Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.08.2016

11:00 Uhr

Voestalpine

Stahl-Vorreiter kassiert einen Dämpfer

VonMartin Wocher

Der Stahlkonzern Voestalpine hat sein neues Geschäftsjahr mit einem starken Gewinnrückgang begonnen. Die moderate Erholung bei den Stahlpreisen konnte den Einbruch im Öl- und Gasbereich nicht wettmachen.

Zum Auftakt in das neue Geschäftsjahr gab es einen Gewinneinbruch. Reuters

Voestalpine-Werk in Donawitz

Zum Auftakt in das neue Geschäftsjahr gab es einen Gewinneinbruch.

DüsseldorfSeit Jahren gilt der österreichischer Stahl- und Technologiekonzern Voestalpine als Vorreiter und Maßstab für die europäische Branche. Die frühzeitige Spezialisierung auf hochwertige Stähle und die Belieferung der weitgehend konjunkturresistenten Auto-, Luftfahrt- und Bahnindustrie haben Voestalpine deutlich besser abschneiden lassen als die Konkurrenz.

Doch dieser Trend hat im ersten Quartal einen empfindlichen Dämpfer bekommen. Das noch einmal verschlechterte Öl- und Gasgeschäft und die nur zögerliche Besserung der Stahlerlöse wegen langfristiger Verträge haben im ersten Quartal den operativen Gewinn (Ebit) auf 168 Millionen Euro und damit um mehr als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr (368 Millionen) schrumpfen lassen. Der Umsatz sank um gut sieben Prozent auf 2,8 Milliarden Euro.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Der Einbruch fiel aber auch deshalb so stark aus, weil der Konzern im gleichen Zeitraum des Vorjahres Sondererträge aus einer Konsolidierungsumstellung bei Tochtergesellschaften verbucht hatte. Bereinigt um diese Einmaleffekte ging der Nettogewinn um 28 Prozent auf 109 Millionen Euro zurück. Anleger reagierten verschreckt und schickten die Voestalpine-Aktie auf Talfahrt. Die Papiere verloren fast sechs Prozent auf 30,23 Euro und führten damit die Verliererliste im Topsegment ATX an der Wiener Börse an.

Voestalpine-Chef Wolfgang Eder zeigte sich dann gar nicht so unzufrieden mit dem Ergebnis des ersten Geschäftsquartals. „Es entspricht unseren Erwartungen“, sagte er am Dienstag in Linz. Zwar hätten die schwieriger gewordenen globalwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ihre Spuren hinterlassen. „Die für uns wesentlichen Marktsegmente mit Ausnahme des Energiebereichs entwickeln sich aber weiterhin auf stabil solidem Niveau“, sagte er. „Dieses Quartal wird das schwächste in diesem Geschäftsjahr sein“, kündigte er an.

Eder geht von einer deutlich verbesserten wirtschaftlichen Entwicklung im Jahresverlauf aus, die sich auch in den Zahlen wiederspiegeln werde. So würden die im Stahl-Kontraktgeschäft vereinbarten Preiserhöhungen Schritt für Schritt wirksam werden. Hier rechnet Eder mit einer deutlichen Verbessrung ab dem laufenden Quartal. Ein Einbruch der Stahlpreise sei jedenfalls nicht in Sicht. „Wir sehen derzeit keinen Preisverfall im Herbst wie in den vergangenen vier Jahren“, sagte er. Das Preisniveau dürfte bis Jahresende in etwa gleich bleiben. „Das ist schon ein Fortschritt.“

Auch im Öl- und Gasgeschäft erwartet er angesichts anstehender Investitionen der Branche im späteren Jahresverlauf eine gewisse Entspannung. An seinen Ergebniszielen für 2016/17 auf Vorjahresniveau hält Eder unverändert fest.

Die besseren Perspektiven decken sich mit den jüngsten Zahlen der Wirtschaftsvereinigung Stahl. demnach legten die Aufträge bei Walzstahl zwischen April und Juni um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Zudem füllten die Kunden verstärkt ihre Läger auf, was die Bestellungen um 16 Prozent anstiegen ließen. Dennoch warnte die Branchenvereinigung vor zu großem Optimismus: „Die Situation bleibt herausfordernd vor dem Hintergrund der nach wie vor ungelösten Importkrise auf dem EU-Stahlmarkt“, hieß es.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×