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06.02.2013

12:31 Uhr

Verlust bei Arcelor-Mittal

Flaute reißt Europas Stahlbranche in die Krise

VonSebastian Ertinger

Thyssen-Krupp versenkt Milliarden mit seinen Übersee-Abenteuern. Doch der Konzern ist nicht alleine: Die europäische Krise zieht auch Marktführer Arcelor-Mittal in die Verlustzone. Der Ausblick bleibt düster.

Die Wirtschaftsflaute belastet Europas Stahlkonzerne. Reuters

Die Wirtschaftsflaute belastet Europas Stahlkonzerne.

DüsseldorfDer deutsche Stahlhersteller Thyssen-Krupp setzte Milliarden in den brasilianischen Sumpf. Doch der deutsche Traditionskonzern ist nicht der einzige europäische Stahlhersteller, der mit Problemen ringt. Weltmarktführer Arcelor-Mittal meldet im Schlussquartal 2012 knapp vier Milliarden Dollar Verlust. Das sind fast drei Milliarden Dollar mehr Minus als im Vorjahresquartal, teilte der Luxemburger Konzern mit.

Das ist das schlechteste Quartalsergebnis seit drei Jahren. Analysten hatten im Schnitt sogar mit 4,36 Milliarden Dollar Verlust gerechnet. Über das gesamte vergangene Jahr türmt der Stahlkocher einen Verlust von rund 3,7 Milliarden Dollar auf. Der Umsatz geht um fast zehn Prozent auf rund 84 Milliarden Dollar zurück.

Die wichtigsten Eisenerz-Lieferanten

Rang 10

Iran

Den zehnten Platz der Top-10 Eisenerz-Nationen erreicht der Iran. Das Land Produzierte 2011 rund 30 Millionen Tonnen.

Rang 9

Kanada

Der nördliche Nachbar der USA landet auf Platz neun der größten Eisenerz-Produzenten. 37 Millionen Tonnen kamen aus den Gruben des Landes.

Rang 8

USA

Die USA produzierten 54 Millionen Tonnen Eisenerz. Die Fördermenge stieg in den vergangenen drei Jahren leicht an.

Rang 7

Südafrika

Südafrika produzierte 2011 55 Millionen Tonnen Eisenerz. In den Vorjahren pendelte das Volumen ebenfalls um diese Marke.

Rang 6

Ukraine

Mit 80 Millionen Tonnen landet die Ukraine auf dem sechsten Platz der Eisenerz-Nationen.

Rang 5

Russland

Auf dem fünften Platz der größten Eisenerz-Förderer landet Russland. Im Jahr 2011 holte das Land 100 Millionen Tonnen des Rohstoffs aus der Erde.

Rang 4

Indien

Indien erreicht bei der Eisenerz-Produktion den vierten Platz. 240 Millionen Tonnen förderte das Land im Jahr 2011. Während andere Länder Zuwächse verbuchten, stagnierte die indische Produktion in den vergangenen drei Jahren weitgehend.

Rang 3

Brasilien

Die größte Eisenerz-Lagerstätte der Welt liegt im Urwald Brasiliens. Das Land rangiert bei der Rohstoff-Produktion aber nur auf Platz drei mit 390 Millionen Tonnen.

Rang 2

Australien

Die Nummer zwei unter den Eisenerz-Exporteuren ist Australien. Der Kontinent produzierte 480 Millionen Tonnen.

Rang 1

China

Der größte Eisenerz-Produzent der Welt ist China. Im Jahr 2011 förderte das Reich der Mitte rund 1200 Millionen Tonnen des Grundstoffs für die Stahlproduktion. Zugleich ist China auch einer der größten Importeure von Eisenerz.

Quelle: US Geological Survey

„2012 war ein sehr schwieriges Jahr für die Stahlindustrie“, sagte Konzernchef Lakshmi Mittal. Vor allem in Europa sei die Nachfrage nach Stahl um weitere 8,8 Prozent gesunken. Für das laufende Jahr zeigt sich der Stahlriese zuversichtlicher, auch wenn die Marktbedingungen weiter hart blieben. Das Ebitda werde 2013 aber voraussichtlich über dem Wert des Vorjahres liegen.

Doch der Optimismus könnte übertrieben sein. So rechnet die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) in einer aktuellen Studie für 2013 bei den sechs größten europäischen Stahlkonzernen mit einer schwachen Geschäftsentwicklung. „Die Stahlnachfrage in Europa wird dieses Jahr um zwei bis drei Prozent sinken“, sagt Andrey Nikolaev, Ratinganalyst bei S&P.

Die Branche hänge sehr an der Wirtschaftsentwicklung. Die Volkswirte des Hauses erwarten, dass die europäische Konjunktur dieses Jahr auf der Stelle tritt. Zu den wichtigsten Stahlherstellern in Europa zählen neben Thyssen-Krupp und Arcelor-Mittal die russische Evraz-Gruppe oder OAO Severstal sowie die schwedische SSAB. Viele der Unternehmen hätten bereits „schwierige Jahre“ hinter sich, meint Analyst Nikolaev.

Die Finanzkennzahlen vieler Konzerne seien nun unter dem angemessenen Niveau für die aktuellen Bonitätsnoten, so Nikolaev. Mit anderen Worten: in der Branche droht eine umfassende Abstufung der Ratings. Das Urteil von Ratingagenturen entscheidet mit darüber, zu welchen Konditionen sich Unternehmen oder Staaten Geld leihen können.

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