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23.01.2011

10:00 Uhr

Enthüllungs-Bücher

Facebooks geheime Seiten

VonSven Prange, Claudia Schumacher

In der Welt des Internets ist Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ein Star. Im echten Leben wächst die Schar der Kritiker und Neider. Neue Bücher versuchen, den Einfluss der sozialen Netzwerke aufzuschlüsseln und so einen Einblick in deren Macht zu verschaffen.

Jesse Eisenberg als Mark Zuckerberg im Film "The Social Network". Quelle: dpa

Jesse Eisenberg als Mark Zuckerberg im Film "The Social Network".

DÜSSELDORF . Nicola findet, "Grün ist eine schöne Farbe". Ingvar ist jetzt mit Asgeir und Magnea befreundet, und Daniel wartet darauf, dass seine Nachbarin sich über den Lärm seiner Waschmaschine beschwert. Alles Nachrichten aus dem Facebook-Freundeskreis vom heutigen Vormittag. Das ist die eine Seite der Facebook-Welt. Die, wegen der Skeptiker wohl nie daran glauben werden, dass das soziale Internetnetzwerk das seriöse Unternehmen wird, das Befürworter immer voraussagen.

Es gibt auch die andere Seite. Auf dieser steht Oscar Morales, ein Bauingenieur aus Kolumbien. Er gründete 2008 eine Aktionsgruppe auf Facebook, um gegen die Farc-Miliz, die seit Jahrzehnten sein Heimatland terrorisiert, zu mobilisieren. Binnen zwei Tagen schlossen sich 8000 Kolumbianer der Gruppe an. Der Präsident registrierte den Zulauf und startete ein landesweites Aktionsprogramm gegen die Farc. Facebook hatte gezeigt, dass es mehr ist als nur eine Quasselbude.

Mit Oscar Morales beginnt auch das Buch "Der Facebook-Effekt". Der amerikanische Wirtschaftsjournalist David Kirkpatrick zeichnet nach, wie aus der Idee des Studenten Mark Zuckerberg ein weltweites Internetimperium wurde, das die Investmentbank Goldman Sachs vor wenigen Tagen auf einen Wert von gut 50 Milliarden Dollar taxierte. "Eine transparentere Welt schafft eine besser regierte Welt und eine gerechtere Welt", zitiert er den Facebook-Gründer. Kirkpatricks Buch ist eine von mehreren Neuerscheinungen dieses Frühjahrs, die sich mit dem Phänomen der sozialen Internetnetzwerke beschäftigen. Morgen in den Buchhandel kommt "Gemeinsam einsam" des deutschen Journalisten Carsten Görig.

Beide diskutieren genau den Balanceakt zwischen Plauderforum und ernstzunehmendem Medium, den Facebook, Twitter und Co. hinzubekommen suchen. Während Kirkpatrick sich fast ausschließlich auf Facebook fokussiert, versucht Görig den Rundumschlag und widmet sich all den Phänomenen, die im Internet derzeit für Furore sorgen: Google, Facebook, Twitter und selbst Apple.

Das Geschäft im Internet wandelt sich. Mit Google, Facebook und Apple kristallisieren sich die großen Fixpunkte des World Wide Web heraus. Im Geschäft mit dem digitalen Datenverkehr fließen wieder Gelder wie zu Zeiten der Dotcom-Blase. Erst am vergangenen Wochenende erschien eine Studie, wonach in Ländern wie Großbritannien, Schweden oder Dänemark bereits die Hälfte aller Einwohner Mitglied bei Facebook ist. Deutschland ist dagegen mit etwa zehn Prozent noch Entwicklungsland.

Doch die Zeit der unbegrenzten Bewunderung für all die Firmen, die mit frischen Ideen binnen kürzester Zeit das Internet eroberten, geht zu Ende. Viele der neuen Bücher problematisieren die Trends, die von der Netzgemeinde als reiner Segen gefeiert werden. Sie tun es allerdings unterschiedlich: Detailliert, in präziser Sprache, fundiert durch eine bemerkenswerte Nähe - ohne sich gemein zu machen - zu Thema und handelnden Personen, wie es David Kirkpatrick tut. Klischeehaft, oberflächlich und zum Teil vereinfachend, wie sich Görig seinem Sujet nähert.

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