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10.01.2013

15:08 Uhr

Energiemarkt

Deutscher Stromverbrauch sinkt erneut

Die Deutschen haben weniger Strom als im Vorjahr verbraucht und schaffen damit etwas, was nur wenige Industrieländer erreichen: Eine Entkopplung von Wachstum und Stromverbrauch. Davon profitieren auch die EU-Nachbarn.

Klassische Glühlampen finden sich offenbar immer seltener in deutschen Wohnzimmern. Der bundesweite Stromverbrauch ist erneut gesunken. dpa

Klassische Glühlampen finden sich offenbar immer seltener in deutschen Wohnzimmern. Der bundesweite Stromverbrauch ist erneut gesunken.

BerlinDer deutsche Stromverbrauch ist im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge gesunken. Zugleich schnellte der Export im ersten Jahr nach dem Ausstieg aus der Atomenergie auf ein Rekordhoch. In Deutschland wurden 2012 rund 1,4 Prozent weniger Elektrizität verbraucht, wie der Bundesverband der Energiewirtschaft (BDEW) am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Als Grund nannte Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller unter anderem das schwächere Wirtschaftswachstum im Vergleich zu 2011. Dennoch ist Deutschland damit eines der wenigen Industrieländer, denen es offenbar gelingt, Wachstum und Stromverbrauch zu entkoppeln. Auch 2011 ging die Stromnutzung bereits trotz einer kräftigen Steigerung des Bruttoinlandsprodukts zurück. Dies wurde auch auf eine höhere Effizienz beim Einsatz von Energie zurückgeführt.

Das sind die größten Stromverbraucher weltweit

Platz 1: China

China ist die weltweite Nummer Eins unter den Stromverbrauchern. Kein anderes Land benötigt mehr Strom. Auch bei der Stromerzeugung ist das Land an der Spitze, exportiert jedoch nicht besonders viel von seiner Energie. Im Ranking der Strom exportierenden Länder belegt die Volksrepublik nur den neunten Platz.

Platz 2: USA

Der zweitgrößter Stromverbraucher der Welt ist die USA. Fast fünf Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität waren im Jahr 2010 regenerative Energien.

Platz 3: Japan

Den dritten Platz der größten Stromverbraucher belegt Japan. Das Land ist zugleich viertgrößter Stromproduzent der Erde, vor ihm liegen nur Russland, China und die USA. Mit seinen Erzeugungen versorgt sich Japan im Gegensatz zu diesen Ländern jedoch ausschließlich selbst.

Platz 4: Russland

Fast genauso viel Strom wie Japan verbraucht Russland und liegt somit auf dem vierten Platz der weltweit größten Verbraucher. Das Land ist zudem drittgrößter Stromproduzent.

Platz 5: Indien

Der fünftgrößte Stromverbraucher der Welt ist Indien. Kein Wunder: Das Land ist nach China das bevölkerungsreichste der Welt, 1,3 Milliarden Einwohner leben dort laut Schätzungen.

Platz 6: Kanada

Auf dem sechsten Platz der größten Stromverbraucher gibt es eine Überraschung: Kanada. Dabei ist das Land relativ spärlich besiedelt, nur 34 Millionen Menschen leben dort.

Platz 7: Deutschland

Mehr als doppelt so viele Einwohner wie Kanada hat Deutschland, und ist dennoch hinter dem nordamerikanischen Land, wenn es um den Stromverbrauch geht. 545 Milliarden Kilowattstunden wurden 2011 verbraucht. Beim Export von Strom ist Deutschland hingegen fast Spitze. Im weltweiten Vergleich exportiert nur Nachbarland Frankreich mehr.

Platz 8: Frankreich

Als Stromexporteur ist Frankreich die weltweite Nummer Eins. Beim Stromverbrauch liegt das 65 Millionen Einwohner-Land dagegen nur auf dem achten Platz.

Die Franzosen setzen bei der Stromerzeugung voll auf Atomkraft. 58 Meiler waren 2011 in Betrieb. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum neun Atomkraftwerke, in Spanien acht und im Vereinigten Königreich 18.

Platz 9: Brasilien

Neungrößter Stromverbraucher ist Brasilien. In dem südamerikanischen Land leben 200 Millionen Menschen.

Platz 10: Südkorea

Südkorea ist auf dem zehnten Platz der größten Stromverbraucher der Welt. Das Land versorgt sich laut der US-Informationsbehörde CIA komplett selbst, importiert also keinen Strom. Seinen Strom erzeugte Südkorea im Jahr 2010 zu fast einem Drittel mit Atomkraft, bis 2024 soll sie fast 50 Prozent der Stromproduktion ausmachen.

Dagegen wurde nach vorläufigen Zahlen im vergangenen Jahr rund ein Prozent mehr Gas verbrannt, obwohl die Gaskraftwerke wegen der wachsenden Produktion von Ökostrom deutlich weniger liefen. Dies wurde aber durch den kälteren Winter und den höheren Gasbedarf für das Heizen mehr als ausgeglichen.

Der Ökostrom-Anteil am Verbrauch insgesamt stieg vor allem wegen des Ausbaus der Photovoltaik auf knapp 22 Prozent nach rund 20 Prozent 2011. Solarstrom allein stieg auf 4,6 Prozent von 3,2 Prozent. Verdrängt wurden vom Ökostrom die vergleichsweise teuren Gaskraftwerke, Braun- und Steinkohleanlagen lieferten einen leicht größeren Anteil als 2011. Bereits damals war diese Entwicklung zu beobachten, die durch niedrige Preise für Kohlendioxid-Verschmutzungsrechte begünstigt wird. In Deutschland sank der CO2-Ausstoß dennoch, da auch Gaskraftwerke - wenn auch in geringerem Umfang - Treibhausgas produzieren.

BDEW-Geschäftsführerin Müller wies daraufhin, dass sich die Betreiber der Anlagen in einer kritischen Lage befänden. Die flexiblen Kraftwerke werden gebraucht, um die schwankende Einspeisung von Wind- oder Sonnenstrom auszugleichen. Da deren Menge wächst und vorrangig eingespeist wird, laufen die Anlagen aber immer weniger.

Drastisch stieg der Austausch von Strom mit dem Ausland. Der Branchenverband geht von einem Rekord-Überschuss von 23 Milliarden Kilowattstunden aus, der 2011 noch bei sechs Milliarden Kilowattstunden lag. Ein Grund ist die Nachfrage aus den Niederlanden, wo der Strompreis höher lag. Trotz des Atomausstiegs hat sich der Tarif an der Leipziger Börse zuletzt weiter verbilligt und liegt für Industriekunden auf dem niedrigsten Stand seit fast drei Jahren. Dies bewirkt vor allem der steigende Verkauf von Ökostrom dort.

So funktioniert der Stromanbieterwechsel

Vertrag prüfen

Zuerst sollten Verbraucher in ihrem laufenden Vertrag prüfen, zu welchem Zeitpunkt sie diesen kündigen können.

Stromverbrauch ermitteln

In der letzten Jahresabrechnung können Kunden ihren jährlichen Stromverbrauch ablesen.

Preise vergleichen

In Vergleichsrechnern wie Verivox und Check24 können Nutzer ihren jährlichen Stromverbrauch und ihre Postleitzahl eingeben. Der Rechner ermittelt dann die günstigsten Preise. Verbraucherschützer empfehlen zudem, mehrere Rechner für die Tarifsuche zu nutzen.

Vertragsunterlagen anfordern

Direkt über den Tarifrechner oder über die Website des Versorgers können Kunden die Vertragsunterlagen anfordern.

Unterlagen prüfen

Die Vertragsunterlagen sollten Verbraucher sorgfältig prüfen und anschließend an den neuen Versorger zurücksenden. Oder sie schließen den Vertrag per E-Mail oder im Internet ab.

Vollmacht zur Kündigung

Mit den Vertragsunterlagen kann der Kunde seinem neuen Versorger auch eine Vollmacht zur Kündigung des Liefervertrags mit dem bisherigen Versorger geben.

Neuer Versorger wird tätig

Der neue Versorger regelt mit dem bisherigen den notwendigen Datenaustausch und organisiert gegebenenfalls auch mit dem Netzbetreiber die Zählerablesung, und meldet den Verbraucher dort als seinen Kunden an.

Schriftliche Bestätigung

Vom neuen Anbieter bekommt der Kunde schriftlich oder per E-Mail eine Bestätigung über Vertragsabschluss und Lieferbeginn. Verbraucherschützer raten jedoch, den Zählerstand am Wechseltag selbst zu notieren und an ihren örtlichen Netzbetreiber zu schicken.

Post vom alten Versorger

Der bisherige Versorger schickt dem Verbraucher eine Schlussrechnung über den bis zum Wechselzeitpunkt angefallenen Verbrauch. In der Regel kommt diese Rechnung innerhalb von vier bis sechs Wochen.

Während Privatverbraucher über eine Umlage auf den Tarif die Förderung der erneuerbaren Energien zahlen, werden Großverbraucher aus der Industrie davon teilweise befreit und profitieren direkt vom niedrigeren Börsenpreis. Durch den Export sanken nun auch die Preise in den Niederlanden, die Importe aus Deutschland verdrängten dort ebenfalls die vergleichsweise teuren Gaskraftwerke aus der Produktion. In der Energiebranche war nach dem Atomausstieg gewarnt worden, Deutschland werde vom Export- zum Importland werden.

Der BDEW warnte jedoch, den Überschuss nicht mit Versorgungssicherheit zu verwechseln. An bestimmten Tagen und in bestimmten Regionen könnten trotzdem Engpässe auftreten. Zudem sei unklar, wie hoch die tatsächlich bezahlte Exportmenge sei und wie viel Strom rein physikalisch über die Grenzen fließe. An einzelnen Tagen muss für den Export von Strom auch gezahlt werden, um das Netz zu entlasten. Zudem floss Strom in den vergangenen Jahren unkontrolliert nach Polen und Tschechien ab, wo dies jetzt die sogenannten Phasenschieber an den Grenzen verhindern sollen.

Von

rtr

Kommentare (10)

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vandale

10.01.2013, 16:16 Uhr

Strom kostet für die Industrie signifikant mehr als in anderen Ländern. Haushaltsstrom und Gewerbestrom kostet in D ein Vielfaches dessen was dieser in anderen Ländern kostet.

Bereits seit vielen Jahren werden in D kaum mehr stromintensive Industrieanlagen erstellt. Industriekonzerne stellen sich auf weiter steigende Preise und ggf. auch auf ein Auslaufen der Befreiung von der EEG Umlage ein. Insofern kann ein wesentlicher Teil des gesunkenen Verbrauchs auf Produkionsverlagerungen beruhen.

Die Theorie Wohlstand und Energieverbrauch zu entkoppeln ist eine ökoreligiöse Saga. Real ist dass sich die Industriestruktur Deutschlands weg von energieintensiven Produkten bewegt. Aluminium, Kunstdünger und Stahl lässt sich auch importieren.

Die gesunde Industriestruktur wird dadurch langfristig zerstört. Regelmässig ist es sehr hilfreich wenn Materialhersteller und Anwender die gleiche Sprache sprechen und sich in der Entwicklung gegenseitig befruchten.

Vandale

vandale

10.01.2013, 16:41 Uhr

Ein weiterer Aspekt im Artikel ist der Export wertlosen, umweltschädlichen Oekostroms. Die Stromerzeugung aus Wind und Sonne folgt den Launen des Wetters und nicht dem Bedarf.

In der Vergangenheit hat man dann die Ueberschüsse des Oekostroms den Nachbarländern in die Netze gedrückt. Weil ein Stromüberschuss, Frequenzanstieg*, einen Zusammenbruch des Netzes zur Folge haben kann, haben sich die Nachbarländer CSR und Polen mit Frequenzschiebern an der Grenze ausgerüstet. Das ist einer der wesentlichen Gründe für den Ausbau des Höchstspannungsnetzes in Deutschland.

Vandale

*Bei einer zu niedrigen/hohen Stromfrequenz schalten die Kraftwerke ab. Das Netz bricht zusammen.

Sonnenschein

10.01.2013, 17:20 Uhr

Zitat: "Strom kostet für die Industrie signifikant mehr als in anderen Ländern."

Dank des Ausbaus der erneuerbaren Energien und der Energiewende ist der Strom in den letzten Jahren in Deutschland für die Industrie allerdings preiswerter geworden.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/strompreise-studie-ermittelt-drastisch-gesunkene-preise-fuer-industrie-a-876192.html

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