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10.05.2016

16:51 Uhr

Windenergie

Aufpusten um jeden Preis

VonFranz Hubik

Im Überlebenskampf der Windkraftkonzerne wird Größe zum alles entscheidenden Faktor. Doch in ihrem Übernahmeeifer sparen die Turbinenbauer bei Innovationen. Ein Fehler, der bereits die Solarbranche in den Abgrund führte.

Der Wettbewerb der Windkraftkonzerne wird immer härter. dpa

Windenergieanlagen

Der Wettbewerb der Windkraftkonzerne wird immer härter.

DüsseldorfVolle Auftragsbücher, sattes Umsatzplus und ein Gewinnsprung: Nordex-Chef Lars Bondo Krogsgaard hatte seinen Aktionären viel Gutes zu berichten. Das abgelaufene Geschäftsjahr war das erfolgsreichste in der Geschichte von Deutschlands drittgrößtem Hersteller von Windturbinen. Und auch 2016 fängt gut an. Im ersten Quartal kletterten die Erlöse des Hamburger Konzerns im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel – auf 637 Millionen Euro. Dennoch schwor Krogsgaard die Nordex-Anleger auf rauere Zeiten ein.

„Der Wettbewerbsdruck in der Windenergiebranche wird noch intensiver“, mahnte der Däne mit akzentfreiem Deutsch bei der Hauptversammlung am Dienstag in Rostock. Das werde auch Nordex zu spüren bekommen. Denn die Industrie kämpfe mit „signifikanten Überkapazitäten“. Es gebe „klare Konsolidierungstendenzen“ in der Branche, erklärte Krogsgaard. Und anders als früher seien es nicht mehr nur die kleinen Akteure, die untereinander fusionieren und den Preiskampf verschärfen, sondern die wirklich Großen des Geschäfts.

„Der Windbranche steht eine Konsolidierungswelle einer neuen Qualität bevor“, urteilt die Unternehmensberatung Oliver Wyman in einer Marktanalyse, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Demnach müssen selbst die führenden Hersteller von Windturbinen, der wichtigsten Komponente von Windrädern, rasch handeln, um im Wettbewerb nicht zerrieben zu werden. Und die Riesen reagieren – das große Fressen beginnt.

In München feilt Siemens-Chef Joe Kaeser seit Wochen an einer Übernahme des spanischen Konkurrenten Gamesa. Klappt der Deal wäre Siemens mit einem Schlag die neue Nummer eins im Windturbinengeschäft. Aber die Konkurrenz wehrt sich erbittert gegen die Attacke des Dax-Schwergewichts. Erzrivale General Electric (GE) bekundete erst vergangene Woche reges Interesse am französisch-spanischen Windkraftkonzern Adwen. Und die dänische Vestas, seit Jahren Branchenprimus bei Umsatz und Marge, rüstete bereits Anfang des Jahres auf – mit dem Zukauf des Wartungsspezialisten Availon.

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Es gibt zu viele Akteure im Windmarkt. Der Wettbewerb wird immer härter. „Im Kampf ums Überleben wird Größe mitentscheidend“, sagt Wolfgang Krenz. Der Energieexperte von Oliver Wyman erwartet einen  Ausleseprozess in der Branche. Obwohl der Markt für Windturbinen allein in den vergangenen beiden Jahren um mehr als 30 Prozent gewachsen ist, könne sich kein Turbinenhersteller ein „Durchatmen“ leisten, so Krenz. Denn das Geschäft mit Ökostromanlagen ist längst kein Selbstläufer mehr.

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