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22.03.2013

18:38 Uhr

Werk Arnstadt

Bosch-Solar-Mitarbeiter müssen um Jobs bangen

Für die Mitarbeiter von Bosch Solar ist das Aus ein Schock. Der Konzern will nach „verträglichen Lösungen“ für seine Beschäftigten suchen – doch die Arbeitnehmervertreter wollen mehr.

Die defizitäre Bosch-Solar-Sparte soll geschlossen werden. Für die Mitarbeiter ist das ein Schock. dpa

Die defizitäre Bosch-Solar-Sparte soll geschlossen werden. Für die Mitarbeiter ist das ein Schock.

Arnstadt/StuttgartEs ist für viele der Arbeiter, Techniker und Ingenieure bei Bosch Solar in Arnstadt wie ein Beben, das ihnen den Boden unter den Füßen wegreißt: Das große, erst vor weniger als drei Jahren eröffnete Werk mit Solaranlagen auf Dächern und an Fassaden wird Anfang 2014 dichtgemacht. Die Hiobsbotschaft kommt aus Stuttgart: Der Technikkonzern Bosch zieht die Reißleine und beendet seinen verlustreichen Ausflug in die Solartechnik.

Das Drama der Sonnensparte, die mit der Bosch Solar Energy AG ihren Hauptsitz vor den Toren der Thüringer Kleinstadt hat, haben die Beschäftigten seit Monaten durchlitten – sie wurden unfreiwillig zu Mitarbeitern einer Sorgensparte, die Milliardenbeträge verbrennt.

Bosch: Der schwere Abschied von der Solarsparte

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Der schwere Abschied von der Solarsparte

Es ist nicht nur eine Wende für das Unternehmen.

Den ganzen Tag schwirrten am Freitag Gerüchte durch die Fertigungshallen in Arnstadt. Und dann kam es schlimmer, als viele befürchtet hatten. Die Fertigung von Solarsilizium, Zellen und Modulen – dafür steht Arnstadt – wird Anfang nächsten Jahres eingestellt – es sei denn, Teile lassen sich verkaufen. Auch mit Forschung und Entwicklung soll Schluss sein. Insgesamt sind 3000 Beschäftigte, auch in Werken in Frankreich und Brandenburg, von Arbeitslosigkeit bedroht. Ein Novum in der jüngeren Bosch-Geschichte.

„Es ist eine sehr angespannte Situation für uns“, sagt Betriebsratschef Andy Poplawski von Bosch Solar in Arnstadt. Für 15.00 Uhr hatte die Geschäftsleitung die Belegschaft eingeladen. Stefan Hartung, Aufsichtsratsvorsitzender von Bosch Solar und Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, musste den verdatterten Mitarbeitern die dramatische Entscheidung verkünden. Natürlich würde versucht, Betriebsteile zu verkaufen, Mitarbeitern an anderen Standorten eine Zukunft zu bieten und Geschäft anzusiedeln. Aber es gebe „nicht all zu viel Hoffnung“, dass sich ein Käufer finde.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Wenig tröstlich war für viele in dieser Situation die Erklärung von Bosch-Chef Volkmar Denner in Stuttgart. „Uns ist bewusst, dass den Mitarbeitern eine schwierige Zeit bevorsteht. Wir werden gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern nach möglichst verträglichen Lösungen suchen.“ Denner verteidigte den beschlossenen Ausstieg: „Derartig große Verluste sind auch für Bosch nicht tragbar.“ Grund ist ein Preisverfall von bis zu 40 Prozent.

Kommentare (6)

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alfonearth

22.03.2013, 23:47 Uhr

Staatlich subventionierte Spekulationsblasen halten sich oft etwas länger, aber dann platzen sie umso lauter.

Account gelöscht!

23.03.2013, 02:50 Uhr

Herr Fehrenbach und Herr Dais: Wann hat die Kömödie ein Ende und SIE hören auf?

Account gelöscht!

23.03.2013, 03:35 Uhr

Jetzt ist das Bauernopfer gefunden und heißt B. Bohr.

Nein, Hr. Fehrenbach und Dais, bitte sofort aufhören. SIE sind die UNFÄHIGEN.

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