drohende Insolvenz abzuwenden. Dieses Mal ist die Pleite des 1998 gegründeten Unternehmens wohl endgültig.

Kommentare (10)

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Herr Holger Narrog

10.05.2017, 19:30 Uhr

Damit ist die Branche zum Glück für Deutschland und dessen Steuerzahler Vergangenheit. Man denke an die Ruhrkohle die Jahrzehnte mit enormen Subventionen am Leben erhalten wurde.

Vor einigen Jahren schrieb die FTD einen Artikel über die Praktiken der Sonnenkönige, die den Politikern fertige Vorlagen für Subventionsgesetze nahelegten und die politische Landschaft grosszügig pflegten. Die Chinesen nutzten die Subventionen und optimierten die Produktion der umweltschädlichen Solaranlagen.

Schön wäre es wenn man auch die Solarsubventionen alsbald möglich streichen würde.

Herr Adolf Schicklgruber

10.05.2017, 19:39 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Gerald Gantz

10.05.2017, 19:46 Uhr

Der Sonnenkönig ist der Einzige, der aus der Existenz der Solarworld profitiert hat. Gute Nerven hat er. Bis zum Schluss haben seine Saläre Solarworld geschädigt. So geht Wirtschaft in der BRD.

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