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25.03.2013

12:36 Uhr

Windanlagenbauer

Nordex rutscht tiefer in die roten Zahlen

VonDana Heide

Überkapazitäten und Preisverfall machen der Windbranche zu schaffen. Der Rostocker Anlagenbauer Nordex schreibt bereits im zweiten Jahr in Folge rote Zahlen. Doch das Unternehmen macht Hoffnung auf Besserung.

Mitarbeiter montieren für Nordex in Rostock das Maschinenhaus für eine Offshore-Windkraftanlage: Der Anlagenbauer blickt zuversichtlich auf dieses Jahr. dpa

Mitarbeiter montieren für Nordex in Rostock das Maschinenhaus für eine Offshore-Windkraftanlage: Der Anlagenbauer blickt zuversichtlich auf dieses Jahr.

DüsseldorfDer Rostocker Windanlagenbauer Nordex sieht weiterhin rot: Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, stieg der Konzernverlust im vergangenen Jahr auf 94,4 Millionen Euro. 2011 hatte das Minus 49,5 Millionen Euro betragen. Die Anleger schienen sich jedoch eher an dem operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Einmalaufwendungen (EBIT) zu erfreuen. Das kletterte wieder in den schwarzen Bereich. Nach einem Verlust in Höhe von 7,6 Millionen Euro im Jahr 2011 drehte es im vergangenen Jahr auf 14 Millionen Euro ins Plus. Die Aktie stieg am Montag an der Frankfurter Börse zeitweise um bis zu vier Prozent auf 4,70 Euro.

Für dieses Jahr ist Nordex zuversichtlich. Vertriebsvorstand Lars Krogsgaard sieht ein Ende des Preiskampfes, der in den vergangenen Monaten die Branche belastet hat: „Der dramatische Preisverfall, den wir früher gesehen haben, der ist weg. Aktuell spüren wir eine gewisse Stabilisierung.“ Auch Finanzvorstand Bernard Schäferbarthold gibt sich zuversichtlich. Die Überkapazitäten im Markt seien langsam abgebaut und Hersteller verzichteten bereits auf Projekte mit „besonders niedrigen Margen“. „In Summe kommen wir damit langsam wieder in ein etwas ausgewogeneres Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage“, sagte er.

Über mangelnde Beschäftigung muss sich Nordex jedenfalls keine Sorgen machen. Im vergangenen Jahr stiegen die Auftragseingänge um rund 15 Prozent. Für dieses Jahr erwartet das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 20 Prozent.

Offshore-Windenergieleistung 2011 weltweit

Platz 1: Vereinigtes Königreich

Offshore-Nennleistung 2011: 1.525 Megawatt

2. Platz: Dänemark

Offshore-Nennleistung 2011: 858 Megawatt

3. Platz: Niederlande

Offshore-Nennleistung 2011: 249 Megawatt

4. Platz: China

Offshore-Nennleistung 2011: 222 Megawatt

5. Platz: Deutschland

Offshore-Nennleistung 2011: 215 Megawatt

6. Platz: Belgien

Offshore-Nennleistung 2011: 195 Megawatt

7. Platz: Schweden

Offshore-Nennleistung 2011: 164 Megawatt

8. Platz: Finnland

Offshore-Nennleistung 2011: 30 Megawatt

9. Platz: Japan

Offshore-Nennleistung 2011: 25,3 Megawatt

10. Platz: Irland

Offshore-Nennleistung 2011: 25 Megawatt

Auch Analysten bewerten das Unternehmen positiv. Zwar dürfte das Branchenumfeld schwierig bleiben, doch hebe sich Nordex von den Wettbewerbern ab, schreibt etwa Commerzbank-Analyst Sebastian Growe.

In Zukunft will sich Nordex von großen Energieversorgern wie Eon und RWE unabhängiger machen und vor allem auf mittlere und kleine Unternehmen konzentrieren. Das Unternehmen will zudem sein Geschäft mit Versicherungen ausbauen, die zunehmend in Windparks investieren wollen. In Deutschland soll der Nordex-Marktanteil von derzeit 4 Prozent auf 15 Prozent an den Neuinstallationen steigen.

Im vergangenen Jahr waren die USA und China die größten Märkte für die Windbranche, allein in den Vereinigten Staaten wurden laut Global Wind Energy Council 13,1 Gigawatt installiert. In Europa waren es immerhin 12,4 Gigawatt, die wichtigsten Märkte sind hier Deutschland und Großbritannien. Vor allem im letzten Quartal des Jahres wurden in den USA außergewöhnlich viele Anlagen gebaut. Der Grund: Im Dezember lief ein steuerliches Förderprogramm für die Anlagen aus.

Die größten Windkraftanlagenhersteller weltweit

Platz 1

Der Markt für Windkraftanlagen ist weltweit sehr zerstückelt. So kommt der größte Windkraftanlagenhersteller Vestas aus Dänemark laut Marktforscher IHS weltweit gerade einmal auf einen Anteil von 12,7 Prozent.

Platz 2

Nicht nur in der Solaranlagen- sondern auch in der Windkraftbranche sind die Chinesen stark vertreten. Auf dem zweiten Platz der größten Windanlagenhersteller liegt das Unternehmen Sinovel mit einem Marktanteil von neun Prozent.

Platz 3

Auch der dritte Platz ist in chinesischer Hand. Goldwind kommt auf einen Marktanteil von 8,7 Prozent.

Platz 4

Auf dem vierten Platz findet sich das spanische Unternehmen Gamesa wieder, mit einem Marktanteil von acht Prozent. Der spanische Markt für Windkraft ist nach Deutschland der zweitgrößte in Europa.

Platz 5

Erst auf dem fünften Platz ist eine deutsche Firma: Enercon. Das Familienunternehmen aus Aurich hat einen Anteil am Weltmarkt von 7,8 Prozent.

Platz 6

Den sechsten Platz belegen die US-Amerikaner GE Energy mit 7,7 Prozent Marktanteil.

Platz 7

Suzlon aus Indien belegt mit einem Marktanteil von 7,6 Prozent den siebten Platz weltweit. Der Windkraftanlagenbauer steckt jedoch bereits seit einiger Zeit in den roten Zahlen.

Platz 8

Auf dem achten Platz findet sich wieder ein chinesischer Anlagenbauer: Guodian United Power hat einen Anteil am Weltmarkt von 7,4 Prozent.

Platz 9

Auf Platz neun findet sich wieder ein deutsches Unternehmen. Siemens hat einen weltweiten Marktanteil von 6,3 Prozent - und damit nicht einmal die Hälfte des Anteils von Marktführer Vestas.

Platz 10

Platz 10 der größten Windkraftanlagenhersteller weltweit belegt das Unternehmen Mingyang mit einem Marktanteil von 3,6 Prozent.

Von dem Windanlagen-Boom profitierte auch Nordex. Das Unternehmen installierte in dem Land im vergangenen Jahr fast 50 Prozent mehr Anlagen als 2011. Dagegen verzeichnete Nordex in Asien einen Rückgang von 60 Prozent. In Europa gingen die Neuinstallationen des Unternehmens um fast 7 Prozent zurück. Insgesamt errichtete Nordex 394 Windräder und damit knapp 6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Kommentare (1)

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HofmannM

25.03.2013, 12:47 Uhr

Soso...bei Nordex sollen die Roten Zahlen (Verluste) der Vergangenheit angehören.
Na da bin ich mal gespannt, wie das funktionieren soll!?
EON,RWE...die großen erfahrenen Energieerzeuger/Betreiber steigen Schritt für Schritt aus dem Windmühlengeschäft aus (weil unwirtschaftliche Kostenverschwendung) und mittelständische Unternehmen bzw. Versicherungen sollen diese Investorenlücke dann schließen. Diese Unternehmen bzw. Versicherungen haben keine AHUNUNG von der Stromgewinnung und Verteilung! Aber das scheint ja keinen zu stören! Hauptsache das Märchen an einer wirtschaftlichen Energieerzeugung und Verteilung durch die Windmühlen, Solarmodule und Biovergaser wird festgehalten!

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