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21.03.2016

16:53 Uhr

Windenergie

Aufblasen oder Sterben

VonFranz Hubik

In der Windenergiebranche beginnt das große Fressen: Nordex fusioniert mit Acciona, Siemens greift nach Gamesa und Senvion drängt an die Börse. Im Überlebenskampf der Turbinenbauer zählt Größe. Wer zu klein ist, stirbt.

Auf dem Markt für Windturbinen herrscht ein knallharter Kampf ums Überleben. dpa

Windkraftanlage

Auf dem Markt für Windturbinen herrscht ein knallharter Kampf ums Überleben.

FrankfurtLars Bondo Krogsgaard hat gesucht und gesucht. Der Däne hat inständig gehofft, dass es nicht so weit kommen würde. Am Ende stand für den Chef des Windturbinenherstellers Nordex mit der markanten Nickelbrille aber die bittere Erkenntnis: So wie bisher geht es nicht weiter. Eine langfristig robuste Nische, in der Nordex überleben kann, gibt es einfach nicht. Die Strategie der letzten Jahre, sich auf kleine und mittelgroße Kunden zu fokussieren, ist überholt. Ohne Kurskorrektur droht der Untergang.

„Ich sehe keinen Platz mehr für einen kleinen Spieler“, resümierte Krogsgaard mit seinen Vorstandkollegen bereits vor mehr als einem Jahr. Anstatt im immer härteren Wettbewerb mit Weltkonzerne wie Siemens und General Electric (GE) oder den Branchenriesen Vestas und Enercon zerrieben zu werden, schaltete Nordex selbst in den Angriffsmodus. Und kündigte im Oktober 2015 die Übernahme der Windsparte des spanischen Mischkonzerns Acciona an – für 785 Millionen Euro.

Nordex: Turbinenbauer wird bei eigenen Zielen vorsichtiger

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Turbinenbauer wird bei eigenen Zielen vorsichtiger

Nach einem kräftigen Umsatzsprung setzt sich der Windkraft-Anlagenbauer Nordex für 2016 vorsichtigere Ziele. Der Vorstand rechnet nur noch mit einem Zuwachs im einstelligen Prozentbereich aus eigener Kraft.

Jetzt meldet Krogsgaard den Vollzug des größten Deals in der Firmengeschichte. Die Kartellbehörden haben keine Einwände vorgebracht. Anfang April ist die Transaktion damit auch juristisch und handelsrechtlich durch. Die Windenergiebranche hat einen neuen Giganten: Im Gespann mit Acciona peilt Nordex dieses Jahr einen Umsatz von mehr als 3,4 Milliarden Euro an. Mittelfristig will das Unternehmen zu einem der fünf größten Turbinenhersteller weltweit für Windkraft an Land aufzusteigen.

Der Zusammenschluss ist nur das jüngste Beispiel für die fortschreitende Konsolidierung in der Windenergieindustrie. Anfang des Jahres schluckte Vestas bereits den Wartungsspezialisten Availon, Siemens will sich alsbald den Konkurrenten Gamesa einverleiben, und chinesische Hersteller wie Goldwind suchen in Europa aktiv nach Übernahmekandidaten.

Es gibt zu viele Akteure im Markt, kleinen Herstellern droht das Aus. Der Wettbewerb wird immer härter. Und im Kampf ums Überleben wird Größe zur alles entscheidenden Dimension.

Offshore: Projekte in Megadimensionen

Gewicht

Das Gesamtgewicht einer Anlage kann laut der Stiftung Offshore Windenergie schnell 1000 Tonnen übersteigen. Dabei stehen die Anlagen auf bis zu 900 Tonnen schweren Fundamenten. Allein die Gondel (Maschinenhaus) könne zwischen 300 und 400 Tonnen wiegen.

Gigantische Maße

Allein die im Testfeld Alpha Ventus installierten 5-Megawatt-Anlagen haben einen Rotordurchmesser von bis zu 125 Metern und eine Gesamthöhe von mehr als 170 Metern über dem Meeresgrund. Neuere Anlagen der Leistungsklasse von 6 Megawatt erreichen laut Stiftung Offshore Windenergie Rotordurchmesser um die 150 Meter.

Kosten

Der Bau eines Windparks auf hoher See ist um einiges komplexer als der einer Anlage auf dem Land. Doch binnen sechs Jahren konnte die Branche ihre Kosten halbieren. Beim neuen Offshore-Windpark „Borssele“ in den Niederlanden liegen die Gesamtkosten pro Megawattstunde bei 87 Euro.

„Die meisten Windturbinenhersteller haben zuletzt eine gute Profitabilität erreicht, indem sie sich konsequent auf ihre Kernstärken fokussiert haben“, sagte Wolfgang Krenz dem Handelsblatt. „Aber das ist ein endliches Spiel und reicht nicht aus, um das mittelfristig notwendige Wachstum zu erzeugen“, stellt der Windenergieexperte der Unternehmensberatung Oliver Wyman klar. Denn das Geschäft mit der Erzeugung von grüner Energie ist längst kein Selbstläufer mehr.

Zwar wurden weltweit noch nie so viele Windräder an Land oder auf hoher See errichtet wie im vergangenen Jahr. Nach Berechnungen des Analysehauses FTI Intelligence gingen Windenergieanlagen mit einer Leistung von fast 60 Gigawatt neu an Netz, was in etwa der Leistung von 60 Kernkraftwerken entspricht. Doch der Boom der Windkraft dürfte in den nächsten Jahren deutlich abflauen.

Kommentare (3)

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Rainer von Horn

21.03.2016, 17:14 Uhr

Zitat:
"Ab 2017 ändern etwa viele Länder in der EU wie Deutschland ihr Subventionsregime. Statt bisher staatlich garantierter Vergütungen müssen sich Windparkbetreiber dann im Wettbewerb untereinander um die Höhe der Förderungen streiten. "

na, da bin ich aber mal gespannt, was passiert, wenn die Betreiber von Zufallsanlagen ihre KWh an einem echten Markt verkaufen müssten, Das wäre ihr Ende.

Zudem:
Seit dem Jahre 2009 sind in Deutschland die CO2-Emissionen nicht mehr gesunken. Und das trotz massivsten Ausbaus der Erneeurbaren insbesondere der Windkraft.

http://www.umweltbundesamt.de/daten/klimawandel/treibhausgas-emissionen-in-deutschland

Wem nutzt´s?

Herr Vinci Queri

21.03.2016, 17:36 Uhr

 
Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Marcel Europaeer

21.03.2016, 18:00 Uhr

"Seit dem Jahre 2009 sind in Deutschland die CO2-Emissionen nicht mehr gesunken. Und das trotz massivsten Ausbaus der Erneeurbaren insbesondere der Windkraft."

Wenn keine Kohlekraftwerke abgeschaltet werden und der Autoverkehr nicht auf Elektromobilität umgestellt wird, können Sie soviel Strom aus Erneuerbaren Energien produzieren, wie Sie wollen. Der CO2-Ausstoß wird dadurch nicht gesenkt.

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