Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.06.2016

12:27 Uhr

Voestalpine

Stahlkonzern stemmt sich gegen die Krise

Die Stahlkrise hat den Konzern Voestalpine bisher noch nicht erfasst. Die Österreicher haben im abgelaufenen Geschäftsjahr ihren Gewinn stabil gehalten. Aktionäre dürfen sich über eine höhere Dividende freuen.

Aufgrund der Spezialisierung auf qualitativ hochwertige Stahlprodukte ist das Unternehmen nicht mehr so stark vom Stahlzyklus abhängig. Reuters

Voestalpine-Chef Wolfgang Eder

Aufgrund der Spezialisierung auf qualitativ hochwertige Stahlprodukte ist das Unternehmen nicht mehr so stark vom Stahlzyklus abhängig.

WienDer Linzer Stahlkonzern Voestalpine trotzt dank seiner Spezialisierung und Kosteneinsparungen der Branchenkrise. Während den Konkurrenten Überkapazitäten und der Preisdruck durch Billigimporte aus China schwer zu schaffen machen, hielten die Österreicher den Gewinn zuletzt etwa stabil.

Im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 stieg der Betriebsgewinn (Ebit) um 0,3 Prozent auf 889 Millionen Euro, teilte der Thyssen-Krupp-Konkurrent am Donnerstag mit. Unter dem Strich steigerte der Konzern den Gewinn um 1,2 Prozent auf 602,1 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen eine fünf Cent höhere Dividende von 1,05 Euro je Aktie erhalten.

Die Anleger reagierten erfreut. An der Wiener Börse legten die Voestalpine-Papiere um fast sieben Prozent zu und führten damit die Gewinnerliste im ATX an. Der Konzern zeige selbst in sehr schwierigen Zeiten, dass er in der Lage sei aus eigener Kraft in Wachstum zu investieren, schrieben die Analysten von Baader Helvea in einem Kurzkommentar. Voestalpine ist kein reiner Stahlkonzern mehr, sondern verstärkt auch in der Weiterverarbeitung von Stahl tätig. Aufgrund der Spezialisierung auf qualitativ hochwertige Stahlprodukte ist das Unternehmen nicht mehr so stark vom Stahlzyklus abhängig.

Salzgitter: Stahlkonzern will Krise aus eigener Kraft meistern

Salzgitter

Stahlkonzern will Krise aus eigener Kraft meistern

Überkapazitäten und Billig-Importe haben die Stahlbranche in die Krise gestürzt. Immer wieder werden Fusionen durchgespielt. Doch der deutsche Produzent Salzgitter will eigenständig bleiben und die Probleme selbst lösen.

In den Ergebnissen seien jedoch Sondereffekte – wie die erstmalige Konsolidierung von Töchtern – enthalten, die sich positiv auswirkten. Andererseits musste das Unternehmen aufgrund der stark gesunkenen Preise für Öl und Gas im vierten Quartal eine Wertminderung in Höhe von 38,8 Millionen Euro vornehmen. Finanzvorstand Robert Ottel bezifferte die Wertminderungen im vergangenen Jahr auf insgesamt rund 650 bis 700 Millionen Euro. Bereinigt um die Sondereffekte sank der Konzerngewinn um 7,7 Prozent auf 510 Millionen Euro.

Im laufenden Geschäftsjahr 2016/17 erwartet Konzernchef Wolfgang Eder keine großen Sprünge. „Selbst bei einem anhaltend schwierigen konjunkturellen Umfeld sollte ein um Sondereffekte bereinigter Betriebsgewinn zumindest annähernd auf Höhe des vergangenen Geschäftsjahres möglich sein.“ 2015/16 sank der bereinigte operative Gewinn auf 814,4 Millionen Euro nach 841,0 Millionen Euro.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Die Prognose stütze sich vor allem darauf, dass für den wichtigsten Bereich, die Mobilität, eine weitgehend stabile Entwicklung auf hohem Niveau erwartet werde. Mit der Automobil-, Eisenbahn- und Luftfahrtbranche erwirtschaftet der Konzern fast die Hälfte des Konzernumsatzes. Während die Geschäfte mit der Autoindustrie, für die Voestalpine unter anderem Bleche für Karosserieteile herstellt, rund laufen, zeigt die Energiebranche nur zarte Belebungstendenzen. Das Unternehmen erzeugt etwa Grobbleche für Pipeline-Stahlrohre.

In Österreich prüft der Konzern derzeit den Bau eines neuen Edelstahlwerks. Die Kosten für das in Kapfenberg in der Steiermark geplante Werk schätzt Eder auf 250 bis 300 Millionen Euro. Eine endgültige Entscheidung soll 2017 getroffen werden. Derzeit würden die Rahmenbedingungen und die technischen Details geprüft sowie die notwendigen Genehmigungen geklärt.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×