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10.11.2016

12:29 Uhr

Windenergie

Nordex kämpft mit Gegenwind

VonFranz Hubik

Projektverzögerungen, Margendruck, angepasste Prognose: Obwohl die Geschäfte beim Windturbinenbauer Nordex noch gut laufen, zweifeln Anleger und Experten zunehmend an den Mittelfristzielen. Das liegt auch an Donald Trump.

Der Hamburger Windkraftkonzern verliert an Rückenwind. dpa

Rotorblatt von Nordex

Der Hamburger Windkraftkonzern verliert an Rückenwind.

DüsseldorfAus der Sicht von Nordex-Chef Lars Bondo Krogsgaard läuft alles „wie geplant“. Der Umsatz steigt, der Gewinn explodiert und die Jahresziele des Hamburger Windkraftkonzerns seien noch „gut erreichbar“, sagte der gebürtige Däne am Donnerstag bei der Vorlage der Quartalszahlen. Doch die Anleger von Deutschlands drittgrößtem Hersteller von Windturbinen, der wichtigsten Komponente von Windenergieanlagen, sind weit weniger optimistisch als Krogsgaard.

Die Nordex-Aktie brach am Donnerstag um teils neun Prozent ein. Seit Jahresbeginn sackte der Kurs gar um mehr als 40 Prozent ab. Wurde Nordex Ende 2015 noch mit mehr 2,6 Milliarden Euro an der Börse bewertet, sind es aktuell nicht einmal 1,9 Milliarden Euro. Der Grund: Nordex passte seine Umsatz- und Ergebnis-Prognose an das untere Ende der angepeilten Bandbreite an.

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Statt einer Umsatzrendite (Ebitda-Marge) von bis zu 8,7 Prozent hält Krogsgaard für 2016 nur mehr eine Marge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von zumindest 8,3 Prozent für realistisch. Gleichzeitig dürfte der Umsatz im Gesamtjahr nicht viel höher als 3,35 Milliarden Euro ausfallen, da sich einzelne Projekte verzögert hätten. Der damit verbundene spätere Baubeginn der Windräder führe zu einer „Verschiebung in der Umsatzrealisierung“. Was Anleger und Branchenkennern aber noch mehr beunruhigt, ist die Frage, ob Nordex tatsächlich in der Lage sein wird, seine mittelfristigen Ziele zu erreichen.

„Nordex hat mit Deutschland, Indien und den USA drei Märkte ausgemacht, in denen der Konzern besonders stark wachsen möchte. Doch ich bin skeptisch, ob es Nordex wirklich gelingt, etwa im deutschen Markt weiter zu wachsen“, sagte Sven Diermeier dem Handelsblatt. Der Analyst von Independent Research verweist darauf, dass sich die politischen Rahmenbedingungen für Windenergie hierzulande tendenziell verschlechtern.

Statt staatlich garantierter Vergütungen müssen sich Windparkbetreiber ab 2018 im Wettbewerb untereinander um die Höhe der Förderungen streiten. Derjenige, der sich mit dem wenigsten Geld begnügt, bekommt den Zuschlag. Durch dieses Ausschreibungsmodell und einen insgesamt verstärkten Wettbewerbsdruck erwartet Diermeier, dass der deutsche Markt, in dem Nordex den Großteil seines Umsatzes erwirtschaftet, spätestens ab 2018 schrumpfen wird.

„Die Mittelfristziele von Nordex, bis 2018 den Umsatz auf 4,2 Milliarden zu steigern, sind sehr ambitioniert“, erklärte Diermeier. Zudem sieht der Analyst in der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten insgesamt ein erhöhtes Risiko für alle Unternehmen, die Solar- und Windkrafttechnik herstellen. Schließlich sind die USA nach China der zweitgrößte Markt für Erneuerbare Energien weltweit.

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