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03.12.2013

13:26 Uhr

Umfrage

Beteiligung an Stromtrassen für Bürger wenig attraktiv

Der erste Versuch, betroffene Bürger an den Kosten und Gewinnen einer neuen Stromtrasse zu beteiligen, war ein Schlag ins Wasser. Durch die Diskussion ist aber die Einbindung der Bürger in das Projekt enger geworden.

Bei der Umfrage war die Hälfte der befragten Anwohner nicht bereit, sich an den Kosten von Stromleitungen zu beteiligen. dpa

Bei der Umfrage war die Hälfte der befragten Anwohner nicht bereit, sich an den Kosten von Stromleitungen zu beteiligen.

Bayreuth/ HusumNur wenige betroffene Bürger können und wollen sich an den Kosten und Erträgen von Stromleitungen beteiligen. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Netzbetreibers Tennet nach dem ersten Versuch bei der Westküsten-Stromleitung in Schleswig-Holstein. Bei einer Umfrage erklärte demnach nahezu die Hälfte der befragten Anwohner und Grundstückseigentümer, ihnen fehle das notwendige Kapital zum Erwerb von Anleihen, teilte Tennet am Dienstag in Bayreuth mit. 39 Prozent fanden die angebotene Beteiligung „nicht interessant“, rund ein Viertel fand das Produkt zu kompliziert. Mehr als jeder Vierte gab an, grundsätzlich kein Interesse an derartigen Investments zu haben.

Tennet hatte den Anliegern der geplanten Stromleitung eine Anleihe angeboten, die mit fünf Prozent verzinst werden sollte. Insgesamt zeichneten 142 Haushalte die Anleihe und investierten 833.000 Euro. Dieses Ergebnis blieb deutlich unter den Erwartungen, nachdem sich auch prominente Politiker auf Landes- und Bundesebene für die Anleihe stark gemacht hatten. Sie wollten so die Akzeptanz bei den Bürgern für derartige Projekte stärken. Tennet hatte rund 160.000 Haushalte angeschrieben.

Was der Koalitionsvertrag der Energiebranche bringt

Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes

Bis Ostern, Verabschiedung durch Bundestag und Bundesrat bis Sommer 2014. Bis zum Jahr 2035 wird ein Ökostromanteil von 55 bis 60 Prozent angestrebt. Die Union hatte zuvor auf 50 bis 55 Prozent bis 2030 plädiert, die SPD hatte 75 Prozent als Ziel für 2030 genannt.

Windkraft

Das bis 2017 befristete Modell mit einer Anfangsvergütung von 19 Cent je Kilowattstunde über einen Zeitraum von acht Jahren soll um zwei Jahre bis Ende 2019 verlängert werden, um das Ziel von 6500 Megawatt bis 2020 zu schaffen. Bis 2030 wird das Ausbauziel auf 15 000 Megawatt begrenzt. Bei Windrädern an Land werden Fördersätze gesenkt, effiziente Standorte bevorzugt.

Abstandsflächen

Die Länder sollen bestimmte Mindestabstände im Baugesetzbuch zwischen Wohngebieten und Windrädern festlegen können. Das könnte letztlich bis zu zwei Kilometer Abstand bedeuten.

Kostenbremse

Für bereits angeschlossene Wind-, Biomasse- und Solaranlagen gilt Bestandsschutz. Sie bekommen weiter 20 Jahre lang feste Vergütungen für ihren Strom. Bei neuen Anlagen wird gekürzt.

Industrie-Rabatte

Die umstrittenen Ausnahmen für stromintensive Unternehmen bei der EEG-Umlage sollen fortgeführt und europarechtlich wasserdicht gemacht werden.

Strommarkt

Konventionelle Kraftwerke mit Kohle und Gas seien „auf absehbare Zeit unverzichtbar“. Die Betreiber könnten Subventionen erhalten, um derzeit unrentable Anlagen am Netz zu halten. Dazu heißt es: „Es ist mittelfristig ein Kapazitätsmechanismus zu entwickeln (...).“

Atomausstieg 2022

Daran wird nicht gerüttelt. Neue bundesweite Endlagersuche, eine Kommission erstellt zunächst die Grundlagen. Der Rechtsstreit zwischen Bund und Land Niedersachsen um den alten Standort Gorleben soll einvernehmlich geklärt werden.

Fracking

Die unkonventionelle Gasförderung soll in Deutschland vorerst nicht genehmigt werden. Die Risiken der Technik sollen geprüft werden.

Klimaschutz

Union und SPD bekennen sich zum Ziel von 40 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen in Deutschland bis 2020 (im Vergleich zu 1990). In der EU will die Koalition sich für ehrgeizigere Ziele bis 2030 einsetzen, ein fester Zielwert fehlt.

Energie-Effizienz

Bis 2020 soll der Stromverbrauch weiter um zehn Prozent gesenkt werden. Geplant sind Förderprogramme, etwa mehr Geld für die Gebäudesanierung.

„Insgesamt lassen die Umfrageergebnisse den Schluss zu, dass eine finanzielle Beteiligungsmöglichkeit von den Bürgern zwar grundsätzlich begrüßt wird, für viele tatsächlich aber nicht in Frage kommt“, heißt es in der Auswertung. Die Zustimmung zur Anleihe habe nochmals abgenommen, nachdem Finanzexperten und Verbraucherverbände vom Kauf abgeraten hatten, weil das Produkt zu komplex, riskant und für Kleinanleger ungeeignet sei. Dennoch könne eine finanzielle Beteiligung in Verbindung mit Bürgerdialog und Genehmigungsverfahren ein zusätzlicher Weg sein, die Menschen vor Ort bei Planung und Bau von Leitungsprojekten einzubinden.

Von

dpa

Kommentare (2)

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pendler

03.12.2013, 14:04 Uhr

Oje, bloss nicht, das wird genau so eine Fehlinvestition, wie in Schiffe.

Alles, wo der Bund die Pfotzen drin hat, sollte man besser die Finger davon lassen.

Staat = böse

Samweis

03.12.2013, 14:48 Uhr

Warum sollte sich auch ein Anwohner oder Grundstückseigentümer dafür interessieren, wenn das zu diesen Konditionen keine Bank, Versicherung, Fonds oder sonstiger Kapitalanleger täte?

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