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07.03.2013

08:21 Uhr

Zitterpartie für Anleger

Die Windgeschäfte des Willi Balz

VonDana Heide, Sebastian Ertinger

Durchsuchungen bei Windreich werfen ein zweifelhaftes Licht auf den Projektentwickler für Windparks. Ein Anlagesegment gerät damit in Misskredit – denn die Firma hat sich über Mittelstandsanleihen mit Geld versorgt.

Offshore-Windräder in der Nordsee: Windreich ist der wichtigste Projektentwickler in dem Bereich. dpa

Offshore-Windräder in der Nordsee: Windreich ist der wichtigste Projektentwickler in dem Bereich.

Düsseldorf35 Einsatzkräfte des Landeskriminalamtes durchsuchten am Dienstag die privaten Wohnungen und Geschäftsräume von Windreich. Das Unternehmen ist als Projektentwickler verantwortlich für den Aufbau von Offshore-Windparks in Deutschland. Der Verdacht der Staatsanwaltschaft Stuttgart: Bilanzmanipulation.

Es ist kein kleiner Fisch, den die Staatsanwälte da an der Angel haben: Laut dem Marktforscher Wind Research ist Windreich mit 35 Prozent der gesicherten Flächen für Offshore-Windparks Marktführer in der deutschen Nordsee. Nach Unternehmensangaben verfügt der Projektentwickler zudem „als einziger Marktteilnehmer“ über planmäßig verlaufende Offshore-Windparkprojekte mit einer Kapazität von über 1000 Megawatt. Das Unternehmen kündigte an, „vollumfänglich“ mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren. „Die Anschuldigungen werden sich als haltlos erweisen“ hieß es in einer Presseerklärung. „Ich fühle mich als Opfer“ sagte Windreich-Vorstandschef Willi Balz dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe), „die Verlierer der Energiewende gönnen mir den Erfolg nicht“.

Laut Informationen des Handelsblatts ermittelt die Staatsanwaltschaft nicht nur gegen Vorstandschef Willi Balz sondern auch gegen Technikvorstand Heiko Roß, Anil Srivastava, als Vorstandsmitglied zuständig für Internationales und Projektfinanzierung, sowie den im Mai abgetretenen Finanzvorstand Matthias Hassels und den im Juli ausgeschiedenen ehemalige stellvertretende Vorstandschef Walter Döring.

In der Branche zeigte man sich laut Medienberichten seit langem erstaunt darüber, dass Windreich die Finanzierung der Riesen-Offshore-Projekte trotz zahlreicher Unsicherheiten wie fehlender Netzanbindungen stets stemmen konnte. Große Konzerne wie der Energieversorger EnBW lassen hingegen ihre Windparkprojekte auf dem Meer wegen der zahlreichen Unsicherheiten oft ruhen.

Erst am Montag war Windreich in die Schlagzeilen geraten, weil das Unternehmen seinen Anleihezeichnern die Zinsen nicht pünktlich gezahlt hatte. Zudem setzte die Stuttgarter Börse den Handel der Windreich-Anleihen im Mittelstands-Segment BondM aus Anlegerschutzgründen vorübergehend aus. Laut „Börsen-Zeitung“ war der Grund, dass das Unternehmen seiner Pflicht, ein aktuelles Rating zu veröffentlichen, nicht nachgekommen war.

Die säumigen Zinsen hat Windreich inzwischen zwar bezahlt. Aus dem BondM-Segment der Börse Stuttgart hat sich das Unternehmen jedoch zurückgezogen, angeblich um damit Kosten in Höhe von 500.000 Euro zu sparen. „Dass Windreich angibt, durch das Downgrade in den Freiverkehr 500.000 Euro zu sparen, ist schwer vermittelbar“, sagt Peter Thilo Hasler, Kapitalmarktexperte von Blättchen & Partner, zu Handelsblatt Online. „Die Kosten für die Börse, den BondM-Coach und die Ratingagentur liegen weit unter 100.000 Euro“.

Mittelstandsanleihen: Windreich schreckt Anleger auf

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Windreich schreckt Anleger auf

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Windreich. Der Verdacht: Bilanzmanipulation. Die Kurse der Anleihen stürzen ab. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den noch jungen Markt für Mittelstandsanleihen.

Wie auch immer, nun muss Windreich kein neues Rating mehr veröffentlichen. Der Windkraft-Projektierer schiebt hohe Schulden vor sich her. Das Unternehmen hatte zuletzt bei einem Eigenkapital von rund 152 Millionen Euro Anleiheverbindlichkeiten von rund 131 Millionen Euro und zusätzlich noch Fremdkapitalverbindlichkeiten von rund 114 Millionen Euro in den Büchern. Mit den Anleihen liegt es bei einem Verschuldungsgrad von weit über 100 Prozent. Zudem schreibt Windreich tiefrote Zahlen.

Kommentare (16)

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MAFIA

06.03.2013, 18:00 Uhr

[...]

Würde man es sportlich sehen, würde man diesen Menschen die Lizenz entziehen und die Strafen drakonisch erhöhen, wie bei Maddoff 150 Jahre. Bei uns ist der schon nach 4 Jahren wieder draußen und kann weitermachen wo er aufgehört hat.

Wieviele Maddoffs kommen den noch, bis endlich mal etwas wie Straferhöung, Beweislastumkehr, Enteignung passiert?

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

06.03.2013, 18:23 Uhr

Irgendwie habe ich den Eindruck als könnte langsam das große Aufräumen beginnen.

Poseidon

06.03.2013, 18:40 Uhr

Wartet doch erst mal ab was rauskommt...

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