Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.03.2014

08:39 Uhr

Energieversorger

RWE erwartet weiteren Ergebnisrückgang

Der Energieversorger RWE hat im Jahr 2013 ein Minus von 2,8 Milliarden Euro verbucht. Das Handelsblatt hatte dies bereits in der vergangenen Woche vermeldet. Auch im laufenden Jahr soll es nicht besser werden.

Hochspannungsleitung vor dem RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaußem: Der Energiekonzern hat 2013 einen Verlust in Höhe von 2,8 Milliarden Euro gemacht. dpa

Hochspannungsleitung vor dem RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaußem: Der Energiekonzern hat 2013 einen Verlust in Höhe von 2,8 Milliarden Euro gemacht.

EssenMinus mit Ankündigung: Ein Einbruch in der konventionellen Stromerzeugung hat den zweitgrößten deutschen Energieversorger RWE erstmals seit über 60 Jahren tief in die roten Zahlen gedrückt. Nach der am Dienstag in Essen präsentierten Bilanz stürzte das Nettoergebnis auf minus 2,8 Milliarden Euro ab. Im Vorjahr hatte RWE noch 1,3 Milliarden Euro verdient.

Grund für den hohen Verlust waren Abschreibungen in Höhe von 4,8 Milliarden Euro vor allem auf konventionelle Kraftwerke. Das Handelsblatt hatte bereits in der vergangenen Woche über den Milliarden-Verlust berichtet.

Das um Abschreibungen bereinigte nachhaltige Nettoergebnis gab leicht von knapp 2,5 auf 2,3 Milliarden Euro nach. Das Betriebsergebnis in der konventionellen Stromerzeugung sank um 58 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro – auch weil RWE 2013 für CO2-Zertifikate Geld zahlen musste. Die gesamte Stromerzeugung des Konzerns ging um fünf Prozent auf 217 Milliarden Kilowattstunden zurück.

Welche Kraftwerke RWE abschalten will

Amer 8

Der Energieversorger RWE will in den nächsten Jahren zahlreiche Kraftwerke aus dem Markt nehmen. Darunter ist auch das Steinkohlekraftwerk Amer 8 in den Niederlanden. Die Anlage mit einer Erzeugungskapazität von 610 Megawatt soll Anfang 2016 stillgelegt werden.

Moerdijk 2

Die meisten der Anlagen, die RWE aus dem Markt nehmen will, sind Gaskraftwerke, wie etwa Moerdijk 2 in den Niederlanden. Die Anlage hat eine Erzeugungskapazität von 430 Megawatt und soll bereits Ende dieses Jahres langfristig konserviert werden.

Gersteinwerk F und Gersteinwerk G

Auch die Anlagen Gersteinwerk F und Gersteinwerk G sollen eingemottet werden. Gersteinwerk F noch in diesem Jahr und Gersteinwerk G Mitte 2014. Die Gaskraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 355 Megawatt und stehen in Deutschland.

Weisweiler H und Weisweiler G

Weisweiler H und Weisweiler G arbeiten ebenfalls mit Gas. Die deutschen Kraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 270 Megawatt und sollen bis Oktober 2013 langfristig konserviert werden.

Emsland B und Emsland C

Die deutschen Gaskraftwerke Emsland B und Emsland C haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 360 Megawatt und sollen bis Mitte 2014 zumindest in den Sommermonaten abgeschaltet werden.

Ebenso wie seine Konkurrenten hat RWE bereits zahlreiche konventionelle Kraftwerke abgeschaltet oder ist noch im Begriff, dies zu tun. Der Betrieb von Gas- oder Kohlekraftwerken lohnt sich immer weniger. Der Grund: Wegen zeitweise hoher Überkapazitäten im Strommarkt sind die Preise an der Börse stark gefallen. Hinzu kommt, dass die Betreiber konventioneller Kraftwerke diese immer seltener anschalten. Die Kraftwerke kommen also oft nicht auf die Betriebszeiten, die für einen rentablen Betrieb nötig wären.

Die Zahl stillgelegter Kraftwerke könne sich 2014 noch deutlich erhöhen, erklärte Terium im Vorwort zum Geschäftsbericht. Der RWE-Chef plädiert wie viele Branchenvertreter für einen Kapazitätsmarkt, also Zahlungen an die Versorger für das Vorhalten von Kohle- und Gasstrom. Das sei keine Subvention, betonte Terium: „Die Feuerwehr wird ja auch nicht nur dann bezahlt, wenn sie einen Brand löscht.“

Kommentare (15)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

04.03.2014, 08:10 Uhr

Die überholte Politik der großen Energieversorger (hier RWE) haben nicht nur die Konzerne in die Bredouille gebracht, sondern auch viele Kommunen und Städte. Wenn in die Bilanzen mancher Städte die aktuellen Börsenkurse von RWE und Co eingepflegt würden, wären sie pleite.

Das Geschäftsmodell von RWE ist überholt. Das Jahrhundert der zentralen Stromversorgung ist Geschichte. Die Zukunft ist ein wesentlich weniger anfälliges feinmaschiges Stromnetz mit vielen Millionen Stromlieferanten. Wenn es RWE, E.on, Vattenfall, EnBW oder Steag nicht schaffen, sich in diesem Stromnetz einzugliedern, wird es eng für diese Konzerne.

Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Politik diese Konzerne einfach fallen lässt, wie eine heiße Kartoffel. Wie kann man helfen? Wäre eine Abwrackprämie für alte Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke der richtige Weg? Soll man den großen Versorgern den Bereich der Offshore-Windenergie überlassen und sie dort finanziell absichern?

Fest steht, dass der Ausbau der dezentralen Energieversorgung viel, viel schneller erfolgt, als noch vor wenigen Jahren gedacht. Das hat die trägen Dinosaurier des Stroms auf dem falschen Fuß erwischt. Die haben sich damit begnügt, alte Kraftwerke weiter zu betreiben und haben einen Propagandafeldzug zur Laufzeitverlängerung von AKWs geführt. Jetzt werden sie von der Wirklichkeit eingeholt. Strom aus Kernenergie ist ein Auslaufmodell und wir haben fast 10 GW Leistung aus Großkraftwerken zu viel in Deutschland. Auch die zur Zeit billige Braunkohleverstromung ist auch nur ein Strohfeuer. Dreck machen wird wieder teurer werden.

Wenn das RWE nicht ganz schnell das macht, was es in seiner Werbung ankündigt, ist mit dem voRWEg gehen in 10 Jahre Feierabend.

Account gelöscht!

04.03.2014, 08:42 Uhr

RWE ist nicht mehr zu helfen! Wenn die schon selbst mit einen "Energiewende Werbespot" Ihren eigen Untergang propagieren!
Nicht WIR Deutschen sind Verrückt, sondern RWE und die deutsche Energiewende Politik.
Diese politisch Diktierte Energiewende hätte NIE und Nimmer von der deutschen Industrie/Handwerk/Gewerbe akzeptiert werden dürfen! BASF, Siemens und CO. hätte sich von Anfang an gegen diese volkswertvernichtende politischen Energiewende/EEG stellen müssen!
Wertschöpfung durch diese Energiewende = Null bzw. Volkswertvernichtend!

Account gelöscht!

04.03.2014, 09:27 Uhr

@Europaeer: Das Geschäftsmodell von RWE war die Produktion von Strom. Das funktioniert nicht mehr besonders gut (weil der Staat in die Marktwirtschaft eingegriffen hat).

Aber die sogenenannte dezentrale Energieversorgung hat noch gar kein Konzept! Schauen Sie sich mal an wie stark die Produktion von Windstrom in Deutschland schwankt! Und nachts scheint in ganz Deutschland die Sonne nicht. Zu blöd. Also werden Speicher benötigt. Und dann wird's richtig teuer. Dagegen sind die zweistelligen Milliardenbeträge, die wir jetzt jedes Jahr für Ökostrom zahlen, winzige Zwerge.


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×