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27.02.2013

16:57 Uhr

Zeitungsbericht

EnBW wollte Atommüll nach Russland schaffen

Der Stromkonzern EnBW soll geplant haben, seinen Atommüll in Russland zu entsorgen. Laut einem Zeitungsbericht geht dies aus vertraulichen Papieren hervor. Spekuliert wurde darüber schon länger.

Geschäfte mit Russland macht die EnBW schon lange. dpa

Geschäfte mit Russland macht die EnBW schon lange.

München/KarlsruheDer Karlsruher Energiekonzern EnBW hatte nach einem Zeitungsbericht konkrete Pläne, Atommüll nach Russland zu schaffen. Aus vertraulichen Papieren des Konzerns gehe hervor, dass dieser über Jahre geplant habe, Brennelemente und AKW-Teile dort zu entsorgen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ am Mittwoch. Dass die Entsorgung von Bauteilen des 2005 stillgelegten Meilers Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) ins Auge gefasst wurde, hatte die EnBW schon vor Jahren bestätigt. Nach Informationen der Zeitung hoffte der drittgrößte deutsche Stromkonzern aber auch auf ein Endlager dort.

Die EnBW bestätigte am Mittwoch lediglich, dass beim Rückbau von Obrigheim „auch mögliche Optionen im Ausland geprüft und wirtschaftlich, juristisch und technisch bewertet“ worden seien. Die Überlegungen seien jedoch nie umgesetzt worden, es wurden keine radioaktiven Abfälle nach Russland gebracht. Zu einem möglichen Endlager dort äußerte sich der Sprecher nicht: „Im Rahmen der aktuellen Rückbauplanung spielen solche Überlegungen keine Rolle.“

Der Zeitung zitiert aus einer Präsentation für den Vorstand im Jahr 2006. Demzufolge sollte der Rückbau „optimiert werden, durch langfristige Zwischenlagerung von radioaktiven Abfällen und Endlagerung in einem international zugänglichen Lager (Option).“ Damit hätten langwierige deutsche Genehmigungsverfahren vermieden werden sollen. In dem Papier sei auch von der „Nutzbarmachung für weitere Rückbauprojekte“ die Rede gewesen.

Umweltschützer warnen seit langem vor Atomexporten nach Russland. Die Bundesregierung warnen sie davor, das Atomgesetz dahingehend aufzuweichen.

Geschäfte mit Russland macht die EnBW schon lange: So setzte sie über Jahre Uran aus russischen Militärbeständen für die Brennelemente in ihren Meilern ein. 2010 hatte das Unternehmen mitgeteilt, das Vorhaben, Obrigheim-Bauteile in einem speziellen Ofen in Russland einzuschmelzen, sei ad acta gelegt.

Für Schlagzeilen sorgten die undurchsichtigen Geschäfte mit dem Russen Bykov, der Uran für die EnBW-Atomkraftwerke geliefert hatte. Im Rechtsstreit mit ihm geht es auch darum, ob das Unternehmen ihn für Scheingeschäfte und Lobbyarbeit in Russland bezahlt hat, um an lukrative Gasgeschäfte zu kommen, wie jener behauptet.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Thomas-Melber-Stuttgart

27.02.2013, 18:26 Uhr

Ja, und? Die Russen entsorgen ja schließlich auch ihren Nuklearabfall, und ggf. kann man dies vor Ort auch nachprüfen.

Account gelöscht!

28.02.2013, 17:22 Uhr

Exportverbot für radioaktive Abfälle gehört ins Grundgesetz

Die Verlockung ist zu groß, denn die Entsorgung kostet viel Geld. Auch um die Entscheider in Aktiengesellschaften gegenüber den Aktionären zu entlasten, braucht es eine eindeutige Festlegung in der Sache der Endlagerung radioaktiver Abfälle.

Die eindeutigste Regelung wäre ein klares Verbot des Exports radioaktiver Abfälle im Grundgesetz.

Siehe auch http://endlagerdialog.de/2013/01/exportverbot-fuer-radioaktive-abfaelle-gehoert-ins-grundgesetz/

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