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27.05.2013

16:20 Uhr

Zollstreit mit China

Schadet dieser Mann Europa?

VonDana Heide

Es klingt wie im Krimi: 25 Mittelständler provozieren einen europäischen Handelskrieg mit China. Dabei könnten die Zölle, die gegen chinesische Solarmodule verhängt werden sollen, sogar ihnen selbst schaden.

Halt Zoll! Deutsche Ökonomen kritisieren das Vorgehen der EU-Kommission. dpa

Halt Zoll! Deutsche Ökonomen kritisieren das Vorgehen der EU-Kommission.

Düsseldorf/Berlin Die Geschichte erinnert ein bisschen an David gegen Goliath, nur weiß man nicht genau, wer dabei der Böse ist: Die mittelständische Firma Solarworld aus Bonn, mit rund 600 Millionen Euro Jahresumsatz, setzt sich gegen eine Milliarden-Industrie durch und zieht dabei den Zorn der neun Billionen schweren chinesischen Volkswirtschaft auf sich. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ab dem 6. Juni chinesische Solarmodule in der EU mit Strafzöllen belegt werden. Es wäre ein Erfolg für die Initiative EU Pro-Sun, zu der sich 25 europäische Solarunternehmen unter der Führung von Solarworld zusammengeschlossen haben.

Wie schwer die Entscheidung der Europäischen Kommission zu Strafzöllen jedoch auf den Beziehungen zu China lastet, zeigt sich in diesen Tagen beim Besuch von Chinas Ministerpräsidenten Li Keqiang bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Dabei waren die Handelsschranken Thema. Merkel bemühte sich um Schlichtung und versicherte Li, dass sie nichts von dauerhaften Strafzöllen halte.

Auch deutsche Ökonomen kritisieren das Vorgehen der EU-Kommission. „In Zeiten der Globalisierung sind Strafzölle ein Anachronismus“, sagte Manuel Frondel, Leiter des Kompetenzbereichs „Umwelt und Ressourcen“ am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). „Ein Strafzoll auf chinesische Solarmodule wird Wettbewerbsbeschränkungen auf chinesischer Seite nach sich ziehen“, fürchtet er.

Bereits an anderer Stelle wurde vor Vergeltungsmaßnahmen von chinesischer Seite gewarnt.

Die größten Solarmodulhersteller der Welt

Platz 9: Hanwha Solar One und REC (Norwegen und Korea)

Das Research-Team des Handelsblatts hat aus Daten von Bloomberg, des Marktforschers IHS und Unternehmensangaben die aktuell zehn größten Solarmodul-Hersteller der Welt ermittelt. Die Liste dürfte vor allem für die Deutschen ernüchternd sein.

Den zehnten Platz teilen sich das koreanische Unternehmen Hanwha Solar und das norwegische Unternehmen REC. Beide verkauften 2012 jeweils Solarmodule mit einem Erzeugungspotenzial von 750 Megawatt.

Platz 8: Sun Power (USA)

Das 1985 im US-amerikanischen Silicon Valley gegründete Unternehmen Sun Power machte im vergangenen Jahr rund 1,9 Milliarden Euro Umsatz und verkaufte Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 850 Megawatt.

Platz 7: Jinko Solar (China)

Auf dem siebten Platz befindet sich das chinesische Unternehmen Jinko Solar. Es setzte 2012 mit Auslieferungen von Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität in Höhe von 900 Megawatt insgesamt 591 Millionen Euro um.

Platz 6: Sharp (Japan)

Zu den großen Gewinnern beim Ranking 2012 gehört Sharp. Das Unternehmen lieferte im vergangen Jahr Solarmodule mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1050 Megawatt aus. 2011 waren es noch 725 MW, was Sharp damals den 16. Platz in der Weltrangliste brachte.

Platz 5: Suntech (China)

Der chinesische Konzern Suntech stürzte mit verkauften Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität von geschätzt 1390 Megawatt vom ersten Platz im Jahr 2011 auf den fünften Platz ab. Im April musste das Unternehmen seine Zahlungsunfähigkeit mitteilen und ist nun offenbar auf der Suche nach einem strategischen Investor.

Platz 4: Canadian Solar (Kanada)

Das Unternehmen Canadian Solar wurde erst im Jahr 2001 im kanadischen Ontario gegründet. Nun befindet es sich bereits auf dem vierten Platz der Weltrangliste. Im Jahr 2012 verkaufte es Solarmodulen mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1550 Megawatt.

Platz 3: Trina Solar (China)

Das chinesische Unternehmen Trina Solar schaffte einen großen Sprung vom fünften Platz 2011 auf den dritten Platz 2012. Im vergangenen Jahr lieferte das Unternehmen Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 1600 Megawatt aus.

Platz 2: First Solar (USA)

Der US-Konzern First Solar belegt unverändert den zweiten Platz in der Weltrangliste der größten Solarmodulhersteller. 2012 lieferte es Produkte mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1800 Megawatt aus.

Platz 1: Yingli Solar (China)

Absolute Weltspitze ist das chinesische Unternehmen Yingli Solar. Der Konzern arbeitete sich von Platz 4 in 2011 hoch mit Auslieferungen von Solarmodulen von 2300 Megawatt im vergangenen Jahr.

Doch damit nicht genug: Auch diejenigen, die die Geister riefen, könnten sie möglicherweise nicht mehr loswerden. „Wenn die Strafzölle umgesetzt werden, werden die Preise für Photovoltaik-Anlagen stark steigen und die Nachfrage extrem einbrechen“, vermutet RWI-Experte Frondel. „Darunter würden dann auch die Umsätze der deutschen Solarunternehmen leiden“, sagt er.

Das bestätigt auch eine vom Forschungsinstitut Prognos bereits im Februar vorgestellte Studie. Demnach würden Strafzölle höhere Preise für Solar-Panels nach sich ziehen. Daraufhin würde die Nachfrage einbrechen und damit weniger Solarmodule installiert und gewartet werden. Zwar hätten europäische Solarhersteller Vorteile von den Strafzöllen. Die dadurch entstehenden Arbeitsplätze entsprächen aber gerade einem Fünftel der an anderer Stelle verlorenen Jobs, heißt es in der Studie. Je nach Höhe der Strafzölle könnten innerhalb von drei Jahren allein in Deutschland bis zu 84.700 Jobs wegfallen. Deutschland wäre damit in Europa am stärksten betroffen.

Kommentare (13)

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OldFox

27.05.2013, 16:42 Uhr

Also: die meisten Mittelständler haben nix von China.
Mein Betrieb stellt Folien für die Elektronikindustrie her.
Kleine Lieferungen passieren den Zoll - größere werden unter fadenscheinigen Gründen über Wochen hinweg geblockt, trotz perfekter Dokumentation. Niemand konnte oder wollte mir in Shanghai helfen. Nach 4 Wochen dann hatte ich einen
ltd. Zollbeamten, der fließend Englisch sprach, am Telefon.
Sehr freundlich sicherte er mir sein persönliches Eingreifen zu und sicherte mir zu, dass die Sendung am nächsten Tag bei unserem Kunden sei. Dann fügte er hinzu: 'Warum vermeiden Sie solche Probleme eigentlich nicht und produzieren hier ?'...... So funktioniert China.
Es profitieren in erster Linie die vor Ort produzierenden dtsch Großunternehmen. Ich kann Ihnen auf Anhieb ganze Branchen nennen, die von den Chinesen flach gemacht wurden.
Und ich meine nicht Low Tech. PS: Strom kostet in China 3 ct/Kwh - nur mal so....

Scharfrichter

27.05.2013, 16:48 Uhr

In einem globalisierten Markt sind auch "globalisierte" Löhne ( = Dumpinglöhne) nur eine Frage der Zeit. Folglich bringt der Globalisierungsfetisch nur wenigen einen Nutzen, aber sehr vielen einen großen Schaden. Trotteln wie jenem den menschlichen Erhaltungstrieb als Anachronismus abstempelt, gehört folglich das Maul gestopft. Diese Hohlköpfe stammen selbst aus dem wettbewerbsfreien Geschützten Bereich der Institute und Beamtenschaft mit de facto unkündbaren Dienstverhältnissen und garantierten Gehaltsvorrückungen auf Kosten der Steuerzahler. --- Das Maul stopfen sagte ich.

Michel

27.05.2013, 17:03 Uhr

Liebes Handelsblatt-Team,

bitte richtig recherchieren und nicht nur das schreiben, was jeder schreibt. Die chinesischen Hersteller sind massiv durch den chinesichen Staat unterstützt worden und konnten nur dadurch mit den niedrigen Preisen so "erfolgreich" am Markt agieren. Der Kunde ist auf die ach-so billigen Module aus China angesprungen und genau dadurch sind die Anlagenpreise - auch in Deutschland - so stark gefallen. Und nur deshalb wurden auch die Einspeisevergütungen des EEG viel schneller und viel stärker gekürzt, als eigentlich geplant.
Jetzt gibt es Strafzölle und das ist gut so. Die Anlagenpreise werden dadurch nicht steigen. Im aktuell interessanten Markt der Anlagen bis 10kW fallen so geringe Preisunterschiede kaum ins Gewicht.

Alles klar?

Michel von Lönneberga

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