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02.11.2015

12:36 Uhr

Verkauf der Braunkohle

Vattenfall lässt Greenpeace abblitzen

VonJürgen Flauger

Vattenfall sucht einen Käufer für seine deutschen Braunkohlaktivitäten. Aber nicht jeder Bieter ist willkommen: Das Angebot von Greenpeace haben die Schweden nun zurückgewiesen. Aber die Umweltschützer geben nicht auf.

Der schwedische Konzern will Greenpeace offenbar nicht als Bieter. dpa

Vattenfall-Braunkohlekraftwerk

Der schwedische Konzern will Greenpeace offenbar nicht als Bieter.

DüsseldorfDas Papier trägt den prägnanten Titel „Statement of Interest“ und auf den ersten Blick hält es auch, was es verspricht: Auf 13 Seiten erklärt die Umweltschutzorganisation Greenpeace, warum sie die zum Verkauf stehende deutsche Braunkohlesparte des staatlichen schwedischen Energiekonzerns Vattenfall übernehmen will – und was sie mit den Aktivitäten vorhat.

Verkäufer Vattenfall hat das Schriftstück, das die skandinavische Sektion von Greenpeace vor zwei Wochen offiziell einreichte, aber offenbar nicht überzeugt. Wie die Umweltschutzorganisation am Montag mitteilte, wurde sie aus dem Bieterverfahren ausgeschlossen. Das habe die mit dem Verkauf betraute Investmentbank Citigroup am vergangenen Freitag schriftlich mitgeteilt. Citigroup habe das mit der Behauptung begründet, Greenpeace Nordic „beabsichtigt nicht, als Bieter aufzutreten“.

Energiekonzern: Vattenfall drückt beim Braunkohle-Verkauf aufs Tempo

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Vattenfall drückt beim Braunkohle-Verkauf aufs Tempo

Noch im ersten Halbjahr 2016 soll Schluss sein: Vattenfall will seinen Tagebau in Ostdeutschland und seine Braunkohlekraftwerke möglichst bald in einem Paket abstoßen. Interessen gebe es bereits, melden die Schweden.

Die Programmdirektorin von Greenpeace Schweden Annika Jacobson wies diese Begründung zurück: „Selbstverständlich will Greenpeace Nordic als Bieter auftreten.“ Das Gebot passe aber offenbar „nicht zur Absicht der Citigroup, den Käufer alleine nach dem höchsten Preis auszusuchen.“ Vattenfall kommentierte die Entscheidung nicht.

Greenpeace hatte angeboten, die Braunkohlesparte in eine gemeinnützige Stiftung zu überführen. Deren Zweck wäre „der Ausstieg aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2030 und der Umbau des Konzerns zu einem Erneuerbare-Energien-Unternehmen“. Allerdings machte die Organisation bei der Vorlage der Offerte auch klar, dass sie Vattenfall nichts bezahlen würde – sondern forderte im Gegenteil für die Abwicklung der Braunkohleaktivitäten sogar Geld. Die Organisation bezifferte den „wahren Wert“ der Vattenfall-Sparte wegen der Folgekosten des Kohleabbaus auf mehr als minus zwei Milliarden Euro. Die Offerte wurde in der Branche deshalb auch als PR-Coup gewertet.

Die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Den zehnten Platz belegt ein Energieversorger aus Südkorea: Korea Electric Power kam im April 2016 auf einen Marktwert von 33,1 Milliarden US-Dollar.

Quellen: Bloomberg; Factset; Forbes

Platz 9

Den neunten Platz belegt GDF Suez. Das französische Unternehmen hatte im April 2016 einen Marktwert von 39 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 49,5 Milliarden Dollar gewesen.

Platz 8

hiAuf dem achten Platz befindet sich chinesische Energieversorger China Yangtze Power. Im April 2016 war der Konzern 41,8 Milliarden US-Dollar wert.

Platz 7

Dominion Resources auf dem siebten Platz der weltgrößten Energieversorger stammt aus den USA und hat einen Markt von 43,2 Milliarden US-Dollar.

Platz 6

Den sechsten Platz belegt ein Versorger aus Spanien: Iberdrola hat einen Marktwert von 44,1 Milliarden US-Dollar.

Platz 5

Der fünftgrößte Energieversorger stammt aus Spanien. Enel kam im April 2016 auf einen Marktwert von 44,6 Milliarden US-Dollar.

Platz 4

Auf dem vierten Platz befindet sich ein Unternehmen aus den USA: Southern Co. Der Versorger hatte im April 2016 einen Marktwert von 45,3 Milliarden US-Dollar.

Platz 3

Der drittgrößte Energieversorger der Welt kommt aus dem Vereinigten Königreich. National Grid hatte im April 2016 einen Marktwert von 51,4 Milliarden US-Dollar.

Platz 2

Auf dem zweiten Platz befindet sich ein amerikanisches Unternehmen: Nextra Energy. Der Wert des Energieversorgers beträgt 52,8 Milliarden US-Dollar.

Platz 1

Das US-amerikanische Unternehmen Duke Energy ist nach Marktwert wie schon 2015 der weltweit größte Energieversorger. Im April 2016 betrug sein Wert 53,1 Milliarden US-Dollar. 2,3 Milliarden Dollar weniger als im Vorjahr.

Greenpeace-Managerin Jacobson betonte am Montag aber: „Wenn Vattenfall und der schwedische Staat sich schon mit einem Verkauf der Braunkohlesparte aus der Verantwortung stehlen wollen, dann muss ein Käufer ein ökologisch und sozial schlüssiges Konzept vorlegen.“ Die Umweltschutzorganisation forderte den zuständigen Wirtschaftsminister von Schweden, Mikael Damberg auf, durchzusetzen, „dass Umweltaspekte im Bieterverfahren berücksichtigt werden und Greenpeace Nordic weiterhin beteiligt bleibt.“

Vattenfall hatte schon vor einem Jahr angekündigt, die deutsche Braunkohlesparte zu verkaufen, Ende September wurde der Prozess nun offiziell gestartet. Zum Verkauf stehen neben dem Tagebau in der Lausitz auch mehrere Braunkohlekraftwerken. Bislang haben neben Greenpeace nur zwei andere Bieter ihr Interesse offiziell gemacht: die tschechischen Energiekonzerne EPH und CEZ.

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