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24.05.2015

15:19 Uhr

Umsatz im Plus, US-Nachfrage steigt

Solarworld profitiert von Strafzöllen gegen China

Bei Solarworld scheint wieder die Sonne: Im ersten Quartal 2015 hat der lange kriselnde Solarmodulhersteller seinen Umsatz um 50 Prozent gesteigert. Dabei halfen auch Strafzölle gegen billige Konkurrenz aus China.

Solarworld-Gründer und Vorstandschef Frank Asbeck will sich dafür einsetzen, dass die Strafzölle gegen Solarmodulhersteller aus China verlängert werden. dpa

Angst vor billiger Konkurrenz

Solarworld-Gründer und Vorstandschef Frank Asbeck will sich dafür einsetzen, dass die Strafzölle gegen Solarmodulhersteller aus China verlängert werden.

MünchenDas Geschäft des Solarmodulherstellers Solarworld läuft laut Gründer und Vorstandschef Frank Asbeck rund. „Wir produzieren wieder unter Vollauslastung“, sagte Asbeck der Zeitung „Euro am Sonntag“. Dies gelte sowohl für die Fabriken in Deutschland als auch in den USA. In den Vereinigten Staaten steige die Nachfrage stark; dort rechnet Asbeck mit einem kräftigen Absatzplus im laufenden Jahr. Dabei helfe auch der günstige Euro.

Noch profitiert Solarworld laut Asbeck von den Strafzöllen gegen chinesische Hersteller. Diese laufen allerdings in diesem Jahr aus. Solarworld werde bei den Behörden eine Verlängerung beantragen, kündigte der Solarworld-Chef an.

Frank Asbeck - ein Unternehmenschef, der polarisiert

Ungewöhnlicher Werdegang

Ende 1979 gehörte der in Hagen geborene Frank Asbeck zu den Gründungsmitgliedern des ersten Landesverbandes der Grünen in Nordrhein-Westfalen. Der Diplom-Agraringenieur bereiste in jungen Jahren mit dem Motorrad Afrika, wurde in Nigeria Berater und renovierte dort Fabriken. 1998 gründete er in seiner Bonner Heimat die Firma Solarworld.

Selbstdarsteller

Frank Asbeck weiß, sich darzustellen. Er tritt stets selbstbewusst mit Trachtenjacke und markigen Sprüchen auf. „Ich erkenne Trends sehr, sehr früh. Viel früher als andere Leute“, sagte er einmal in einem Interview mit dem Handelsblatt. Asbeck scheint so überzeugend, dass ihn die Medien im Laufe der Zeit mit dem Beinamen „Sonnenkönig“ gekrönt haben.

Gewagte Ideen

Solarworld-Chef Asbeck ist immer für eine Überraschung gut: So sorgte er im Jahr 2008 für einiges Erstaunen, als er den angeschlagenen deutschen Autobauer Opel übernehmen wollte – aber nur geschenkt. Ebenfalls kurios muteten seine Avancen an, am Firmensitz in Bonn einen Zoo zu errichten. Laut Asbeck sollte er ein „Demo-Bauernhof mit Nutztieren sein, die der Kommerzialisierung und Industrialisierung nach und nach zum Opfer gefallen sind“.

Ausschweifender Lebensstil

Anfang des Jahres sorgte Frank Asbeck für Aufmerksamkeit, als er das Luxusschloß von Entertainer Thomas Gottschalk bei Remagen am Rhein kaufte – angeblich für fünf Millionen Euro. Weil sein Unternehmen auch da bereits tief in der Krise steckte, musste sich der Solarworld-Chef, der gern im Maserati vorfährt, harte Kritik anhören.

Schuld haben die Anderen

Die Schuld an der aktuellen Misere seines Unternehmens gibt Frank Asbeck anderen – vor allem auf die Chinesen hat er es abgesehen. So initiierte er gemeinsam mit anderen Solarfirmen eine Klage der EU gegen die chinesischen Solarsubventionen. Angeblich betreiben die Chinesen gezielt Preisdumping, ist sich die Initiative Pro Sun sicher. Chinesische Firmen mussten hohe Strafzölle befürchten, ein Handelskrieg drohte. Am Ende einigten sich EU und China auf eine Mengenbegrenzung für den Import chinesischer Solarmodule – die ist jedoch so hoch, dass sie den fernöstlichen Unternehmen kaum schaden dürfte.

Das lange Zeit kriselnde Unternehmen hat den Umsatz im ersten Quartal 2015 dem Bericht zufolge um 50 Prozent gesteigert. Vor Steuern und Zinsen sei allerdings noch ein Verlust angefallen. Asbeck peile für das laufende Jahr die Rückkehr in die Gewinnzone an. Das Unternehmen folge einem Kostensenkungsplan, der Einkauf, Fertigung und das Produkt betreffe, sagte er „Euro am Sonntag“.

Die Solarbranche in Deutschland und anderen europäischen Ländern steht wegen billiger Konkurrenz aus China seit längerem unter Druck. Mehrere deutsche Unternehmen mussten Insolvenz anmelden.

Von

afp

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