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05.04.2012

13:31 Uhr

Entlassung des Deka-Chefs

Haasis hat Mumm bewiesen

VonDieter Fockenbrock

In der Debatte um Vorstandsgehälter hat Sparkassen-Präsident Haasis Fakten geschaffen: Er entließ den zu gierigen Chef der Dekabank. Damit zeigt er Deutschlands Verwaltungs- und Aufsichtsräten, wie es eigentlich geht.

Der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes, Heinrich Haasis. dpa

Der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes, Heinrich Haasis.

DüsseldorfHeinrich Haasis gebührt großer Dank! Der scheidende Sparkassen-Präsident scheint der erste Manager zu sein, der den Mumm hat, in der strittigen Frage um angemessene Vorstandsgehälter Fakten zu schaffen, statt sich um Entscheidungen herumzudrücken. Haasis feuert den Chef der sparkasseneigenen Dekabank, Franz Waas, wegen überhöhter Bonusforderungen.

Waas will 2,5 Millionen Euro mehr, als Verwaltungsratschef Haasis zu zahlen bereit ist. Haasis statuiert damit in der Dauerdebatte um angeblich oder vermeintlich übertriebene Vorstandsvergütungen ein Exempel. Es wurde auch Zeit.

Erstaunlich daran ist auch, dass die sonst so machtbewussten Aufsichtsräte aus der Privatwirtschaft sich von einem Vertreter des öffentlich-rechtlichen Lagers vorführen lassen. Haasis hat getan, was seine Kollegen in den Kontrollgremien der großen Industriekonzerne längst hätten tun müssen – und was sie rechtlich auch hätten tun können: den teilweise nicht mehr zu rechtfertigenden Anstieg der Vergütung zu stoppen.

Dieter Fockenbrock, Chefkorrespondent Unternehmen & Märkte. Pablo Castagnola

Dieter Fockenbrock, Chefkorrespondent Unternehmen & Märkte.

Haasis beruft sich auf die Vergütungsprinzipien der Dekabank. Und die sprechen eine eindeutige Sprache. Dort steht nachzulesen, dass „im Fall von unangemessen hohen variablen Vergütungsbestandteilen eine Korrekturmöglichkeit“ bestehen muss. Und die Bezüge zu kürzen, so heißt es weiter, müsse nach „billigem Ermessen“ möglich sein. Was nichts anderes heißt, als dass die Aufsichtsrgremien der Dekabank ausdrücklich dazu ermächtigt sind, aus dem Ruder laufende Boni zu kappen.

Genau darum geht es auch in der Privatwirtschaft. Haasis’ Kollegen in den Aufsichtsräten der Kapitalgesellschaften scheinen sich aber nicht zu trauen. Dabei gibt ihnen der Gesetzgeber seit drei Jahren ein Instrument an die Hand, das bei korrekter Anwendung in nichts den Regeln der Sparkassenbank nachsteht. Im Aktiengesetz heißt es, der Aufsichtsrat solle „für außerordentliche Entwicklungen eine Begrenzungsmöglichkeit der variablen Vergütung vereinbaren“. Im Übrigen werden die Kontrolleure darauf verpflichtet, die Bezahlung der Vorstände „in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben und Leistungen des Vorstandsmitglieds“ festzulegen.Im Klartext: Es ist die Pflicht der Konzernkontrolleure, einen Deckel zu bestimmen.

Nur: Es macht kaum jemand. Stattdessen verstecken sich alle, die Verantwortung tragen, hinter dem Argument, Vertrag sei Vertrag. Selbst Spitzengewerkschafter wie DGB-Chef Michael Sommer, IG-Metall-Chef Berthold Huber oder Verdi-Chef Frank Bsirske, die gern und immer wieder Gehaltsexzesse der Manager geißeln, weichen aus.

Huber findet Martin Winterkorns 17,5 Millionen Euro „in Ordnung“, Sommer „gönnt“ René Obermann seine 4,3 Millionen Euro, und Bsirske würdigt die „Managementleistung“ Jürgen Grossmanns, die ihm 6,4 Millionen Euro wert ist. Dabei hätten die Gewerkschaftsführer in ihrer Eigenschaft als Aufsichtsrat von Volkswagen, Telekom und RWE durchaus die Möglichkeit gehabt, ein „Halt, bis hier und nicht weiter!“ zu rufen.

Aber es sind natürlich nicht nur die Gewerkschafter, denen mangelnder Mut vorzuwerfen wäre. Sparkassen-Mann Haasis zeigt vielmehr der versammelten Kollegenschaft der Deutschland AG, was es heißt, den Pflichten eines Verwaltungs- oder Aufsichtsrats nachzukommen. In Berlin wird das alles sicher aufmerksam beobachtet. Und niemand darf sich später wundern oder gar beklagen, wenn der – eigentlich vollkommen überflüssige – Ruf nach dem Staat Gehör findet.

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