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02.09.2012

09:40 Uhr

Entlassung von Bossen

Die Kunst des Königsmordes

VonKatrin Terpitz, Hans-Peter Siebenhaar

Wenn Konzerne ihre Chefs loswerden wollen, greifen sie schon mal zu unprofessionellen Methoden – von öffentlicher Demontage bis „Tod auf Raten“. Doch das schadet nicht nur dem Geschassten, sondern auch den Firmen selbst.

Widerwilliger Abgang: der ehemalige Barclays-Chef Bob Diamond ist nicht freiwillig gegangen. Reuters

Widerwilliger Abgang: der ehemalige Barclays-Chef Bob Diamond ist nicht freiwillig gegangen.

DüsseldorfNirgendwo wird so gelogen wie auf Beerdigungen – und in Presseverlautbarungen zum Abgang eines Unternehmenschefs. „Wir schätzen die zahlreichen Beiträge Karl-Friedrich Strackes zum Erfolg von GM“, heißt es etwa in der Presseerklärung zum Rücktritt des Automanagers von der Opel-Spitze im Juli. Tatsächlich aber war Stracke nach nur 15 Monaten im Amt bei Konzernmutter General Motors in Ungnade gefallen.

„In gegenseitigem Einvernehmen, auf eigenen Wunsch, aus persönlichen Gründen“ – so lauten die Floskeln beim Abgesang auf Manager. Der Geschasste soll sein Gesicht wahren, deshalb klingen die Begründungen für die Abgänge zuweilen absurd. Da stellt sich ein Chef am Zenit seiner Karriere plötzlich „neuen Herausforderungen“ oder macht „seinen langjährigen Traum von der Selbstständigkeit wahr“.

Tatsächlich aber ist das Feuern einer Führungskraft eine hohe Kunst – wobei es ganz unterschiedliche Entlassungskulturen gibt.

Bob Diamond, Chef der Barclays Bank, die im Verdacht steht, in die jahrelangen Manipulationen des Libor-Zinssatzes verwickelt zu sein, musste sich nach nächtlichen Telefonaten widerwillig dem Druck diverser Aufsichtsorgane beugen. Yahoo-Chef Scott Thompson wurde kürzlich nach nur vier Monaten entlassen. Er hatte mit einem falschen Uni-Abschluss seinen Lebenslauf frisiert.

Grundsätzlich gilt: Wenn sich der Boss etwas zuschulden hat kommen lassen, muss der Aufsichtsrat sofort handeln und den Manager entlassen oder zum Rücktritt bewegen. Sonst haftet er selbst für etwaige Schäden.

Diese Gesetzeslage bietet aber auch Potenzial: Wenn ungeliebte oder in Ungnade gefallene Vorstände entlassen werden sollen, ordnet der Aufsichtsrat gerne mal eine Sonderprüfung zu bestimmten Themen an.

Dabei kann ein Vorstand laut Aktiengesetz jederzeit seiner Aufgaben enthoben werden, wenn das Vertrauen erschüttert ist, betont Klaus Hansen, Deutschland-Chef der Personalberatung Odgers Berndtson. Nur ist es dann meist teurer, ihn loszuwerden.

Gerade in den USA, dem Mutterland des „Hire and Fire“ ist das gang und gäbe. Die Vorgängerin des geschassten Yahoo-Chefs Thompson, Carol Bartz, erhielt an einem späten Dienstagabend im September 2011 einen Anruf von Verwaltungsratschef Roy Bostock: Sie war gefeuert. Bartz reagierte spontan und mailte an die Mitarbeiter: „Ich bin sehr traurig, euch mitteilen zu müssen, dass mich unser Verwaltungsratschef gerade am Telefon entlassen hat. Es war gut, mit euch zu arbeiten. Alles Gute.“

„Es wirkt immer sehr brutal, wenn Chefs so plötzlich rausfliegen“, sagt Hansen. Zudem sind die Personalien, wenn es um börsennotierte Unternehmen geht, stets auch ad-hoc-pflichtig. Eine Entlassung des Vorstandschefs müsse deshalb sehr schnell geschehen, so Hansen. Ein Dax-Chef bekäme auch keine „Abmahnung“, sagt Hansen, das würde früher oder später an die Öffentlichkeit dringen. Und Unsicherheit an der Führungsspitze verunsichert Mitarbeiter, Kunden und Anleger extrem.

Optimal ist es deshalb, wenn sofort ein interner Nachfolger parat steht. Denn: „Aufsichtsräte, die hinter dem Rücken des amtierenden Chefs extern nach einem Nachfolger suchen, gehen immer ein hohes Risiko ein“, meint Hansen. „Verplappert sich jemand, kann das dem Unternehmen erheblich schaden.“

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

02.09.2012, 13:33 Uhr

Königs-Mord zur Einführung der Königin.

Entweder man quält sich mit Qualifizierung als Mann oder man hat eben das richtige Genital in der Unterhose. Ist das die Lösung der Gleichberechtigung ? Wohl eher NEIN.

Es geht nur darum weibliche Netzwerke zu knüpfen gegen die Männer, damit die abartige Politik der "EU aus Brüssel" besser umgesetzt werden kann. Die Aussitz-Frauen sollen sich immer weiter verbreiten zum Wohle des Sozialismus. Darum geht es.

"Umfrage: Mehrheit für erneute Kandidatur von Seehofer
2. September 2012 – 09:46

Vor der offiziellen Bekanntgabe der Spitzenkandidatur von Horst Seehofer (CSU) für den bayerischen Landtagswahlkampf hat sich eine deutliche Mehrheit der Deutschen dafür ausgesprochen, dass sich der bayerische Ministerpräsident wieder für das Amt bewirbt. ..."

http://www.netzticker.com/politik/umfrage-mehrheit-fur-erneute-kandidatur-von-seehofer/131615

Hier gibt es bessere weibliche Politiker in der CSU als diesen unglaubwürdigen abduckenden Seehofer. Lasst mal Frau Haderthauer dran oder Frau Aigner. Die haben mehr konservative Ausstrahlung als Herr Seehofer !

Wer wurde da nur wieder "befragt" als "Mehrheit der Deutschen. Wahrscheinlich in Seehofers Stamm-Kneipe. Abartiges Lügen-Statistik-Theater.

hoppala

02.09.2012, 14:03 Uhr

Seit William Shakespeare hat sich an den Prinzipien des Königsmordes wenig geändert: die Texte werden lediglich kürzer und die fotografierten begossenen Pudel mehr.
Wachstum also auch hier.

W.S

02.09.2012, 20:12 Uhr

Das Buch" die Patin " von Frau Professor Dr. Höhler kann ich
empfehlen, wie man Führungskräfte loswird bzw. wie man
selbst zum Chef aufsteigt. Angela Merkel hat schon so viele
Parteifreunde geschasst und dadurch viel Erfahrung gesammelt.
Ein muss für alle Aufsteiger und Möchtgerne.
MfG
Walter Schmid

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