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23.01.2013

14:31 Uhr

Energietagung

Eon-Chef warnt vor wachsender Black-Out-Gefahr

VonDana Heide

„Die Lage ist dramatisch“: Eon-Chef Teyssen warnt, dass sich Gaskraftwerke nicht mehr lohnen – obwohl sie für die Energiewende äußerst wichtig sind. Der Manager plädiert deswegen für ein neues Entlohnungsmodell.

„Die Rendite ist bei null angelangt“: Eon-Chef Teyssen warnt, dass Gaskraftwerke sich nicht mehr lohnen. Reuters

„Die Rendite ist bei null angelangt“: Eon-Chef Teyssen warnt, dass Gaskraftwerke sich nicht mehr lohnen.

BerlinEon-Chef Johannes Teyssen hat vor steigenden Blackout-Risiken bei der Stromversorgung in Deutschland gewarnt. „Die Politik muss klar sehen, was sich hier an Versorgungsrisiken zusammenbraut“, sagte er am Mittwoch bei der Handelsblatt-Energietagung in Berlin. Gegen den gesetzlichen Vorrang der erneuerbaren Energien könnten sich konventionelle Kraftwerke nicht behaupten, das gelte besonders für Gaskraftwerke. Diese sind jedoch notwendig, um die Schwankungen von Wind- und Sonnenstrom auszugleichen.

„Die Lage der umweltfreundlichen Gaskraftwerke ist dramatisch. Die Rendite ist bei null angelangt“, betonte Teyssen. Es werde geprüft, ob hocheffiziente Kraftwerke stillgelegt werden. „Man muss verstehen, dass man nicht durch ein Gesetz die Lasten der Energiewende privatisieren kann“, sagte Teyssen.

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Die konventionellen Kraftwerke sind im Zuge der Energiewende nötig, um die Schwankungen der erneuerbaren Energien auszugleichen. Vor allem Gaskraftwerke eignen sich dazu gut, weil man sie sehr schnell hochfahren kann. Doch sie sind auch recht teuer, sodass sich ihr Betrieb im Vergleich zu Kohlekraftwerken, die ebenfalls als Grundlastkraftwerke herhalten, weniger rechnet.

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Damit es sich für die Energieversorger dennoch lohnt, die nötigen Reserven vorzuhalten, plädierte Teyssen am Rande der Energietagung für eine Entlohnung der „Leistung“ statt der „Arbeit“. Kraftwerksbetreiber sollten auch dann entlohnt werden, wenn sie die Leistung nur vorhalten, sie aber wegen des Vorrangs von erneuerbaren Energien nicht verkaufen, wie es derzeit oft bei Gaskraftwerken der Fall ist.

Kommentare (25)

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Rumpelstilzchen

23.01.2013, 15:33 Uhr

Zitat Teyssen: „Man muss verstehen, dass man nicht durch ein Gesetz die Lasten der Energiewende privatisieren kann“. Aber durch ein Gesetz die Risiken der Atomkraftwerke sozialisieren, das war ok!? Man kann eben nicht immer nur gewinnen.

Stromer

23.01.2013, 15:38 Uhr

Wenn die Stromkonzerne die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleisten können oder wollen, dann verstaatlicht diese Unternehmen eben (wieder). Im Sinne des Großen und Ganzen muß man dann eben manche Geschäftsbereiche (Z.B. Reservekraftwerke) innerhalb des Unternehmens quersubventionieren. Die Stromversorgung gehört zu den Lebensgrundlagen, nciht einzusehen dass Private zu Lasten der kleinen Leute Milliardengewinne und riesige Boni einstreichen müssen!

Karpfenkopf

23.01.2013, 16:00 Uhr

Teyssen jammert auf hohem Niveau.

Jetzt wo EON alles verscherbelt hat, was sich zu Geld machen ließ, drückt er wieder die alte Leiher, des Blackouts in die Medien.

Er hatte lange Zeit, Themen wie Energiebinnenmarkt, Versorgungssicherheit, Preisstabilität und selektive Investitionen voranzutreiben.

Wenn EON nicht mehr in der Lage ist, die Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten, dann sollte man in der Tat über eine Verstaatlichung nachdenken.
Bleibt abzuwarten, wie sich die Bundesregierung hierzu äußern wird.

Fakt ist aber auch, dass der EON-Chef nichts anderes fordert. als wieder den Bürger zu beteiligen. Die Großindustrie ist dabei, Bürger noch mehr als die Politik zu melken. Es ist also nur eine Frage der Zeit bis die FDP-Spitze wieder von sich hören lässt.

Ein Blackout in Deutschland würde die Inkompetenz EONs in Sachen Versorgungssicherheit verdeutlichen. Teyssen sollte also lieber intern ohne die Öffentlichkeit Stellschrauben zur Rentabilität drehen und nicht öffentlich rumzetern! Was hat Deutschland nur für Topmanager zu bieten? Furchtbar!

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