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08.11.2016

10:08 Uhr

US-Importzölle für Voestalpine und Dillinger Hütte

USA ermitteln gegen europäische Stahlhersteller

VonMartin Wocher

Mehrere Stahlhersteller – darunter Voestalpine und die Dillinger Hüttenwerke – werden in den USA mit vorläufigen Importzöllen belegt. US-Behörden werfen den Unternehmen bei bestimmten Blechen Dumpingpreise vor.

Das US-Handelsministerium ermittelt gegen mehrere Stahlhersteller wegen Dumpingpreisen. dpa

Stahlkocher am Hochofen

Das US-Handelsministerium ermittelt gegen mehrere Stahlhersteller wegen Dumpingpreisen.

Washington/DüsseldorfDer Vorstoß kommt zu diesem Zeitpunkt überraschend: Das US-Handelsministerium wirft Stahlfirmen unter anderem aus Deutschland und Österreich Dumping bei bestimmten Exportprodukten vor. Gegen sie wurden vorläufige Importzölle verhängt, wie das Ministerium in der Nacht zum Dienstag mitteilte. Beschuldigt werden unter anderem Voestalpine aus Österreich und die saarländische AG der Dillinger Hüttenwerke.

Bislang hatte die US-Stahlbranche ihre Abwehr in eine ganz anderer Richtung aufgebaut: Das Übel saß irgendwo zwischen Russland und Asien, vor allem aber in China. Mit immer neuen Strafzöllen und Anti-Dumping-Maßnahmen wehrten sie sich zusammen mit der europäischen Stahlindustrie gegen die Flut der Billigimporte, die den eigenen Stahlhütten zu schaffen machte.

Moderat in der Höhe eher die Europäer, die auf die Importware aus China, Russland oder Korea zwischen zehn und 25 Prozent aufschlugen. Viel rabiater dagegen die Amerikaner, die gerne auch mal die Marke von 200 Prozent überschritten, um die heimische Branche zu schützen.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Jetzt also wehren sich die Amerikaner auch gegen Importe aus Europa. Konkret geht es um zugeschnittene Bleche aus Kohlenstoff- und Legierungsstahl. Sie werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt: unter anderem im Haus- und Brückenbau, als Maschinenteile und im Schiffsbau. Betroffen sind ferner Firmen aus Frankreich, Belgien, China, Italien, Japan, Südkorea und Taiwan. Die Ermittlungen erfolgen auf Antrag des US-Stahlkonzerns Nucor sowie der amerikanischen Töchter von ArcelorMittal und SSAB.

Dass sich Amerikaner und Europäer im Stahlbereich mit Anti-Dumping-Maßnahmen überziehen, ist allerdings nichts Neues: Dies hatte es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegeben. Nur galt die Bedrohung aus China in den vergangenen zwei, drei Jahren als nahezu existenzgefährdend: Das Land steht nicht nur für die Hälfte der Weltproduktion an Stahl, sondern auch für zwei Drittel der globalen Überkapazitäten, die die chinesischen Hütten mit aller Macht auf die Weltmärkte pumpen.

Zwar hat die Regierung in Peking den Abbau von Kapazitäten versprochen, geschehen ist bislang allerdings wenig. So wurden im laufenden Jahr rund fünf Millionen Tonnen gestrichen – das waren nicht mehr als rund 0,5 Prozent der gesamten Kapazitäten.  

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