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06.07.2015

14:12 Uhr

Unternehmen in Krisengebieten

Wenn die Gefahr im Dienstwagen mitfährt

VonKaren Grass

Die Terrorwelle in Nahost und Afrika lässt immer mehr Länder, in denen deutsche Firmen schon lange Geschäfte machen, zu Krisenherden werden. Gerade Mittelständler müssen in die Sicherheit der Mitarbeiter investieren.

Pipelines verlaufen häufig durch Konfliktregionen. Wenn Terrorgruppen wie der IS sich etwa im Nahen Osten ausbreiten, kann das für Mitarbeiter gefährlich werden.

Arbeiten im Krisenherd

Pipelines verlaufen häufig durch Konfliktregionen. Wenn Terrorgruppen wie der IS sich etwa im Nahen Osten ausbreiten, kann das für Mitarbeiter gefährlich werden.

München/ BerlinNatürlich treiben sich ihre Mitarbeiter in der Freizeit nicht am Strand herum, sie gehen im Auslandseinsatz auch nicht in beliebte Museen. Dennoch hat das Massaker eines mutmaßlichen IS-Sympathisanten im tunesischen Badeort Sousse mit 40 Toten Ende Juni beim Unternehmen ILF Beratende Ingenieure Eindruck hinterlassen. Der Münchener Mittelständler mit Fokus auf Öl-, Gas-, Wasser- und Energieprojekte ist in dem Land bei einer Gasfeldentwicklung mitten in der Wüste engagiert.

„Natürlich schaut man schon auf die jüngsten Anschläge und macht sich seine Gedanken“, sagt Stefan Seidl, Leiter der Abteilung Gesundheit und Sicherheit bei ILF, auch mit Blick auf den Angriff auf das Nationalmuseum in Tunis im März. „Aber die jüngsten Geschehnisse sind leider nur Indizien dafür, dass wir Tunesien als Hochrisikoland richtig eingestuft haben und an dieser Einstufung nicht rütteln können.“

Arbeitssicherheit im Auslandseinsatz

Verantwortung

Unternehmen sind für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter im Ausland verantwortlich und können für Schadensfälle von Mitarbeitern belangt werden. Denn nach §618 BGB müssen Arbeitgeber Leben und Gesundheit eines Arbeitnehmers vor Gefahren schützen.

(Quelle: International SOS Foundation)

Diverse Pflichten

Unternehmen haben gegenüber ihren Mitarbeitern sowohl Schutz-, Informations- als auch Schutzpflichten. So müssen sie ihre Mitarbeiter vor dem Auslandseinsatz etwa über medizinische, sicherheitstechnische und rechtliche Risiken im Ausland aufklären. Verletzen sie diese Pflichten, kann das zu Schadensersatzforderungen führen.

In der Ferne wächst die Verantwortung

Besonders in entlegenen und schlecht versorgten Regionen der Welt werden höhere Ansprüche an die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gestellt als allgemein.

Hauptsache gesund

Die medizinische Versorgung vor Ort sollte evaluiert und sichergestellt werden, in schwierigen Regionen sollte auch ein Evakuierungsplan stehen, ansonsten kann das ein Grund für den Mitarbeiter sein, einen Auftrag abzulehnen.

Die politische Situation im Blick

Politische Unruhen, Sicherheitsaspekte und Naturkatastrophen müssen in einem Sicherheitskonzept bedacht werden. Generell gilt nach Arbeitsrecht: Wo es gefährlich ist, besteht keine Arbeitspflicht, etwa wenn während eines Einsatzes ein Bürgerkrieg wie in Libyen ausbricht. Ein Unternehmer darf seine Mitarbeiter auch nicht zwingen, in Krisenregionen wie die Ostukraine zu reisen, nicht einmal für einen Tag. Doch es muss nicht immer die große Politik sein - auch ein Vulkanausbruch oder andere Naturkatastrophen reichen aus, um einen Einsatz abzulehnen.

Dem eigenen Gefühl vertrauen

Wenn der Mitarbeiter befürchtet, dass sein Arbeitgeber ihn nicht ausreichend schützt, kann er den Auslandseinsatz ablehnen. Ihm darf deshalb natürlich nicht gekündigt werden.

Das Projekt in Tunesien betreut ILF aktuell von Deutschland aus. Doch häufig kommen Ingenieure wie etwa Maximilian Pfnuer, Leiter des Bereichs Pipeline-Systeme, um Einsätze in Krisenregionen nicht herum. Denn Pipelines verlaufen eben oft durch Länder wie Pakistan, Irak oder Nigeria, in denen es nicht nur viele Ressourcen, sondern auch viel Armut und Extremismus gibt. „Ich habe noch nie gezögert, in eine Region zu fahren, in die mein Unternehmen mich schickt“, sagt Pfnuer.

Notfalls bewegt sich Pfnuer, der in Sicherheitstrainings auch auf Extremsituationen wie Geiselnahmen oder Kontrollen korrupter Milizen vorbereitet wurde, im Schutz schwer bewaffneter Sicherheitsmänner zu seinem Auftrag. Durch das westpakistanische Belutschistan reisten die Pipeline-Planer etwa mit mehreren gepanzerten Trucks in einem Sicherheitskonvoi, um eine Pipeline-Trasse zu begehen. Die Sicherheitswarnungen für das Gebiet machten es nötig.

„Das macht natürlich erhebliche Kosten aus, wenn man einen bewaffneten Konvoi mit drei Fahrzeugen haben will, mit jeweils einem Fahrer, einem Sicherheitsmann, einem Notfallmediziner vor Ort, dann kann das schon einige tausend Euro pro Tag kosten“, sagt ILF-Sicherheitsmann Stefan Seidl. Zwar haben Firmen mittlerweile begriffen, dass sie in die Sicherheit der Mitarbeiter investieren müssen. Auftraggeber wie große Ölkonzerne fordern so ein Sicherheitskonzept explizit, auch weil einige Angestellte in den vergangenen Jahren auf ihren Schutzanspruch nach Artikel 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches gegen ihre Arbeitgeber geklagt haben.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

06.07.2015, 19:18 Uhr

Gefahr in islamischen Länder? Eine große Lüge. Deutsche Politiker, Merkel und Gauck z.B. predigen stündlich: Der Islam ist friedlich und muß in Deutschland unser Ziel sein. Der Koran mit seinem absolten Befehl: Tötet Andersgläubige ist daher wohl das Ziel für Frau Merkel! Für Frau Merkel ist das C schon längst ein I

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