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01.11.2016

17:20 Uhr

Urenco

Umbau scheitert an RWE und E.ON

Die Energiekonzerne RWE und E.ON blockieren den Umbau des Atomunternehmens Urenco. Die Miteigentümer befürchten, dass eine neue Struktur einen Verkauf unmöglich macht. Zusammen besitzen sie ein Drittel an Urenco.

Die Verhandlungen über einen Umbau des Atomunternehmens sind am Widerstand von E.ON und RWE gescheitert. dpa

Urenco

Die Verhandlungen über einen Umbau des Atomunternehmens sind am Widerstand von E.ON und RWE gescheitert.

Amsterdam/FrankfurtDie jahrelangen Verhandlungen über einen Umbau des europäischen Atomunternehmens Urenco sind am Widerstand der Miteigentümer E.ON und RWE gescheitert. Man könne keiner Struktur zustimmen, die den Wert von Urenco beeinträchtigen und eine Veräußerung nahezu unmöglich machen würden, erklärten die beiden Energiekonzerne am Dienstag.

E.ON und RWE besitzen zusammen ein Drittel an dem Unternehmen. Auf die Regierungen der Niederlande und Großbritanniens entfällt der Rest.

Insidern zufolge könnten bei einem Börsengang bis zu zehn Milliarden Euro erlöst werden. Mit dem vorgeschlagenen Umbau wäre dieser Schritt allerdings nicht möglich. Urenco ist nach der russischen Tenex weltweit der zweitgrößte Anbieter von Kernbrennstoffen und beliefert etwa Atomkraftwerke. Einen wichtigen Standort hat das Unternehmen im westfälischen Gronau. Die Verhandlungen über die Zukunft des Unternehmens sind wegen der Besitzerstruktur und der Technik, die auch für den Bau von Atomwaffen genutzt werden könnte, schwierig.

Umstrittene Atomanlagen an Deutschlands Grenzen

Tihange in Belgien

Der Standort bei Lüttich ist rund 70 Kilometer von Aachen in Nordrhein-Westfalen entfernt. Block 2 war dort im März 2014 wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet worden und trotz Haarrissen im Dezember 2015 wieder ans Netz gegangen. Das Land Nordrhein-Westfalen und die Städteregion Aachen reichten im Februar 2016 gegen die Wiederaufnahme des Betriebs Klage am höchsten belgischen Verwaltungsgericht ein.

Cattenom in Frankreich

Das 1986 ans Netz gegangene Kernkraftwerk an der Mosel liegt am Dreiländereck Frankreich-Deutschland-Luxemburg. Luxemburg, das Saarland und Rheinland-Pfalz fordern seit langem die Stilllegung des Kraftwerks, in dem es schon Hunderte Störfälle gab. Frankreich lehnt das ab.

Fessenheim in Frankreich

Das älteste Atomkraftwerk des Landes liegt direkt am Rhein an der Grenze zu Baden-Württemberg. Beim Stresstest für Atomanlagen 2012 sahen Fachleute unter anderem Mängel bei der Prüfung von Erdbeben- und Flutgefahren. Ein Gutachten stufte Fessenheim als „sicherheitstechnisch unzureichende Anlage“ ein. Das Atomkraftwerk soll bis Ende 2016 stillgelegt werden.

Beznau in der Schweiz

Ein Gutachten für das Stuttgarter Umweltministerium machte massive Sicherheitsmängel an dem Akw aus. Der Meiler steht direkt an der deutsch-schweizerischen Grenze bei Waldshut. Beznau ist seit 1964 am Netz und damit das älteste im Betrieb befindliche Atomkraftwerk der Welt.

Temelin in Tschechien

Der Meiler sowjetischen Bautyps ist 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Kritiker vor allem in Österreich und Deutschland sehen schwere Sicherheitsmängel bei der Anlage. Im Februar 2016 kritisierte auch die Leiterin der Atomaufsichtsbehörde in Prag die Sicherheitsvorkehrungen der Betreiberfirma für Temelin.

E.ON und RWE teilten mit, sie strebten weiter eine Veräußerung des Unternehmens an. Dies werde aber lange dauern. Die britische Regierung erklärte, man prüfe die Optionen. Nach dem abgelehnten Vorschlag hätte sie ihre Anteile verkaufen können, während die Niederlande weiter an Urenco beteiligt gewesen wären.

RWE und E.ON stecken selbst mitten im Umbau und kämpfen mit gefallenen Strompreisen. RWE ächzt auch nach dem Börsengang seiner Ökostromtochter Innogy unter hohen Schulden und milliardenschweren Atomaltlasten. Auch E.ON setzt auf eine Aufspaltung und brachte jüngst die Kraftwerkssparte Uniper an die Börse.

Von

rtr

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