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10.02.2014

17:55 Uhr

Unrentable Kraftwerke

Stromversorger drängen auf mehr Geld vom Staat

VonDana Heide

Stromversorger und Aufseher drängen die Bundesregierung zur Eile: Weil Gas- und Kohlkraftwerke wegen der Energiewende immer häufiger unrentabel sind, muss schnell eine Lösung her. Wie so oft geht es ums Geld.

Vattenfall-Kraftwerk in Jänschwalde, Brandenburg: Die Stromversorger haben Überkapazitäten. dpa

Vattenfall-Kraftwerk in Jänschwalde, Brandenburg: Die Stromversorger haben Überkapazitäten.

EssenEs ist selten, dass sich Aufseher und Unternehmen einig sind. Wenn es um unrentable Gas- und Kohlekraftwerke geht, ist das aber der Fall. „Es besteht dringender Handlungsbedarf“, sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux am Montag bei der Fachmesse E-World in Essen. „Wir müssen jetzt handeln“, forderte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, im Einklang mit dem Manager.

Hintergrund der Appelle: Wegen der Energiewende lohnt sich der Betrieb von Gas-und Kohlekraftwerken immer weniger. Die Betreiber wollen daher viele abschalten. Doch da die erneuerbaren Energien immer mehr zur Stromversorgung beitragen, werden die fossilen Kraftwerke gleichzeitig immer wichtiger, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten – und so verbieten ihnen die Behörden die Abschaltung. Für die Unternehmen wird das teuer.

EnBW ist der erste Energieversorger, bei dem die Bundesnetzagentur eine Grenze überschritten hat. Mastiaux wollte fünf seiner Kraftwerke abschalten, weil sie sich auf Grund geringer Betriebsdauer nicht mehr lohnten. Laut Gesetz muss er dafür die Bundesnetzagentur um Erlaubnis fragen – und die sagte: Nein. Die Kraftwerke würden gebraucht, um eine sichere Stromversorgung im Südwesten zu gewährleisten.

Das Unternehmen erhält nun zwar für den Weiterbetrieb eine Entschädigung, die beträgt aber laut Gesetz nur 70 bis 75 Prozent der Gesamtkosten. Mastiaux reicht das nicht: „Das ist unternehmerisch nicht durchzuhalten. Wir werden uns dagegen wehren“, sagte er. Der drittgrößte deutsche Stromkonzern hat gegen das Abschaltverbot bereits Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt.

Das Problem wird in den nächsten Monaten wohl eher größer als kleiner werden. Derzeit liegen bei der Bundesnetzagentur Anträge auf die Stilllegung von insgesamt 42 Kraftwerken vor. Fünf davon gehören dem Essener Energieversorger RWE, acht dem Düsseldorfer Stromunternehmen Eon und fünf dem Baden-Württemberger Versorger EnBW. Bei dem überwiegenden Teil der Kraftwerke prüft die Bundesnetzagentur noch, ob sie für die sichere Stromversorgung wichtig sind.

Die Bundesregierung hat das Thema erst einmal auf die lange Bank geschoben. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat zwar versprochen, „mittelfristig einen zweiten Markt für das Vorhalten von Kapazität zu schaffen“. Kurzfristig ist aber noch keine Lösung in Sicht.

Kommentare (10)

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holger29

10.02.2014, 18:18 Uhr

Der Vorrang für Oekostrom verbunden mit den Garantiepreisen für Oekostrom der dann ggf. zu Negativpreisen vermarktet wird ist eine Art Enteignung der Kraftwerksbetreiber.

Man kann meinen, dass der grösste Teil der Versorger staatlichen Körperschaften gehört und es somit egal ist ob der Bürger diese Kosten über die eine, oder andere Steuer, oder Stromkosten in Waren inkludiert, bezahlt.

Einen Kohle- und Erdgaskraftwerkspark mit 100000 MW Kapazität vorzuhalten, ca. 2000 MW jährlich zu ersetzen, kostet ca. 10 Mrd. €/Jahr.

Am Ende bezahlt der Bürger 10 Mrd. € zusätzlich zu den bekannten Kosten für seinen ökologischen Glauben.

steuerzahler_xy

10.02.2014, 19:17 Uhr

Die ganze 'Energie-Wende' ist ohne Gesamtkonzept gestartet worden. Deshalb ist sie unverantwortlich für den Wirtschafts-Standort Deutschland.

Sowohl die Bürger dieses Landes als auch die von einer zuverlässigen und kostengünstigen Energieversorung abhängigen Industriebetriebe haben - wie in den vergangenen 50 Jahren - einen Anspruch auf ein gesichertes Energie- Gesamtkonzept.

Frau Merkel hat anlässlich eines nicht relevanten Vorfalls in Japan diese unsinnige Energiewende als politische Zielsetzung vorgegeben. Die primäre Ursache der Anlage in Fukushima war ein landestypischer Tsunami, der regelmässig die Ostküste trifft. An der Westküste und im Landesinneren laufen Japans KKWs störungsfrei. Die TEPCO hatte das KKW aus Kostengründen wegen kurzer Leitungen zum Abnehmer Tokyo an die Ostküste gebaut. Das war ein Standort- Fehler. Das KKW für sich genommen war völlig betriebssicher.

Nach Merkels Logik müssen nunmehr auch Autos, Züge, Wohnhäuser und Fabriken abgeschafft werden, da sie alle von diesem Tsunami zerstört wurden. Eine ziemlich abstruse und nich nachvollziehbare Logik von Frau Merkel.

Der Rest der Welt ist schlauer: USA, Japan, China, Australien und fast alle Industrienationen bauen jetzt über 300 NEUE KKWs nach modernsten Sicherheits-Standards. Deshalb wird der Energie- Kostennachteil Deutschlands in wenigen Jahren unsere Wettewerbsfähigkeit untergraben.

Dann sind Frau Merkel und ihr Gehilfe Gabriel jedoch längst auf Kosten der Steuerzahler im Ruhestand.

Deshalb muss diese unverantwortliche und naive 'Energie- Wende' jetzt gestoppt werden, ehe es zu spät ist.

Account gelöscht!

10.02.2014, 19:40 Uhr

Muss man Energieerzeuger subventionieren? Will jemand einen Betrieb eröffnen, muss er auf eigene Rechnung investieren. Bietet er sein Erzeugnis günstig an, macht er gute Geschäfte und kann abschreiben. Andernfalls kauft man beim Wettbewerb und es droht Insolvenz. Das ist Marktwirtschaft! Diese deutschen Energieriesen wissen genau wie sie den Staat, sprich Steuerzahler, melken können. Das muß endlich aufhören!!! Letzte Bahn 25. Mai 2014!!!!!

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