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03.06.2014

13:50 Uhr

Unentschlossener Energieversorger

Eon will aus Pipeline-Projekt aussteigen

Eon zieht sich offenbar aus einem internationalen Pipelineprojekt zurück, das Europa unabhängiger von russischem Gas machen könnte. Auch andere Unternehmen scheinen trotz der Ukrainekrise skeptisch gegenüber dem Projekt.

Momentan hängt noch fast alles an Russland, das Gas kommt dann etwa über solche Pipelines durch die Ukraine nach Europa. Doch Alternativprojekte wie die TAP-Pipeline haben Startschwierigkeiten. ap

Momentan hängt noch fast alles an Russland, das Gas kommt dann etwa über solche Pipelines durch die Ukraine nach Europa. Doch Alternativprojekte wie die TAP-Pipeline haben Startschwierigkeiten.

Baku/ DüsseldorfDer Versorger Eon will der aserbaidschanischen Energiegesellschaft Socar zufolge dem Pipeline-Projekt TAP den Rücken kehren. Neben Eon wolle sich auch der französische Total -Konzern zurückziehen, sagte ein Socar-Vertreter am Dienstag in Baku. Gründe nannte er nicht. Mit Hilfe der TAP-Pipeline soll Europa unabhängiger von russischem Erdgas werden.

Der deutsche Energieriese hielt sich bedeckt. Eon überprüfe laufend strategische Optionen auch für sein Pipeline-Geschäft, erklärte ein Eon-Sprecher. Eine solche Prüfung könne dazu führen, dass Eon eine Trennung von einzelnen Geschäften erwäge - oder auch nicht.

Die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas und Öl

Gas

Deutschland kann aus eigenen Quellen gut zehn Prozent seines Bedarfs decken. Der Rest wird überwiegend aus Norwegen (gut ein Viertel) und den Niederlanden (knapp ein Fünftel) geliefert. In unterirdischen Speichern wird im Regelfall der Bedarf für mindestens zwei Monate vorgehalten. Russland ist somit größter Lieferant beider Brennstoffe für Deutschland. Beim Gas bezieht auch die EU insgesamt rund ein Viertel ihres Verbrauchs aus Russland.

Gastransport

Die Hälfte des russischen Gases nimmt den Weg über die Ukraine. Da beide Länder schon häufig über Preise, Transitgebühren und Lieferungen stritten und zeitweise die Versorgung unterbrochen war, wurden in Europa Alternativen gesucht. So wurde die Pipeline Nord Stream, die von Russland über den Ostseegrund direkt nach Deutschland führt, gebaut. Sie ist nicht ausgelastet und könnte weiteres Gas aufnehmen, sollte über die Ukraine nicht mehr geliefert werden. Daneben strömt ein großer Teil des Brennstoffes auch über die Jamal-Pipeline über Weißrussland und Polen nach Deutschland.

Ein weiterer Weg wäre der Import von flüssigem Erdgas etwa aus dem Nahen Osten über Tanker nach Deutschland. In der Bundesrepublik gibt es aber kein Terminal zum Entladen. Auch eine Einfuhr etwa über Rotterdam spielt kaum eine Rolle.

Gaseinsatz und -preis

Gas wird in Deutschland zum Heizen, für die Industrie und die Stromherstellung gebraucht. Letztere hat im Zuge der Energiewende an Bedeutung verloren, da die Kraftwerke durch Ökostrom-Anlagen verdrängt werden.

Daran ändert auch der Druck auf die Gaspreise weltweit nichts. Zwar steigt der Energiehunger in China und Indien. Auf der anderen Seite aber hat der Boom der Schiefergas-Gewinnung, dem sogenannten Fracking, die USA von Importen unabhängig gemacht. Das Land will nun sogar Gas ausführen. Auch die Ukraine wollte das Potenzial von Schiefergas nutzen und sich unabhängiger von Russland machen. Das erste Projekt zur Schiefergasförderung wurde Anfang 2013 zwischen der ukrainischen Regierung, dem Konzern Royal Dutch Shell und dem ukrainischen Partner Nadra geschlossen. Es geht um eine Fläche von der Größe des Saarlands. Der russische Gasmonopolist Gazprom hatte sich angesichts der Fracking-Konkurrenz zuletzt verstärkt bemüht, den Absatz nach Westeuropa zu sichern.

Öl

Russland ist auch Deutschlands größter Öllieferant. An Position zwei und drei liegen Großbritannien und Norwegen mit jeweils um die zehn Prozent. Auch Libyen, Nigeria und Kasachstan spielen ein Rolle. Gespeichert wird in Deutschland Öl für den Bedarf von mindestens 90 Tagen.

Transport

Der größte Teil des russischen Öls kommt über die Pipeline Druschba (Freundschaft) über Weißrussland und Polen ins brandenburgische Schwedt. Ein zweite Leitung führt über das Gebiet der Ukraine.

Öleinsatz und -preis

Öl wird als Treibstoff, für die Chemie, aber auch in vielen anderen Grundstoff-Industrien benötigt. Auch als Heizöl wird es in Deutschland oft eingesetzt. Der Preis ist nach jahrelangem Anstieg auf dem Weltmarkt etwas zurückgegangen. Die EU und Deutschland versuchen sich über den Einsatz von Biokraftstoffen und Elektroautos langfristig unabhängiger von Erdöl zu machen. Die Abhängigkeit bleibt aber für die kommenden Jahrzehnte hoch.

Über die Pipeline TAP soll nach früheren Angaben des britischen Energieriesen BP ab 2019 Gas aus Aserbaidschan über Griechenland und Albanien nach Süditalien fließen. Durch die Röhre sollen pro Jahr rund zehn Milliarden Kubikmeter Gas nach Süditalien gelangen - das entspricht etwa dem jährlichen Verbrauch Polens. An dem Projekt ist neben BP und Socar auch die norwegische Statoil beteiligt.

Eon bezieht einen großen Teil seines Erdgases aus Russland und ist auch an der Ostsee-Pipeline beteiligt.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

03.06.2014, 14:19 Uhr

Die Energiewende per EEG macht EON immer mehr zu einen Sanierungsfall. Geld für Großporjekte werden gestrichen und sind ganz einfach nicht mehr vorhanden. Zu verdanken hat EON dies der Energiewende einer Ethik-Merkel und dem schlechten Managemant von EON.
Statt auf die Marktwirtschaft zu pochen ergibt sich EON den Schicksal eines EEG-Subventionssystems. Wer sich als Unternehmen mit Subventionszahlungen von der Politik kaufen lässt und damit der Marktwirtschaft und dem Wettbewerb abschwört, der ist so gut wie Pleite!

Account gelöscht!

03.06.2014, 16:44 Uhr

Dank Erneuerbare Energien Wahnsinn brauchen wir immer weniger Gas zur Stromerzeugen, dafür wollen wir jetzt immer mehr Pipelines bauen. Wo ist dar der Wirtschaftliche Sinn dahinter? Russland braucht unser Geld, daher wird Russland auch liefern. Es sind beide voneinander abhängig.

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