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01.08.2016

10:24 Uhr

Zehn Jahre Arcelor-Mittal

Der Stahl-Gigant glänzt nicht mehr

Vor zehn Jahren krönte sich der gebürtige Inder Lakshmi Mittal endgültig zum „König des Stahls“. Seitdem ist Arcelor-Mittal der mit Abstand größte Stahlhersteller der Welt. Doch Mittals Königreich glänzt nicht mehr.

Im Warmwalzwerk von ArcelorMittal wird eine glühende Stahlrolle abgewickelt. dpa

ArcelorMittal

Im Warmwalzwerk von ArcelorMittal wird eine glühende Stahlrolle abgewickelt.

LuxemburgEs war Lakshmi Mittals Krönung. Fünf Monate lang tobte eine erbitterte Übernahmeschlacht, bis sein Unternehmen Mittal Steel den luxemburgischen Stahlkocher Arcelor für rund 26 Milliarden Euro übernehmen konnte. Es entstand der bis heute mit Abstand weltgrößte Stahlhersteller.

Die Hoffnungen waren groß: Arcelor-Mittal sollte „die Zukunft der Stahlindustrie prägen“. Das ist jetzt zehn Jahr her. Seit dem 1. August 2006 kann Mittal den Koloss aus Luxemburg sein Eigen nennen. Doch die Stahl-Welt hat sich inzwischen fundamental verändert - gelohnt hat sich das Geschäft kaum.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Zunächst freilich glänzte der neue Stahlriese. Im ersten vollen Geschäftsjahr nach der größten Unternehmensfusion der Stahlbranche legte Arcelor-Mittal für 2007 Rekordzahlen vor: Einen Überschuss von 10,4 Milliarden US-Dollar, gut 105 Milliarden Dollar Umsatz, 110 Millionen Tonnen Stahl und 320.000 Beschäftigte.

Es waren goldene Zeiten für die Stahlindustrie. Die Weltwirtschaft war im Wachstumsmodus: In Südeuropa boomte die Baubranche und China versprach noch großartige Zuwächse. Die Stahlnachfrage übertraf das Angebot. Wer viel produzierte, verdiente auch viel.

Sein Reich hat sich der Sohn eines kleinen indischen Stahlindustriellen durch Übernahmen von Stahlwerken in aller Welt zusammengekauft – finanziert vor allem durch Schulden. „Ich kaufe Unternehmen, fusioniere, konsolidiere sie, reduziere ihre Kosten, mache sie sehr effizient“, beschrieb der Milliardär einst sein Geschäftsmodell. Sein Meisterwerk sollte schließlich die Übernahme von Arcelor sein – einem Konzern der erst wenige Jahre zuvor aus dem Zusammenschluss dreier europäischer Stahlunternehmen entstanden war.

Doch dann kamen die Finanz-, Wirtschafts- und Schuldenkrise. Bis heute hat sich die Stahlbranche davon nicht erholt. „Allein in Europa liegt die Rohstahlerzeugung immer noch 20 bis 25 Prozent unter dem, was man vor der Krise als Normalwert hatte“, sagt Stahlexperte Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Die Preise stehen unter Druck. Im vergangenen Jahr verschärfte sich die Situation weiter, als auch noch China begann, seine Überproduktion auf zu Billig-Preisen auf den Weltmarkt zu werfen.

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