Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.11.2013

15:26 Uhr

Werksübernahme

Solarworld kauft Teil der Bosch-Solarsparte

VonDana Heide, Martin Dowideit

Solarworld ist zuletzt knapp an der Pleite vorbeigeschrammt. Jetzt übernimmt Firmenchef Frank Asbeck einen Teil der Bosch-Solarsparte. Auch für die übrigen Werksmitarbeiter in Arnstadt präsentierte Bosch eine Lösung.

„Wir finden es schade, wenn mit deutschen Fördergeldern entwickelte Technologie von hier verschwinden würde“: Solarworld-Chef Frank Asbeck.

„Wir finden es schade, wenn mit deutschen Fördergeldern entwickelte Technologie von hier verschwinden würde“: Solarworld-Chef Frank Asbeck.

DüsseldorfBereits Anfang des Monats wurde über einen möglichen Kauf von Teilen der Bosch-Solarsparte durch das Bonner Unternehmen Solarworld spekuliert, nun ist es offiziell: Solarworld schnappt sich einen großen Standort der Photovoltaik-Sparte des Autozulieferers- und Industriekonzerns. Das Solarunternehmen übernimmt den Standort Arnstadt, an dem jährlichen Solarzellen mit einer Kapazität von 700 Megawatt gefertigt werden können sowie eine Fertigungsstraße für Solarmodule. Insgesamt sollen 800 von derzeit 1500 Mitarbeitern weiterbeschäftigt werden. Der Vertrag wurde bereits unterzeichnet, teilte Bosch mit.

Ein weiterer Investor plane zudem, Produktionsflächen zu mieten, um unter Reinraumbedingungen pharmazeutische Produkte herzustellen und damit rund 100 Arbeitsplätze zu schaffen. Eine Absichtserklärung sei bereits unterzeichnet worden.

Frank Asbeck - ein Unternehmenschef, der polarisiert

Ungewöhnlicher Werdegang

Ende 1979 gehörte der in Hagen geborene Frank Asbeck zu den Gründungsmitgliedern des ersten Landesverbandes der Grünen in Nordrhein-Westfalen. Der Diplom-Agraringenieur bereiste in jungen Jahren mit dem Motorrad Afrika, wurde in Nigeria Berater und renovierte dort Fabriken. 1998 gründete er in seiner Bonner Heimat die Firma Solarworld.

Selbstdarsteller

Frank Asbeck weiß, sich darzustellen. Er tritt stets selbstbewusst mit Trachtenjacke und markigen Sprüchen auf. „Ich erkenne Trends sehr, sehr früh. Viel früher als andere Leute“, sagte er einmal in einem Interview mit dem Handelsblatt. Asbeck scheint so überzeugend, dass ihn die Medien im Laufe der Zeit mit dem Beinamen „Sonnenkönig“ gekrönt haben.

Gewagte Ideen

Solarworld-Chef Asbeck ist immer für eine Überraschung gut: So sorgte er im Jahr 2008 für einiges Erstaunen, als er den angeschlagenen deutschen Autobauer Opel übernehmen wollte – aber nur geschenkt. Ebenfalls kurios muteten seine Avancen an, am Firmensitz in Bonn einen Zoo zu errichten. Laut Asbeck sollte er ein „Demo-Bauernhof mit Nutztieren sein, die der Kommerzialisierung und Industrialisierung nach und nach zum Opfer gefallen sind“.

Ausschweifender Lebensstil

Anfang des Jahres sorgte Frank Asbeck für Aufmerksamkeit, als er das Luxusschloß von Entertainer Thomas Gottschalk bei Remagen am Rhein kaufte – angeblich für fünf Millionen Euro. Weil sein Unternehmen auch da bereits tief in der Krise steckte, musste sich der Solarworld-Chef, der gern im Maserati vorfährt, harte Kritik anhören.

Schuld haben die Anderen

Die Schuld an der aktuellen Misere seines Unternehmens gibt Frank Asbeck anderen – vor allem auf die Chinesen hat er es abgesehen. So initiierte er gemeinsam mit anderen Solarfirmen eine Klage der EU gegen die chinesischen Solarsubventionen. Angeblich betreiben die Chinesen gezielt Preisdumping, ist sich die Initiative Pro Sun sicher. Chinesische Firmen mussten hohe Strafzölle befürchten, ein Handelskrieg drohte. Am Ende einigten sich EU und China auf eine Mengenbegrenzung für den Import chinesischer Solarmodule – die ist jedoch so hoch, dass sie den fernöstlichen Unternehmen kaum schaden dürfte.

Bosch beabsichtigte zudem unter anderem, die Produktion eines Automobilelektronikproduktes vom Bosch-Standort Hatvan, Ungarn, nach Arnstadt zu verlagern. Damit könnten mittelfristig weitere rund 250 Arbeitsplätze erhalten werden, hieß es. „Somit können wir voraussichtlich in Summe für rund 1.100 von derzeit 1.500 Mitarbeitern in Arnstadt Beschäftigung anbieten“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner.

Der Clou für Solarworld: „Die Übernahme wird die finanziellen Ressourcen von Solarworld nicht mindern“, hieß es in einer Mitteilung des Konzerns. Mehr verriet das Unternehmen jedoch nicht über den Deal. Insider hatten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters zeitweise sogar davon berichtet, dass ein möglicher Käufer eine Art Mitgift von Bosch bekommen solle.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

senfra

26.11.2013, 08:43 Uhr

Na besser konnte doch Bosch die Solarabteilung nicht entsorgen. Möchte nicht wissen, was da so "Geschäftchen" noch gelaufen sind.

Account gelöscht!

26.11.2013, 09:48 Uhr

Artikel: "Der Clou: „Die Übernahme wird die finanziellen Ressourcen von Solarworld nicht mindern“, hieß es in einer Mitteilung des Konzerns. Mehr verriet das Unternehmen jedoch nicht über den Deal."

Hurra, Solorworld hat das finanzielle Perpetuum mobile gefunden: Kostet nichts und ist doch wertvoll!

Ein Schelm, der jetzt denkt: "Da muss doch wieder der Stromkunde oder der Steuerzahler ran."

fenfir

26.11.2013, 11:16 Uhr

Das Geld der Solarworld Aktionäre ist ja schon Weg. Jetzt ist noch die Frage ob es für die Ex Bosch Mitarbeiter noch eine Abfindunggarantie für ein paar Jahre gibt. Sonst sind die die Verlierer des Deals. Wenn die Bosch Werke neuer sind, als die von Solarworld, dann wird man die alten Werke aus Kostengründen "verkleinern" und da man fast Pleite ist, ohne Abfindung für die Leute. Die Beschäftigten dürften auf jeden fall die Verlierer sein

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×