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18.04.2016

20:04 Uhr

Vor RWE-Hauptversammlung

Versöhnliche Töne zwischen RWE und Kommunen

Nach dem Streit um den Dividendenausfall von RWE hat sich die Aufregung bei den Kommunen offenbar etwas gelegt. „Wir wollen auf der Hauptversammlung keinen Krawall“, sagte ein Vertreter.

Das Thema Dividende dürfte neben den Aufspaltungsplänen des Konzerns RWE die Hauptversammlung am Mittwoch in Essen dominieren. dpa

RWE

Das Thema Dividende dürfte neben den Aufspaltungsplänen des Konzerns RWE die Hauptversammlung am Mittwoch in Essen dominieren.

DüsseldorfNach dem Streit um den Dividendenausfall des Energiekonzerns RWE mehren sich unter den kommunalen Anteilseignern versöhnlichere Stimmen. „Wir wollen auf der Hauptversammlung keinen Krawall“, sagte ein Vertreter am Montag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Stimmung sei inzwischen weniger aufgeregt, sagte ein weiterer Insider. „Es gab ja auch viele gute Jahre“, fügte er hinzu. „Von uns gibt es keine Bestrebungen, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern“, verlautete auch aus einer anderen Kommune. Es gebe aber noch keine endgültigen Beschlüsse.

Das Thema Dividende dürfte neben den Aufspaltungsplänen des Konzerns das Treffen am Mittwoch in Essen dominieren. Die Kommunen hatten scharf gegen die weitgehende Streichung der Dividende protestiert. Nach einem Verlust von 170 Millionen Euro hatte der Vorstand um Konzernboss Peter Terium vorgeschlagen, den Vorzugsaktionären für 2015 eine Dividende von 13 Cent je Aktie zu zahlen - und den Stammaktionären gar nichts.

Das sind die größten Baustellen von RWE

RWE will durch eine Aufspaltung aus der Krise kommen

Der Energiekonzern RWE steckt in einer der schwersten Krisen seiner 117-jährigen Unternehmensgeschichte. Vorstandschef Peter Terium will den Versorger durch eine Aufspaltung des Ökostromgeschäftes sowie der Stromnetzen und des Vertriebs neu aufstellen. Zehn Prozent der neuen Gesellschaft sollen Ende 2016 an die Börse gebracht und neue Gesellschafter gewonnen werden. Der Mutterkonzern soll derweil Mehrheitseigner bleiben und sich künftig auf die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel konzentrieren. Was sind die größten Baustellen von RWE?

Der Gewinneinbruch setzt sich fort

RWE brechen wegen der fallenden Strom-Großhandelspreise die Gewinne weg. Die Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke, die früher die Kasse füllten, werden Konzernangaben zufolge womöglich bald nur noch ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. Im laufenden Jahr rechnet der Versorger insgesamt mit einem weiteren Schwund des operativen Ergebnisses (Ebitda) auf 6,1 bis 6,4 Milliarden Euro von 7,1 Milliarden im Jahr zuvor. 2009 waren es noch 9,1 Milliarden. 2013 hatte RWE nach hohen Abschreibungen auf seine Kraftwerke einen Nettoverlust von 2,8 Milliarden Euro verbucht.

Der Aktienkurs und der Börsenwert dümpeln im Tief

Der Aktienkurs befindet sich seit Jahren im Sinkflug. Er liegt bei rund elf Euro. Ende 2007 notierte das Papier bei fast 100 Euro. RWE ist an der Börse noch rund 6,6 Milliarden Euro Milliarden Euro wert. Im August waren es noch elf Milliarden. Der Konkurrent Eon kommt auf das Dreifache des aktuellen Marktwertes.

Hohe Schulden und die Lasten für die Zukunft

RWE drücken Schulden von 25,6 Milliarden Euro. Durch den Verkauf der Öl- und Gastochter Dea für mehr als fünf Milliarden Euro hatte der Versorger seine Schulden etwas reduziert. Auf den Konzern kommen aber durch den Atomausstieg und die Beseitigung der Braunkohletagebauschäden hohe Kosten zu. RWE will auch deshalb seine Kosten senken – bis 2017 um zwei Milliarden Euro.

Die Dividende schmilzt dahin

Die Aktionäre müssen sich auf einen weiteren Rückgang der Dividende gefasst machen. Gab es für das Geschäftsjahr 2008 noch 4,50 Euro, war es zuletzt ein Euro je Aktie. Vielen Kommunen, die knapp 24 Prozent an RWE halten, entgehen früher als sicher eingeschätzte Haushaltseinnahmen. Großaktionär ist der Finanzinvestor Blackrock mit gut fünf Prozent.

Die starke Abhängigkeit von der Kohle

RWE hat die Energiewende verschlafen und insbesondere unter Ex-Chef Jürgen Großmann lange auf Kohle und Atom gesetzt. 2014 erzeugte RWE die Hälfte seines Stroms aus Stein- und Braunkohle. Der Ökostromanteil lag bei knapp fünf Prozent. Die Ökosparte Innogy soll nach vielen Rückschlägen 2015 ihren Gewinn erhöhen.

Der Jobabbau geht weiter

Entlassungen von Beschäftigten dürften weitergehen. RWE hat derzeit knapp 59.000 Mitarbeiter nach früher über 70.000. In der Kraftwerkssparte droht der Wegfall von rund 1000 Jobs – betriebsbedingte Kündigungen sind nicht mehr ausgeschlossen.

In Reihen der Kommunen waren Rufe laut geworden, dem Vorstand auf der Hauptversammlung mit der Verweigerung der Entlastung einen Denkzettel zu verpassen. Die Kommunen halten rund 24 Prozent an dem nach E.ON zweitgrößten deutschen Versorger.

RWE-Finanzchef Bernhard Günther warnte die kommunalen Anteilseigner vor offenem Widerstand. „Mit einer Nicht-Entlastung wäre niemandem geholfen“, sagte er der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. „Faktisch würde sich nichts ändern, weil es keine rechtliche Wirkung hat.“ Ein solcher Schritt wäre kein gutes Signal insbesondere an die großen Investoren aus der angelsächsischen Region.

„Das würde unserem Unternehmen schaden.“ Günthers Äußerungen sorgten umgehend für neuen Ärger. „Wir kommunalen Aktionäre brauchen keine ungebetenen Ratschläge“, sagte Ernst Gerlach, Geschäftsführer des Verbands kommunaler RWE-Aktionäre, der „Rheinischen Post“ laut Vorabmeldung.

RWE erklärte am Montag, bislang keinen Antrag auf Nicht-Entlastung des Vorstands von den Kommunen vorliegen zu haben. Grundsätzlich kann jeder Aktionär auch noch auf der Hauptversammlung Anträge stellen. RWE machen wie der gesamten Branche die gefallenen Strom-Großhandelspreise zu schaffen.

Terium lagert das zukunftsträchtige Geschäft mit Ökostrom, den Strom- und Gasnetzen sowie dem Vertrieb in eine Tochter aus und will von der Gesellschaft zehn Prozent an die Börse bringen. Die Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke bleiben beim Mutterkonzern. Terium verspricht sich davon ein klareres Profil und neue Investoren.

Von

rtr

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