Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.02.2016

12:10 Uhr

Voestalpine

Stahlkonzern stemmt sich gegen die Krise

Trotz der Krise auf dem Stahlmarkt hat Voestalpine in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs Umsatz und Gewinn gesteigert. Konzernchef Wolfgang Eder will das Sparprogramm trotzdem verschärfen.

Der österreichische Stahlkonzern konnte Umsatz und Gewinn steigern. Reuters

Voestalpine-Werk in Donawitz

Der österreichische Stahlkonzern konnte Umsatz und Gewinn steigern.

DüsseldorfDer österreichische Stahlkonzern Voestalpine verschärft unter dem Druck der Branchenkrise seine Sparanstrengungen. Das bis Ende des Geschäftsjahres 2016/17 laufende Programm werde um 100 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro erhöht, sagte Vorstandschef Wolfgang Eder am Mittwoch. Dies solle eine möglichst stabile Geschäftsentwicklung sicherstellen. „Es geht nicht um Personalabbau.“ Vielmehr wolle der Konzern mit seinen rund 47.500 Mitarbeitern etwa bei Anlagen im Stahlbereich die Prozesse verbessern und Kosten senken. Mehr Details werde er bei Jahresbilanz Anfang Juni präsentieren.

Im dritten Quartal musste der Thyssen-Krupp -Konkurrent unter anderem wegen Einbußen im Geschäft mit der Öl- und Gasindustrie einen Rückgang des Betriebsgewinns (Ebit) um knapp 17 Prozent auf rund 152 Millionen Euro hinnehmen. Um Sondereffekte wie der erstmaligen vollen Konsolidierung neuer Töchter bereinigt würden auch im Gesamtjahr die Ergebnisse niedriger als zuvor ausfallen. Inklusive der Effekte sollen aber die Vorjahreswerte beim Ebitda in Höhe von 1,47 Milliarden Euro und von 841 Millionen Euro beim Ebit übertroffen werden.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Im laufenden Geschäftsjahr fiel das Betriebsergebnis der Österreicher von Quartal zu Quartal schwächer aus. Auch im Verlauf des Jahres 2016 ist laut Eder keine radikale Erholung der Lage zu erwarten. Der Ölpreis sei weiter gefallen und die Konjunktur in China schwächele, schrieb er den Aktionären. Zudem gebe es „eine in dieser Dimension noch nie dagewesene Flut von subventionierten Stahlimporten in die Europäische Union“ – bislang ohne eine angemessene Reaktion der EU-Kommission. Sollte es zu Anti-Dumping-Maßnahmen der EU kommen, könnten sich die Stahlpreise im ersten Halbjahr 2016 stabilisieren, in der zweiten Jahreshälfte könnten sie sogar etwas anziehen.

In den ersten neun Monaten steigerte Voestalpine die Erlöse dank Zukäufen um 1,5 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro. Beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbuchten die Linzer ein Plus von knapp 16 Prozent auf 727 Millionen Euro. Zwar habe der Konzern Einbußen im Geschäft mit der Öl- und Gasindustrie hinnehmen müssen, die Nachfrage bei Kunden aus der Automobilindustrie, der Bahninfrastruktur und des Flugzeugbaus sei aber weiter gut. Die Voestalpine-Aktie legte in einem freundlichen Umfeld zeitweise fast zwei Prozent zu.

Die Schwerindustrie um Thyssen-Krupp und Weltmarktführer Arcelor-Mittal kämpft seit Jahren mit Preisdruck, Überkapazitäten und Billigimporten aus China. Voestalpine macht als Hersteller von Röhrenblechen für Pipelines auch eine schwächelnde Nachfrage aus der Ölindustrie zu schaffen. Thyssen-Krupp legt am Freitag Zahlen für das erste Quartal seines Geschäftsjahres 2015/16 (per Ende September) vor. Der Konzern hatte wegen der schwierigen Lage im Stahlbereich ein unter dem Vorjahr liegendes Ergebnis in Aussicht gestellt. Arcelor-Mittal hatte kürzlich für 2015 einen Verlust von 7,9 Milliarden Dollar (gut sieben Milliarden Euro) vorgelegt.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×